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Grosses Fischsterben im Dorfbach

Von Nadja Noldin. Aktualisiert am 10.02.2012 1 Kommentar

Von einem Tag auf den anderen wurde ihnen das Wasser abgedreht. Jetzt droht den Fischen im Dorfbach in Rüdtligen-Alchenflüh der sichere Tod. Betroffen sind mehrere Hundert Forellen und Groppen.

Die meisten Fische unter dieser Eisdecke müssen wohl sterben: Weil der Dorfbach in Rüdtligen-Alchenflüh zur Gefahr wurde, haben die Behörden den Wasserzulauf gesperrt.

Die meisten Fische unter dieser Eisdecke müssen wohl sterben: Weil der Dorfbach in Rüdtligen-Alchenflüh zur Gefahr wurde, haben die Behörden den Wasserzulauf gesperrt.
Bild: Thomas Peter

Feuerwehren

Wachsam bleiben

Aufatmen konnten gestern der Kirchberger Feuerwehrkommandant Peter Rhyner und seine Mannschaft sowie die Leute der Zivilschutzorganisation Kirchberg plus und jene der Werkhöfe. Im Dorfbach von Rüdtligen-Alchenflüh fliesst aber nach wie vor etwas Restwasser. «Es gibt immer noch Fremdeinspeisungen», erklärt Rhyner. Auch beim Dorfbach Lyssach, der im Schachen dazustösst, hat die Feuerwehr handeln müssen. Mitten in Lyssach hat sie ein Stauwehr aufgebaut, das Wasser wird hier in die Kanalisation umgeleitet. Auf der Kirchberger Seite, dort, wo der Gewerbekanal die Emme unterquert, wird das Wasser via Überlaufkanal zurück in die Emme geführt. So hat sich die Lage zwar entspannt, die Krise ist aber noch nicht ausgestanden. «Wir behalten die Situation im Auge – auch nachts», sagt Rhyner.

Tagelang kämpften die Feuerwehrleute und Zivilschützer gegen die Eiszeit. Rund um die Uhr zerschlugen sie das Eis in den Bächen. Sie verhinderten damit, dass in Kirchberg und Rüdtligen-Alchenflüh der Gewerbekanal und Dorfbach einfror und es bei den Rechen zu Rückstaus und Überschwemmungen kam.

Doch die Arbeit war kaum noch zu bewältigen. Die Behörden zogen deshalb die Notbremse: Der Regierungsstatthalter entschied, den Dorfbach ab der Mühle Dür in Burgdorf zu schliessen. Das heisst, dass kein Wasser mehr durch die Kanäle fliesst. Dieser Entscheid bedeutet das Todesurteil für die Fische, die in diesem Kanalsystem zu Hause sind. «Darauf sind sie nicht vorbereitet, sie werden diese Stilllegung kaum überleben», bestätigt Markus Flück. Betroffen seien einige Hundert Fische, vor allem Forellen und Groppen. Dem kantonalen Fischereiaufseher im Emmental sind die Hände gebunden. Weil die Kanäle teilweise eine bis zu 20 Zentimeter dicke Eisschicht aufweisen, ist an eine Rettung der Fische nicht zu denken. «Ein Abfischen ist unmöglich. Der Eisdeckel ist zu kompakt», sagt Flück. Man müsste mit einem Bagger das Eis abtragen. Weil aber das Wasser zurück in die Emme läuft und kein neues nachfliesst, würde die Zeit ohnehin nicht ausreichen.

Normalerweise können die Tiere auch argen Minustemperaturen trotzen. Sie sind wechselwarm. Wenn es kalt ist, verziehen sie sich in einen Unterstand und reduzieren ihre Körperfunktionen auf ein Minimum. Auch Oberflächen- und Grundeis kann ihnen, wie Flück erklärt, nicht viel anhaben. Im Gegenteil, das Eis isoliert. Problematisch wird es erst, wenn der Bach ganz zufriert und von einem Tag auf den anderen kein Wasser mehr kommt.

Markus Flück ist seit 1986 Fischereiaufseher. Er habe noch nie erlebt, dass so viele Fische wegen des Eises verenden. «Das ist eine aussergewöhnliche Situation und sehr bedauerlich», meint er.

«Das kleinere Übel»

Dem Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher ist der Entscheid, die Schleuse bei der Mühle Dür bis auf weiteres zu schliessen, nicht leichtgefallen. «Feuerwehr und Zivilschutz konnten die Lage nicht vollständig unter Kontrolle bringen. Es war einfach nicht mehr machbar», sagt er auf Anfrage. Man habe die Interessen abgewägt und letztlich «das kleinere Übel gewählt». Grossenbacher hat den Schutz der Liegenschaften höher gewichtet als das Überleben der Fische. In absehbarer Zeit werde man zusammen mit dem Wasserbauingenieur über mögliche bauliche Massnahmen diskutieren, stellt er in Aussicht. «Wir müssen die nötigen Lehren daraus ziehen, dass so etwas nicht mehr passieren kann.» Der Regierungsstatthalter hofft, dass sich im Bach trotzdem einige Wasserlachen bilden, wohin sich die Fische zurückziehen und so überleben können.

Fischereiaufseher Flück dagegen rechnet mit «einem Totalausfall». Bis sich der Fischbestand einigermassen erholt, kann es gut ein paar Jahre dauern. Erst müssen die kleinen Forellen von der Emme her durch Rechen und Turbinen gelangen. Und bis diese ausgewachsen und geschlechtsreif sind, dauert es zwei bis drei Jahre. «Eine Möglichkeit wäre aber auch, im Frühling Fische auszusetzen», sagt Flück. Ob und wie viele überlebende Tiere es gibt, wird sich spätestens im kommenden Herbst beim Bachabschlag zeigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.02.2012, 08:37 Uhr

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1 Kommentar

ulrich meyer

10.02.2012, 10:30 Uhr
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Ich als alter Fischer finde es einfach schade mit den Fischen so umzugehen es zeigt wieder einmal es ist halt nur ein Tier obwohl es zu unserer Nahrungskette gehört, da wurde im falschen Zeitpunkt gehandelt!
Wer bezahlt nun diesen Schaden?
Mit freundlichen Grüssen
Ulrich Meyer , Zollbrück
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