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Im Kambly-Zug ins «Kambly Erlebnis»

Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 22.03.2010

Schon die Reise in den neu gestalteten Fabrikladen nach Trubschachen war ein Erlebnis.

Trubschachen, 12.58 Uhr: Der Kambly-Zug ist da, der Menschenstrom zur nahen Biscuitfabrik will nicht mehr verebben.

Hans Wüthrich

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Weiss ist nicht nur die Lok, sondern gleich der ganze Zug, und auch das unverkennbare Bretzeli oder der markante Schriftzug in Weiss und Gold auf rotem Grund sind von vorn bis hinten immer wieder anzutreffen. So wartet an diesem Samstag auf Gleis vier des Bahnhofs Bern der neu gestaltete BLS-Pendelzug auf seine Abfahrt um Punkt 11.48 Uhr – willkommen bei Kambly, willkommen im Kambly-Zug in Richtung Emmental und Trubschachen.

Genau 100 Jahre ist es her, seit Oscar R.Kambly zuhinterst im Emmental die erste Fabrik für seine Biscuitkreationen gründete. Aus dem damaligen Kleinbetrieb ist heute ein international tätiges Unternehmen mit 420 Angestellten und einem brandneu gestalteten Fabrikladen geworden – auf all das hat Grosssohn Oscar A. Kambly, der heutige Chef, schon Stunden zuvor hingewiesen, als er in Sichtweite des Firmengeländes stolz den weissen Zug taufte. Es sei ein «wunderbarer Moment», schwärmte er, für Kambly, für die BLS «und für Trubschachen» – immerhin werde die nun nach der Gemeinde benannte Lok den Namen in die Lande hinaus tragen. Im fahrplanmässigen Betrieb vor allem in die Dörfer an der Linie von Bern nach Luzern, bei Sonderfahrten aber auch in die ganze Schweiz.

Im Kambly-Zug ist das Gedränge gross, grösser noch als zuvor bei der Jungfernfahrt von Trubschachen nach Bern, zu der der Pendelzug gleich nach der Taufe aufgebrochen ist. Auch im Innern sind die Biscuits und ihre Firma unübersehbar. Auf den Tischchen unter den Fenstern ebenso wie an den Wänden, wo bunte Plakate auf das «Kambly Erlebnis», wie der Fabrikladen nun heisst, gluschtig machen.

Wobei dieser eben mehr sein will als das bisherige Verkaufslokal. Zum Beispiel wegen der Schauconfiserie im hinteren Teil des neuen Raums, die den Kunden das Biscuithandwerk näherbringt. Nella Stegmüller ist hier bereits seit den frühen Vormittagsstunden am Werk. Gerade stellt sie aus einer hellen Masse eine Serie dünner, runder Plättchen her, verziert diese dann mit einer etwas dunkleren Masse und schiebt das Ganze schliesslich in den Ofen. «Surprême de Noisettes», erklärt sie, als sie die Stücke später zum Degustieren reicht, und: Normalerweise arbeite sie nebenan in der Versuchsbäckerei an neuen Rezepturen. Ohne Publikum.

Der Kambly-Zug hat mittlerweile Konolfingen erreicht, es ist 12.22 Uhr und Halbzeit. Die mitreisenden Musikanten blasen, wie schon an den bisherigen Bahnhöfen, auch diesmal einige Takte zum offenen Gepäckabteil hinaus. Wer draussen auf dem Perron wartet, kommt unverhofft zu einem Geschenk. Junge Frauen und Männer, mit ihren weissen Kambly-Jacken und -Taschen nicht zu übersehen, verteilen Biscuits.

Unterdessen kauft Michael Zihlmann im «Kambly Erlebnis» wacker ein. Er sei auf dem Weg von der Rekrutenschule ins Wochenende, erzählt der junge Soldat aus Escholzmatt, und nutze die Gelegenheit, um sich mit Biscuits einzudecken. Seis als Mitbringsel für seine Leute daheim, seis als Stärkung für sich und seine Kollegen, auf die ab Montag wieder eine strenge Woche Militär wartet – ach ja, das sagt er ebenfalls noch: «Sie machen super Güezi hier.»

Daran sollen auch die Passagiere im Kambly-Zug erinnert werden. Während der Fahrt streifen die jungen Frauen und Männer mit ihren weissen Jacken und Taschen immer wieder durch den Zug. Sie verteilen hier ein Pack Bretzeli, lassen da die Leute ausprobieren, wie die edlere, da mit Schokolade versüsste Jubiläumsvariante des klassischen Kambly-Gebäcks schmeckt. Die Stimmung steigt, Trubschachen naht.

Wie es gewesen sei? Im «Kambly Erlebnis» verlässt Walter Stucki eben das Knusperhäuschen, jenen abgedunkelten Raum also, in dem in Bild und Ton die Firmengeschichte erzählt wird, jenen Raum auch, in dem in einer alten Backstube unvermittelt und wie von Geisterhand bewegt die Kelle in der Teigschüssel zu rühren und das Wallholz auf dem Tisch zu rollen beginnt. Auch er als Einheimischer habe viel Neues erfahren, antwortet der Trubschachener. Die Möglichkeit, gleich in der Fabrik einkaufen zu können, schätze er übrigens sehr. Auch, «weil die Ware dann sicher frisch ist».

Die Leute aus dem Kambly-Zug können dies gleich selber testen. Es ist 12.58 Uhr und Ankunft in Trubschachen. Der Menschenstrom zum nahen Firmengelände will nicht mehr verebben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.03.2010, 12:16 Uhr

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