«Im Rudel werden Hunde gefährlich»
Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 11.08.2011 1 Kommentar
Artikel zum Thema
Zur Person
Linda Hornisberger (50) führt eine Tierarztpraxis in Hinterkappelen. Sie ist spezialisiert auf Verhaltensmedizin bei Kleintieren.
Frau Hornisberger, was dachten Sie, als Sie von der Hundeattacke in Madiswil hörten?
Linda Hornisberger: Für die Betroffenen sind solche Vorfälle sehr tragisch, so etwas darf nicht passieren. Sie sind aber auch frustrierend, weil die Hunde in die Kritik geraten. Die Vorteile der Hundehaltung rücken in den Hintergrund.
Die 76-jährige Mutter wurde von zwei Schäferhunden ihres Sohnes angegriffen, als sie in deren Zwinger ging. Hätte das überall passieren können?
Grundsätzlich kann es mit jedem Hund zu einem Unfall kommen. Aber die Konsequenzen sind nicht immer gravierend.
Spielt die Rasse eine Rolle? Die Frau wurde von einem Holländischen und einem Belgischen Schäferhund attackiert.
Es ist nicht einfach eine Frage der Rasse. Entscheidende Faktoren sind: Wie gross ist der Hund? Wie kräftig beisst er zu? Wie ist seine Bereitschaft zur Aggressivität? Wer ist das Opfer, und wie verhält es sich?
Im Zwinger befanden sich zwei Hunde.
Das kann gefährlich sein. Zu mehreren können Hunde ein Rudelverhalten entwickeln, sie stacheln sich gegenseitig an. Die Gefahr, dass es zu schweren Unfällen kommt, ist dann grösser.
Die Schäferhunde waren vermutlich Diensthunde. Sind solche Tiere gefährlicher?
Ich gehe davon aus, dass die zwei Hunde als Wach- oder Schutzhunde eingesetzt worden sind. Solche Tiere sind anspruchsvoll und in den falschen Händen gefährlich. Aber, und das ist das Wichtigste: Alle Personen, die solche Hunde betreuen, müssen sie jederzeit unter Kontrolle haben. Sie dürfen nicht unbeaufsichtigt mit fremden Menschen zusammenkommen.
War der Hundeführer demnach ungenügend ausgebildet?
Dazu kann ich keine Aussage machen. Nur so viel: Wenn die Ausbildung von Diensthunden nicht abgeschlossen oder nicht seriös durchgeführt wird, steigt das Risiko für Zwischenfälle. Das zeigen Statistiken. Zudem ist «Diensthundeführer» keine geschützte Berufsbezeichnung.
Der Hundehalter soll insgesamt vier Hunde in zwei Zwingern gehalten haben.
Damit hat er sich als Einzelperson sicher am Limit bewegt. Er konnte zum Beispiel nicht mit allen Hunden gleichzeitig spazieren gehen. Doch gerade Diensthunde brauchen viel Beschäftigung. Sie müssen körperlich und geistig gefordert werden. Ich frage mich, ob der Hundehalter diese Zeit aufbringen konnte.
Der Hundehalter hat sich zu wenig um die Tiere gekümmert?
Man muss sich sicher fragen, ob die Hunde genug ausgelastet waren. Auch die Art der Haltung wirft Fragen auf.
Wie meinen Sie das?
Dass Hunde in einem Zwinger leben, ist nicht unproblematisch. Grundsätzlich brauchen Hunde Anschluss an die Menschen.
War es falsch, dass die Mutter den Zwinger betreten hat?
Ich selber wäre wohl nicht reingegangen, weil die Hunde allem Anschein nach sehr erregt gewesen sind ...
... aber die Hunde müssen die Mutter des Hundehalters doch gekannt haben.
Ja. Eigentlich sollte ein solcher Angriff nicht passieren. Aber ich weiss nicht, ob die Frau die Hunde kontrollieren konnte. Wie gesagt: Bei solchen Hunden ist das entscheidend.
Die Frau wurde übel zugerichtet: Die Hunde haben mehrmals zugebissen – warum?
Dazu kann ich nur sagen: Die Beisshemmung der Hunde war sicher absolut ungenügend.
Nach der Attacke hat der Hundehalter beide Schäferhunde getötet. Was sagen Sie dazu? Dass er dies nach einem solchen Unfall gemacht hat, dafür habe ich Verständnis. Aber die zuständige Behörde wird die Tötung sicher untersuchen müssen.
Derzeit ist das neue kantonale Hundegesetz in der Vernehmlassung. Es soll gerade bei solchen Problemfällen mehr Sicherheit bieten.
Ich bin skeptisch. Schon heute ist die Handhabe gegen fehlbare Hundebesitzer gut. Darüber hinaus bleibt immer ein Restrisiko bestehen. Beim Fall von Madiswil hätte wohl auch ein schärferes Gesetz nichts geändert.
Das kantonale Veterinäramt könnte nun gegen den Hundeführer ein Halteverbot aussprechen. Würden Sie das begrüssen?
Es liegt nicht an mir, das zu beurteilen. Ich bin aber der Meinung, dass dieser Fall gut untersucht werden muss. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.08.2011, 08:35 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
1 Kommentar
Ich staune, dass auch eine Tierärztin den einzigen Grund für die Attacke nicht sieht. Der Hundehalter hatte seine Mutter angewiesen, die Hunde nicht zu füttern, denn Diensthunde dürfen von Fremden kein Futter annehmen. Die Hunde hatten keinerlei Beziehung zur Mutter. Der Zwinger ist das Revier (Intimsphäre) der Hunde, und die Mutter hätte den Zwinger nicht betreten dürfen! Antworten
Region
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten
