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Hans-Christian Schneider: «Diese Lösung kann und wird Erfolg haben»

Von Dominic Ramel. Aktualisiert am 31.12.2012 1 Kommentar

Mit dem Jahreswechsel übernimmt Hans-Christian Schneider (33) die Leitung der Ammann-Gruppe. Der Sohn von FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann spricht über seine neue Position, den Geschäftsverlauf und den Standort Langenthal.

Hans-Christian Schneider über den Euro: «Der Mindestkurs von 1.20 Franken, den die Nationalbank festgelegt hat, ist lebenswichtig.»

Hans-Christian Schneider über den Euro: «Der Mindestkurs von 1.20 Franken, den die Nationalbank festgelegt hat, ist lebenswichtig.»
Bild: Thomas Peter

Ab Neujahr Ammann-Chef

Hans-Christian Schneider (33) übernimmt auf den 1. Januar 2013 die Leitung der Ammann-Gruppe. Der Sohn von FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann löst Ulrich Meyer ab, der das Unternehmen seit der Wahl von Schneider-Ammann in den Bundesrat im September 2010 geführt hat.

Hans-Christian Schneider ist studierter Ingenieur mit Zusatzausbildung im Managementbereich. Er wurde 2009 Assistent der Gruppenleitung und im Januar 2012 stellvertretender CEO der Ammann-Gruppe. Seit 2010 ist er zusätzlich Verwaltungsrat und bleibt dies auch nach der Übernahme der operativen Führung. Er wohnt in Bern.

Seine Schwester Daniela Schneider (31) ist ebenfalls im Unternehmen tätig. Sie ist Verwaltungsrätin der Vertriebsgesellschaft Avesco und wird dort neu Vizepräsidentin.

Ammann ist gemäss eigenen Angaben ein weltweit führender Hersteller von Asphaltmischanlagen, Verdichtungsmaschinen und Strassenfertigern. Die Ammann-Firmen beschäftigen auf der ganzen Welt etwa

2800 Mitarbeitende. 2011 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 960 Millionen Franken. Mit der Übernahme der operativen Führung durch die sechste Generation findet die 143-jährige Familien- und Unternehmenstradition ihre Fortsetzung.

Herr Schneider, Sie werden im jungen Alter von 33 Jahren Chef von rund 2800 Mitarbeitenden. Schlafen Sie noch ruhig?
Hans-Christian Schneider: Ja. Aber ich schlafe etwas weniger als auch schon.

Wie gehen Sie mit der neuen Verantwortung um?
Wir fahren mit der Ammann-Gruppe eine definierte, langfristig ausgerichtete Strategie. Diese versuche ich schon heute, wie auch in Zukunft, zusammen mit dem erfahrenen Team umzusetzen und so die Firma erfolgreich weiterzuentwickeln. Wir wechseln auf das neue Jahr hin in diesem Team einen Baustein aus – und nicht das ganze Team. Ich bin überzeugt, dass wir nach dem reibungsfreien Übergang auch in der neuen Konstellation zielgerichtet unterwegs sein werden.

Sie setzen somit darauf, dass Sie das bisherige Team unterstützt?
Ja. Das Team bringt viele Jahre Erfahrung in der Branche, mit den verschiedenen Produkten und Märkten mit. Dieses Know-how gilt es auch in Zukunft im Zusammenspiel bestmöglich einzusetzen.

Seit wann wissen Sie, dass Sie die CEO-Funktion übernehmen?
Wir haben diese Planung im Sommer 2010 gemacht, als das Thema Bundesratskandidatur aufkam. Zuerst führten wir familieninterne Gespräche und bezogen dann Ulrich Meyer mit in die Diskussionen ein. Er hat, wie Sie wissen, im September 2010 die CEO-Position übernommen – und wechselt nun per Ende dieses Jahres in den Verwaltungsrat.

Das heisst: Wenn Ihr Vater nicht Bundesrat geworden wäre, würden Sie jetzt nicht bereits im Alter von 33 CEO der Ammann-Gruppe werden?
Das ist eine hypothetische Frage, da sie nur diesen mittlerweile eingetretenen Fall betrachtet. Unter normalen Umständen hätten wir die Übergabe kaum vorzeitig vollzogen. Konkret ist Ihre suggerierte Antwort somit wahrscheinlich richtig.

Hatten Sie Zweifel, als Sie sich mit dem Thema CEO auseinandersetzen mussten?
Wie ich mir bei jeder Stellenbesetzung überlege, ob diese Person die richtige, am richtigen Ort, mit der richtigen Aufgabe und der richtigen Kompetenz ist, habe ich mir selber diese Überlegungen auch gemacht. Ich habe mich gefragt, ob ich den CEO-Posten übernehmen will, kann und darf. Nach Gesprächen mit der Familie, dem Verwaltungsrat und dem Managementteam sind wir zum Schluss gekommen, dass diese Lösung Erfolg haben kann und wird.

Holen Sie Rat bei Ihrem Vater?
Ich hole mir in meinem Umfeld Rat. Dieses besteht aus verschiedenen Vertrauensleuten. Zu diesen gehört auch mein Vater. Bei ihm kommt hinzu, dass er aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit bei Ammann vieles über das Unternehmen und die involvierten Personen weiss. Deshalb kann er mir natürlich ab und zu auf eine Frage eine spezifischere Antwort geben, als das eine andere Person könnte.

Ihre Schwester ist ebenfalls im Unternehmen tätig. Gibt es da auch Änderungen?
Meine Schwester ist Verwaltungsrätin von Avesco und wird dort Vizepräsidentin werden. Es ist uns äusserst wichtig, dass die Familie als Ganzes geschlossen hinter dem Unternehmen steht. Dieser Umstand ist Grundlage dafür, dass wir und die ganze Unternehmung sich auf den Markt konzentrieren können. Dies ist heute vollumfänglich gegeben.

Wie sind die Geschäfte im zu Ende gehenden Jahr gelaufen?
Wir bewegen uns in einem schwierigen Umfeld. Die Ammann-Gruppe macht heute rund zwei Drittel des Umsatzes in Europa. Zur Wirtschaftslage in Europa muss ich nichts sagen – diese kennen Sie. Wir haben als Firma in den europäischen Märkten mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen. Verschiedene Anpassungen haben wir bereits vorgenommen. Wir glauben nicht, dass sich die Investitionstätigkeit in den EU-Ländern rasch verbessern wird. Es ist unsere Zielsetzung, in diesen schwierigen Zeiten den Unterschied zur Konkurrenz herzustellen, näher am Kunden zu sein und Marktanteile zu gewinnen.

Wie haben Sie sich angepasst?
Wir haben unsere Kostenstruktur analysiert und Anpassungen vorgenommen. Dies nicht kurzfristig getrieben, sondern auf ein Niveau hin, von dem wir glauben, dass wir damit mittel- und langfristig gut aufgestellt sind. Dies ist ein permanenter Prozess. Zudem haben wir in den aussereuropäischen Märkten stark in unsere Vertriebs- und Serviceorganisation investiert.

Wo?
Wir haben in Brasilien für ganz Lateinamerika eine eigene Firma gegründet. Es handelt sich dabei um einen Montagebetrieb mit Vertriebs- und Serviceorganisation. Zudem haben wir eine weitere Vertriebsorganisation im südlichen Afrika gegründet. Und wir sind daran, den Vertrieb in Südostasien systematisch aufzubauen. Das sind alles Märkte, in welchen wir bislang nicht oder nur opportunistisch präsent waren. In Zukunft wollen wir diese für uns gewinnen. Wir werden damit globaler werden, uns Zugang zu neuen Märkten erarbeiten und so über die Welt betrachtet weniger von einem einzelnen Markt oder Kontinent abhängig sein.

In welche Richtung wird sich der Umsatzanteil von Europa entwickeln?
Ich gehe davon aus, dass sich dieser Anteil mittelfristig über die Märkte und Kontinente ausbalancieren wird. Dies primär deshalb, weil die Umsätze ausserhalb Europas steigen. Aber das dauert Jahre, es wird keine sprunghaften Veränderungen geben.

Welche Rolle spielt China?
China ist ein enorm grosser Markt. Der dortige Strassenbauumsatz ist gewaltig. Wir sind seit 2005 in China präsent und optimieren unsere dortige Organisation ständig. Heute erzielen wir einen höheren einstelligen Prozentsatz unseres Umsatzes in China.

Gingen wegen der Anpassungen bei der Kostenstruktur Stellen verloren?
Wir haben punktuell Stellen abgebaut. Wir haben primär die Effizienz unserer Prozesse gesteigert. Dies mit dem Ziel, die nachhaltige Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen und es mit dem nötigen Augenmass umzusetzen. In anderen Bereichen haben wir Stellen geschaffen. Beides gilt auch für den Standort Langenthal.

Sind Sie in der Schweiz bei den heutigen Wechselkursen überhaupt konkurrenzfähig?
Der Euro ist für unsere Produktion am Standort Schweiz eine grosse Herausforderung. Der Mindestkurs von 1.20 Franken, den die Nationalbank festgelegt hat, ist lebenswichtig. Dieser hilft uns, gegenüber den ausländischen Mitbewerbern kompetitiv zu sein.

Wie beurteilen Sie die Zukunft des Standorts Langenthal?
Wir haben eine Strategie, in welcher der Standort Langenthal eine sehr wichtige Rolle spielt. Im Bereich Asphaltmischanlagen stellen wir die Herzteile für die ganze Welt in Langenthal her; damit hat Langenthal in diesem globalen Herstellnetzwerk eine Schlüsselposition inne. Wir stellen in Langenthal auch Betonmischanlagen her und einen Teil der Verdichtungsmaschinen. Neu aufgebaut haben wir hier zudem die Herstellung von Strassenfertigern.

Wie viele der weltweit etwa 2800 Mitarbeitenden arbeiten in Langenthal?
In der Schweiz haben wir rund 1300 Angestellte, davon arbeiten etwa 1200 in Langenthal.

Wie wird sich diese Zahl in Zukunft entwickeln?
Das hängt von sehr vielen Faktoren ab. Ich gehe heute davon aus, dass die Zahl ungefähr stabil bleiben wird.

2011 erzielte die Ammann-Gruppe einen Umsatz von 960 Millionen Franken. Haben Sie im zu Ende gehenden Jahr die Milliardengrenze überschritten?
Ich kenne die konkreten Abschlusszahlen noch nicht. Aber ich gehe davon aus, dass wir die Milliarde im Jahr 2012 nicht überschritten haben. Dies aus den genannten Gründen.

Das Areal rund um den Bahnhof Langenthal, auf dem auch Ammann ansässig ist, wird sich in den nächsten Jahren stark verändern. Was sagen Sie zu den Plänen der Stadt?
Ich unterstütze die Pläne der Stadt, das Gebiet rund um den Bahnhof attraktiver zu gestalten. Für uns ist als Firma entscheidend, dass wir ideale Rahmenbedingungen haben. Diese sind heute grösstenteils gegeben, und diese gilt es zu erhalten oder auszubauen.

Brauchen Sie mehr Platz?
Im Moment nicht. Ich schliesse dies für die Zukunft jedoch nicht ganz aus. Momentan ist unser Fokus darauf ausgerichtet, im gegebenen Rahmen unter anderem logistische Abläufe zu optimieren.

Was heisst das?
Wir sind in Langenthal historisch gewachsen. Das führt dazu, dass im Laufe der Zeit nicht mehr alle Gebäude für die heutigen Prozesse optimal sind. Wir prüfen mögliche Optimierungen im Kleinen wie im Grossen regelmässig.

Ihr Vater war immer stärker politisch tätig und wurde schliesslich Bundesrat. Ist die Politik für Sie auch ein Thema?
Nein.

Warum nicht?
Ich will in den nächsten Jahren meinen Fokus voll und ganz auf die Aufgabe in der Firma richten. Daneben bin ich Mitglied der FDP, politisch interessiert, aber nicht selber aktiv. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.12.2012, 12:54 Uhr

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1 Kommentar

René Kocher

02.01.2013, 09:52 Uhr
Melden 11 Empfehlung 2

Diese Berichterstattung gehört zumindest in die Rubrik "Wirtschaft" und kaum nur in die regionalen Nachrichten: 2800 Mitarbeiter, 1300 in der Schweiz, 960 Mio Umsatz und man kann davon ausgehen mit Gewinn. Beruhigend ist, ein technischer Mann mit Zusatz-Zahlen-Ausbildung übernimmt und nicht ein Zahlenjongleur mit technischem Oberflächen-Know How. Das wünschten sich viele in der Nachfolge. Antworten



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