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Jetzt steht fest: Die Tage des Spitals sind gezählt

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 25.09.2009

Hiobsbotschaft für Niederbipp: Die Spital Region Oberaargau (SRO) will den Akutstandort Niederbipp nach Langenthal zügeln. Das heisst: Das Spital Niederbipp wird bald keines mehr sein. Wann es so weit ist, steht noch nicht fest.

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Die Spatzen pfeifen es schon seit geraumer Zeit von den Dächern: Die Tage des Spitals in Niederbipp sind gezählt. Dies bestätigte nun erstmals klipp und klar das kantonale Spitalamt. Vorsteherin Annamaria Müller Imboden sagte auf Anfrage: «Es ist geplant, die Akutabteilung in Niederbipp zu schliessen.» Und ja, das heisse nichts anderes, als dass es in Niederbipp dereinst kein Spital mehr geben werde.

Wann die Niederbipper Ärzte die Skalpelle und die Gummihandschuhe niederlegen müssen, konnte Müller Imboden allerdings nicht sagen. Dies sei Sache der Spital Region Oberaargau (SRO) AG.

Behörde weiss von nichts

Auch SRO-Direktor Hanspeter Kuert konnte gestern keinen Termin für das Ende des Spitals in Niederbipp nennen. Die Schliessung sei zwar «im Prinzip» geplant, «aber noch nicht aktuell», sagte er. Derzeit läuft eine Studie, die abklären soll, wie es mit dem Spitalgebäude in Niederbipp weitergehen könnte. Kuert favorisiert ein Gesundheitszentrum. Zur Debatte steht auch ein Neubau. Doch konkrete Pläne bestehen noch keine.

Während die SRO an der Zukunft von Niederbipp bastelt, wissen die betroffenen Behörden von nichts. «Ich höre zum ersten Mal, dass unser Spital geschlossen werden soll», sagte Gemeindeschreiber Thomas Reber gestern. Und natürlich wäre dies ein schwerer Schlag für die Bevölkerung: «Den Niederbippern würde ohne Spital etwas fehlen.»

Ohne Masterplan: Konkurs?

Die Schliessung des Spitals dürfte denn auch noch heftige Reaktionen bei den Niederbippern hervorrufen. Nüchtern bleibt hingegen das kantonale Spitalamt: Es sei «zu verschmerzen», wenn der Standort Niederbipp aufgehoben werde, sagte Müller Imboden, denn im Kanton Bern gebe es heute «zu viele Spitäler». Das Konzept der SRO bezeichnet sie denn auch als «vorbildlich und als Schritt in die richtige Richtung».

Das Konzept – das ist der sogenannte Masterplan der SRO. Dabei sollen in den nächsten Jahren zwischen 100 bis 120 Millionen Franken in das Spital Langenthal investiert werden (siehe Kasten). Und Teil dieses Konzepts ist eben auch die Schliessung des Spitals in Niederbipp. Ob die geplanten Investitionen für den Masterplan aus Langenthal bezahlt werden, entscheidet in der kommenden Januar-Session der Grosse Rat. Ein Nein hätte allerdings «verheerende Folgen» für die SRO, wie Müller Imboden betonte. Sie sagte sogar: Das würde wohl den Konkurs bedeuten.

«SRO arbeitet recht teuer»

Die SRO benötigt die Investitionen, um im Hinblick auf die Reform ab dem Jahr 2012 die Infrastruktur aufzubessern. Dann wird schweizweit die Fallpauschale eingeführt. Das heisst beispielsweise: Für eine Blinddarm-Operation wird ein bestimmter Betrag festgelegt, mehr Geld bekommen die einzelnen Spitäler nicht. So ist klar: Wer die Operation günstig anbietet, hat am Ende mehr Geld in der Kasse. Doch da liegt das Problem für die Spitäler Langenthal und Niederbipp: «Die SRO arbeitet recht teuer», sagte Müller Imboden. Das sei natürlich «keine gute Ausgangslage, wenn der Wettbewerb härter wird».

Dem widerspricht SRO-Direktor Kuert: «Wir sind nicht teurer als vergleichbare Spitäler im Kanton Bern.» Schweizweit gesehen liege man sogar unter dem Schnitt. Trotzdem ist er sich bewusst: «Das reicht nicht für die Zukunft.» Schon jetzt seien die Zeiten hart, und ab 2012 werde es «noch härter».

Spital Niederbipp als Opfer

Das heisst konkret: Bündelt die SRO ihre Kräfte in Langenthal, hat sie mehr Chancen im Wettbewerb. Direktor Kuert streitet nicht ab, dass es dabei auch Opfer gebe – «damit müssen wir leben». Letztlich gehe es darum, in Langenthal «ein gutes Spital für die Region zu erhalten».

Dass die SRO zu kämpfen hat, ist allerdings ein schwacher Trost für das Personal am Spital Niederbipp. Vor allem wenn denn die Schliessung dereinst umgesetzt wird und Kündigungen ausgesprochen werden sollten. Doch Spitaldirektor Kuert versichert: «Wir haben immer gut zu unserem Personal geschaut.» Und dieses mag auch noch nicht schwarzmalen – ein Mitarbeiter sagt: «Es ist doch schön, ist das Spital jetzt noch offen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.09.2009, 20:17 Uhr

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