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Hilfsprojekt nach Madagaskar-Einsatz geht weiter

Von Lilo Lévy-Moser. Aktualisiert am 03.07.2009

Der 28-jährige Apotheker Lukas Korner von der Burgdorfer Apotheke Ryser leistete acht Monate lang einen humanitären Einsatz in Madagaskar. Jetzt ist er wieder zu Hause – und hilft weiter.

Lukas Korner: War während 8 Monaten als Entwicklungshelfer in Madagaskar. Zur weiteren Unterstützung verkauft er jetzt Taschen aus Madagaskar.

Lukas Korner: War während 8 Monaten als Entwicklungshelfer in Madagaskar. Zur weiteren Unterstützung verkauft er jetzt Taschen aus Madagaskar. (Bild: Thomas Peter)

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«Ich bin weder der Sommertyp noch liebe ich Insekten», sagt Lukas Korner, Apotheker und Neffe des alt Nationalrates Hermann Weyeneth schmunzelnd. Und dennoch ging der Berner vergangenes Jahr für acht Monate nach Madagaskar. In ein bitterarmes Land mit einer fast hundertprozentigen Arbeitslosigkeit, das 14 Mal so gross ist wie die Schweiz und (noch) keine einheimischen Apotheker kennt. Wo oft fragwürdige Medikamente aus China und Indien aus einem Zentrallager ohne jegliche Beratung verteilt werden.

«Es ist ein zufälliges Privileg, in einem reichen Industrieland geboren zu werden», sagt der in Gränichen wohnhafte Korner. Die damit verbundenen Vorteile wollte er bedürftigen Menschen weitergeben. Noch während des Studiums lernte der künftige Apotheker die Pharmaciens Sans Frontières (PSF) kennen und bewarb sich für einen humanitären Einsatz. Was ihm damals fehlte, war die geforderte Praxis – und so ging er einstweilen auf Warteposition. Weil eine Interessentin für ein PSF-Projekt in Madagaskar abgesprungen war, ging es schneller als erwartet. So unterbrach Korner Ende Januar 2008 kurzerhand seine Projektarbeit in der Burgdorfer Apotheke Ryser und reiste bereits im Februar in den Norden von Madagaskar, in die Nähe der Stadt Mahajanga – in ein Nonnenkloster.

Tagesklinik in den Slums

«Huch, ein Mann!», war die erste Reaktion der einheimischen Nonnen. Denn vorher hätten in dem Augustiner Klostergemäuer immer nur Apothekerinnen logiert. Auch die drei leitenden Schweizer Nonnen des Walliser Ordens St.Maurice mussten sich erst an den neuen Gast gewöhnen. Seit über 50 Jahren stehen die Ordensfrauen in den verschiedensten Bereichen im Dienste der Bevölkerung von Madagaskar. Wie Korner arbeiten sie in der Tagesklinik in den Slums von Aino Vao nahe dem Kloster. Dort leitet eine Schweizer Nonne die Arzneimittelabgabe. Seit vier Jahren unterstützen die PSF das Zentrum finanziell mit dem Ziel, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu verbessern.

Selbstjustiz, Korruption

Überprüfen der verschriebenen Medikamente, Dosierungen und Wechselwirkungen, verbunden mit der entsprechenden Beratung in französischer oder madagassischer Sprache: Das waren die Hauptaufgaben von Korner. Daneben half er auch in der Geburtenabteilung oder ging den Ärzten zur Hand. Aber auch auf der «abenteuerlichen» Baustelle für den Erweiterungsbau der Klinik – ohne ausgebildete Bauleute – oder beim Motorenflicken war Korner anzutreffen.

«Zum Glück habe ich in den Ferien regelmässig auf dem Bau gearbeitet», lacht er. Immer wieder erschüttert habe ihn die Armut und der Analphabetismus der madagassischen Bevölkerung, die trotz allem aber lebenslustig war. Gewöhnen musste sich Korner auch an das «Internetsteinzeitalter», die häufigen Stromausfälle, die bis zum Dach überfüllten Busse, die Selbstjustiz und die weit verbreitete Korruption. «Um Abläufe zu verkürzen, habe ich schnell einmal selber geschmiert», berichtet er.

Taschen verkaufen

Mitgenommen aus Madagaskar hat Lukas Korner nicht nur wertvolle Erfahrungen, sondern auch handgefertigte Basttaschen der Landbevölkerung. «Auch da musste ich einiges lernen»: Vorschüsse wurden versoffen und Ware nicht geliefert. «Zeit und das rare Geld hat eine andere Dimension in diesem Land.» Zurück in Burgdorf konnte er seinen Chef Peter Ryser von «seinem» Tagesklinikprojekt überzeugen, und so können in der Apotheke noch bis Ende Monat zu Gunsten des PSF-Hilfsprojektes farbenfrohe Basttaschen aus Madagaskar gekauft werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.07.2009, 12:45 Uhr

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