Jungbauer setzt auf Pferdestärken

KrauchthalHafer statt Benzin: Der junge Landwirt David Michel macht es den Amischen nach und verzichtet auf den Traktor. Er bewirtschaftet den Bauernhof nur mit Pferden. Das Konzept geht bislang auf.

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«Hüü – geh ein bisschen zur Seite.» David Michel streift der 15-jährigen Stute das Kummet – das Geschirr – über den Kopf. Danach tätschelt er ihr liebevoll den Hals. Der Jungbauer braucht nur wenige Minuten, um seinen beiden Pferden Princesse und Jurek die Geschirre anzulegen. «Das ist reine Übungssache», sagt der 26-jährige Michel. Der junge Landwirt hat sich vor knapp einem Jahr entschieden, voll auf natürliche Pferdestärken zu setzen und seinen Betrieb ohne Traktor zu bewirtschaften.

Doch jetzt im Winter werden die Tiere nicht mehr jeden Tag eingespannt, heute jedoch erlaubt das kalte trockene Wetter, Mist zu führen. Unterstützt wird Michel, der sonst meist alle Feldarbeiten alleine verrichtet, von seiner Lebensgefährtin Daniela Hutmacher, die Vollzeit als Bankkauffrau arbeitet.

Seit fünf Jahren wohnt das Paar im schmucken Bauernhof in Krauchthal. Es ist ein Wohnen auf Zeit, denn die Pacht ist bis Ende 2017 befristet. Danach wird der Landwirt den elterlichen Biobetrieb im luzernischen Roggliswil übernehmen.

David Michel hält in Krauchthal 22 Mutterkühe mit ihren Kälbern der Rasse Piemonteser. 18,5 Hektaren Land gilt es nach den biologischen Grundsätzen zu bewirtschaften.

Der Entscheid, auf motorisierte Maschinen zu verzichten und stattdessen auf den Pferdezug umzustellen, fiel letztes Jahr. Ausschlaggebend war, dass Michel zum Abschluss der Meisterprüfung eine Betriebsstudie ausarbeiten musste. In der Analyse ging es darum, mögliche Optimierungsvarianten für den Betrieb zu erkennen, die auch realistisch umgesetzt werden können. «Ich dachte mir, wenn schon umstellen, wieso nicht gerade im grossen Stil.»

Amische als Vorbilder

Bei der Ausarbeitung des Konzepts liess er sich von den Amischen und deren Arbeitsgeräten inspirieren. Die Amischen sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft in Nordamerika, deren Wurzeln unter anderem auf das Emmental zurückgehen. Viele Mitglieder verzichten weitgehend auf moderne Technik wie etwa Verbrennungsmotoren.

Günstiger Unterhalt

Interessant an dieser Gemeinschaft sei, so Michel, dass sie als einzige Landwirte in den USA schuldenfrei wirtschafteten. Das sei einerseits darauf zurückzuführen, dass sie sparsam lebten. «Andererseits ist die Technik an ihren eingesetzten Maschinen einfach und dadurch im Unterhalt sehr günstig.» Und bei diesem Punkt kommt der Jungbauer ohne Umschweife auf seine eigenen Finanzen zu sprechen. «Der Abschluss Ende Jahr kann sich sehen lassen.» Er würde sogar sagen, die Zahlen werden etwas besser daherkommen als in den letzten Jahren.

Michel liebt die Technik

Im Freilaufstall von David Michel stehen drei Kaltblüter und ein Freiberger. Je nach Arbeit spannt er ein, zwei oder sogar drei Pferde vor, wie beispielsweise beim Einfahren der Heuballen, die er von einem Lohnunternehmer pressen lässt. Wichtig bei der Tätigkeit mit Pferden sei, dass das Tempo angepasst werde und «dass man überlegt unterwegs ist». Die Bewirtschaftung mit Rössern habe den Vorteil, dass der Boden nur punktuell belastet werde – die Fahrspuren von Traktoren seien viel gravierender.

Und natürlich spielt auch das Gewicht eine tragende Rolle: Wiegt ein Traktor locker vier bis fünf Tonnen, so bringen es zwei Pferde auf rund ein Drittel. «Die Bodenbelastungen durch schwere Maschinen beeinträchtigen Pflanzenwachstum und Bodenfruchtbarkeit», erklärt Michel. Er hält aber fest, dass er grundsätzlich nichts gegen moderne Landwirtschaftstechnik habe – im Gegenteil: Er sei technisch sehr interessiert. Und den passenden Beweis liefert er gleich mit. Auf der Bühne stehen allerlei interessante Gerätschaften, beispielsweise eine Sämaschine mit einer Arbeitsbreite von zweieinhalb Metern, die aus zwei alten Aebi-Geräten entstanden ist.

Und es hat noch weitere faszinierende Maschinen: Sämtliche hat Michel in Zusammenarbeit mit Schmitz-Pferdezugtechnik aus Wolhusen konstruiert oder umgebaut. Denn im Frühling ziehen die Pferde den Ackerstriegel über die Felder, im Sommer beim Heuen werden sie vor Zetter und Schwader eingespannt. Die meisten Geräte werden an einen sogenannten Schmitz-Vorderwagen angebaut. Dieser verfügt über eine bodenbetriebene Zapfwelle, die dem Landwirt ermöglicht, verschiedenste Arbeiten auszuführen. Ein elektrisch betriebenes Hydrauliksystem sorgt für den nötigen Arbeitskomfort. So lässt sich beispielsweise der sechs Meter breite Doppelschwader ganz modern per Knopfdruck bedienen.

44'500 Franken Preisgeld

Stundenlang kann der gebürtige Luzerner mit seinen zwei Kollegen Christoph Schmitz und Fritz Hadorn darüber brüten, wie einzelne Maschinen optimiert werden könnten. Dieser Erfindergeist brachte ihm kürzlich einen Beitrag von 44'500 Franken der Klimastiftung Schweiz ein. Diese unterstützt mit 1,2 Millionen Franken achtzehn kleine und mittlere Unternehmen, die sich für das Klima einsetzen.

David Michel wird das Geld in neue Entwicklungen investieren. Eines seiner aktuellen Projekte ist, eine Heu-Rundballenpresse für den Pferdezug umzubauen – natürlich ganz ohne Motor. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 12.12.2013, 09:11 Uhr)

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