Gleich neun Cliquen feiern ein Jubiläum
Von Robert Grogg. Aktualisiert am 22.02.2012
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Die Sumpfhühner stecken offenbar in einer Midlife-Crisis. Seit dem Generationenwechsel 2008 kamen sie noch nicht so richtig aus der Mauser. Letztes Jahr pausierte die einst bekannteste Langenthaler Schnitzelbank. Diesmal sind sie dabei: mit Beat Rieder, Joel Scheidegger und neu mit Erich Oberli. Schöne Melodien und lange Frauenbeine waren früher ihr Markenzeichen. Zumindest Ersteres wird mittlerweile durch die Frauen von Fatal Roial abgedeckt. Den Sumpfhühnern fehlen die Musiker. «Wir werden uns notgedrungen auf die Verse konzentrieren», sagt Beat Rieder, «dafür werden die wohl etwas träfer ausfallen.»
Gegründet wurden die Sumpfhühner vor 40 Jahren hinter dem Wald in Herzogenbuchsee. Dorthin war der Langenthaler Hermann «Mäni» Rieder ausgewandert. Mit dabei waren Anni Rieder, Beat Hegi und Wale Suter. Bald gaben sie am Gönnerabend den Ton an. Mäni Rieder war zudem 15 Jahre lang LFG-Ober. Seit vielen Jahren sorgen die Sumpfhühner auch mit einem der jeweils grössten Wagen am Umzug für Furore. In ihrem Jubiläumsjahr werden sie nicht fliegen, sondern in einem Hühnerhof herumgackern. Ein grosses Fest mit allen Ehemaligen soll im Sommer folgen.
Vor 700'000 Zuschauern
Seit 35 Jahren spielen die Storcheguuuger aus Wynau. Ins Leben gerufen wurden sie von 29 fasnachtsbegeisterten Mitgliedern der Musikgesellschaft und der Buuremusig. Die waren zuvor jeweils mit Traktor und Wagen, blauem Chuteli, schwarzer Hornbrille und roter Nase durchs Dorf gezogen. Seither nehmen sie regelmässig am Umzug in Langenthal teil. 2005 spielten sie zudem vor 700'000 Zuschauern am Rosenmontagszug in Mainz. Der Name war gewissermassen Pflicht: Die Roggwiler sind die Frösche, die Wynauer die Störche. Und weil sich damals bereits zahlreiche Guggen mit zwei U schrieben, wollten die Wynauer halt noch einen mehr im Namen haben. Ihr erster Hit am Langenthaler Gönnerabend hiess «Brötli händ si kei gha». Am Umzug werden sie zum 35.Geburtstag mit der Nummer 35 den krönenden Abschluss bilden.
Zweimal 30 Jahre
Claudia Siegenthaler-Oberli und Stefan Costa gründeten 1982 die Pouseblooser. Sie starteten mit einem Durchschnittsalter von 15 Jahren. Mittlerweile zählen sie 60 Mitglieder. Seit 1991 dekorieren sie jedes Jahr den «James». Vom offiziellen Motto lassen sie sich nicht beeindrucken. Mit «Die spinnen, die Pousis! seit MCMLXXXII» bringen sie es diesmal auf den Punkt. Sie kommen als Gallier mit Asterix und Obelix. Idefix wurde vom Pösteler geliefert. Man spricht von einer kindergerechten und einer abendlichen Version. Ob sie Stephan Leiser und Marc Rathgeb wirklich auf den Schild heben, ist noch unklar. Ihr Jubiläum wollen sie vom 26. bis 29.Juli im Garten des Rebstocks feiern.
Mit ihrem Motto haben die Pousis eine Kettenreaktion ausgelöst: Die Akkordwürger geben die fliegenden Römer («Panzer, Bürschte, Schwärt – was isch e Römer wärt?»), die Blächsuger die Briten («It’s Tea Time»), die Fassduubeli wagen sich als Wildschweine aus dem Wald und die inoffizielle letztjährige «Heilsarmee» wird das musikalische Gemetzel genau so verfolgen, wie es die alten Herren im Band «Asterix bei den Korsen» getan haben.
Mit Leiterwägeli gestartet
Seit 30 Jahren Präsident der Wagenclique Moulin Rouge ist Daniel Loosli. Nach ersten Gehversuchen mit Leiterwägeli am Kinderumzug steigerte er sich bis zum 1.Platz bei der Wagenprämierung 1986. Loosli bewältigt zusammen mit wenigen Helfern das volle Programm: Er hilft den Rebstock dekorieren, wird am Choufhüsi ein aktuelles Cliquenfenster montieren und baut Wagen für den grossen Umzug wie auch für den der Kinder am Hirsmontag.
Es gibt sie zwar schon etwas länger, aber vor 25 Jahren schafften es die Horopax erstmals mit ihren Dudelsäcken an den Umzug. Und das wollen sie feiern: mit einem Wagen. Als Fliegen werden sie auf einem riesigen Misthaufen spielen. Den bauen ihnen die Senioren des FC Steckholz. Die beschlossen sie letztes Jahr als Umzugszuschauer vor dem Coop: «Da machen wir auch mit.» Und weil einer von ihnen eine Freundin bei den Horopax hat, war die Sache geritzt.
Wesentlich komplizierter verlief der Start der Horopax. Nach nur einem Jahr spalteten sie sich von den Pflotschdäppeler ab. Massgeblich mit dabei war Urs Wojacek. Als Namen wählten sie Sackhüüler, der setzte sich aber nicht durch. Es sollte unbedingt ein in Langenthal noch unbekanntes Hauptinstrument her. Und das wollte Fredu Heiniger gleich selber bauen. Es klappte nicht. Der Dudelsack erfordert zumindest am Anfang viele Übungsstunden und Puste. Nicht nur der spätere SP-Gemeinderat Robert Brechbühl gab deswegen das Rauchen auf. Es folgten Jahre mit einem legendären Keller und einer stattlichen Gruppe am Umzug, aber auch Jahre mit leiseren Tönen und weniger Mitgliedern eher am Rande der Fasnacht. Zusammengehalten werden die Horopax seit Jahren von Pesche Huber. Sie treten am Gönnerabend und am Guggenspektakel auf: Kurz vor 23 Uhr werden sie auf der Bühne vor dem Choufhüsi zusammen mit den Pflotschdäppeler «Highland Cathedral» zum Besten geben.
Viermal 20 Jahre
Gleich vier Cliquen können diesmal ihr 20-Jähriges feiern: Das Team der Gaudi-Bar tut dies mit freiem Eintritt.
Die Extremgurgler feiern gewissermassen Halbzeit: «D’Mayas säges zwar anders vor, aber üs gits sicher no 20 Johr.» Begonnen haben sie als Sugus mit 17 Mitgliedern. Später erliessen sie eine Beschränkung: Seither sind 35 Extremgurgler genug.
Die Vändiulüfter sind als «Ritter ohne Furcht und Adel» angesagt: «20 Jahre Ritter vom Appenzeller Alpenbitter».
Ihre ersten Erfahrungen im Wagenbau sammelte die Café-Rufener-Clique noch unter den Fittichen des Turnvereins. Mit Ingenieuren, Juristen, Betriebswirtschaftern, Technikern und Kaufleuten sollten sie eigentlich für alles gerüstet sein. Zu ihrem aufwendigen Wagen gehören laute Musik und eine Treppe: Das Publikum wird immer eingeladen. Und für die Jungen, die mit dem Namen nichts anfangen können: So hiess das frühere Pissoir hinter dem Choufhüsi. Und das wurde von Gemeindepräsi Gottlieb Rufener gebaut, weil schon vor hundert Jahren öffentliche WCs fehlten. (Berner Zeitung)
Erstellt: 22.02.2012, 10:37 Uhr
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