Region
In der Käserei gärt frisches Bier
Von Stefan Schneider. Aktualisiert am 12.08.2010 2 Kommentare
Weniger Bier getrunken
Landauf, landab öffnen in der Schweiz Kleinbrauereien ihre Tore. Das Biersortiment wird vielfältiger, gemessen an der gesamten Biermenge, die in der Schweiz getrunken wird, ist der Anteil der Kleinbrauereien allerdings gering. Er beträgt lediglich 2 Prozent.
Insgesamt haben die Schweizer im letzten Jahr 4,48 Millionen Hektoliter des Gerstensaftes getrunken. Der Pro-Kopf-Konsum betrug somit 57,2 Liter. Gegenüber dem Jahr 2008 wurde 7 Prozent mehr ausländisches Bier konsumiert, das sind 925'540 Hektoliter. Die Schweizer Brauereien produzierten im Jahr 2009 total 3,5 Millionen Hektoliter.
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Gegen ein kühles Blondes hat Stefan Müller (43) nichts einzuwenden. Zu den Stammtischkunden, die regelmässig eins über den Durst trinken, gehört der Wangenrieder aber gewiss nicht. «Ich bin ein Geniesser und probiere gerne mal etwas Neues aus», sagt er. Am liebsten möge er Biere von kleineren Brauereien. Die Massenware der Grossverteiler ist hingegen nicht sein Ding.
Bier trinken ist die eine Leidenschaft von Stefan Müller – Bier brauen eine andere. In der alten Käserei von Wangenried tüftelt der gelernte Käser schon seit zehn Jahren an der optimalen Mixtur herum. Nun will er aus diesem Hobby seinen Beruf machen und sich als Bierbrauer versuchen. Ende Juli hat er seinen sicheren Job beim Kinderheim der Stiftung Lerchenbühl in Burgdorf an den Nagel gehängt. Lediglich ein 20-Prozent-Pensum als Sportlehrer behält er noch als Sicherheit. Seine Partnerin Susanne Schriber ist zu 50 Prozent bei einer naturnahen Gärtnerei angestellt. Ein finanzielles Wagnis sei die Kündigung trotz allem, der Entscheid sei ihm gewiss nicht leichtgefallen, sagt Müller. «Aber jetzt versuche ich es. Man muss seine Träume leben können.»
Müller: «Klima ist ideal»
Die Bewilligung, in der alten Käserei Bier brauen und verkaufen zu dürfen, hat Stefan Müller schon in der Tasche, die ersten Flaschen mit dem edlen gelben Saft stehen im kühlen ehemaligen Käsekeller. «Das Klima hier ist ideal, und Platz habe ich mehr als genug», freut sich der Unternehmer.
Ein Stockwerk höher, im Parterre des Hauses, befindet sich das Herz der Kleinbrauerei mit dem lateinischen Namen Faex (zu Deutsch: Hefe). Hier werden Hopfen, Malz und Wasser aufgekocht, abgekühlt und mit Hefe in grossen Kunststofffässern gegärt. «Der ganze Brauvorgang ist Handarbeit, alle Zutaten stammen aus biologischer Produktion», sagt der Bierbrauer nicht ohne Stolz.
Kleiner als Lokalbrauereien
7000 Franken hat seine neue Brauanlage gekostet, rund 600 Liter möchte er monatlich produzieren. Das ist wenig – auch im Vergleich zu dem, was die kleine Brau AG, Langenthal, und die Gasthausbrauerei, Burgdorf, fabrizieren. Müller sieht sich denn auch nicht als Konkurrent der regionalen Brauereien. Vielmehr wolle er in eine Lücke springen, die bestimmt noch vorhanden sei. Auf Bestellung könne er auch kleinere Mengen Bier für jeden Geschmack brauen, «egal ob mit Erdbeer- oder Apfelaroma. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos.»
Bier für «Akkordwürger»
Als Kunden erhofft sich Stefan Müller Privatpersonen und Vereine aus der Region Langenthal-Burgdorf. Einen ersten grösseren Auftrag hat er schon in der Tasche: Beim Variété der Langenthaler Guggemusig Akkordwürger (27. und 28.August) wird er dafür besorgt sein, dass in der Langenthaler Geiser-Schür keine Kehle trocken bleibt. «Für diesen Abend wird es sogar ein Spezialbier geben», verrät er.
Zu Müllers Standardsortiment gehören bis jetzt fünf Biere – alle mit lateinischem Namen: Ador (auf Deutsch: Dinkel), Cuprum (Kupfer), Obscura (dunkel), Aurea (golden) und Sufflavus (hell). Verkauft werden sie in 3,3- oder 5-Deziliter-Flaschen, die kleinere gibts für Fr.2.50, die grössere für Fr.3.40. «Das ist sicher nicht ganz günstig», weiss Stefan Müller. Sein Bier sei aber auch kein Massenprodukt aus dem Ausland, mit dem man sich nach der Arbeit «zuputze». Sondern ein edler Saft für Geniesser, wie er selber einer ist. Stefan Müller: «Ich bin ja mal gespannt, wie das wird. In einem halben Jahr ziehe ich Bilanz, dann weiss ich schon viel mehr.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.08.2010, 09:56 Uhr
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Daniel Broszeit
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