Gemeinderätin Bobst erklärt, warum sie Eltern erziehen will
Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 28.07.2010 2 Kommentare
Umfrage
Was halten Sie davon, dass die Stadt einen Leitfaden für Eltern macht?
Super! Endlich werden die Eltern erzogen.
Der Leitfaden kann verunsicherten Eltern eine Stütze sein. Ich finde die Idee gut.
Was fällt der Stadt eigentlich ein, sich in die Erziehung einzumischen!
Es gibt keine "perfekte Erziehung", darum finde ich den Leitfaden problematisch.
153 Stimmen
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Zur Person:
Christine Bobst (33) ist in Langenthal Gemeinderätin mit dem Ressort Ver- und Entsorgung, Umweltschutz sowie Energie.
Frau Bobst, leben in Langenthal lauter überforderte Eltern?
Christine Bobst (lacht): Nein, das Problem existiert nicht nur in Langenthal. In der ganzen Schweiz stört es, wenn sehr junge Jugendliche abends lange unterwegs sind.
Ein Leitfaden soll dieses Problem nun entschärfen?
Ja, so ist es. Mit dem Papier holen wir die Eltern mit ins Boot. Wir bieten ihnen Hilfe, weil sie nun etwas in der Hand haben bei der Erziehung. Aber wir erinnern sie auch an ihre Pflichten.
Ist das nicht Bevormundung?
So mag es für Eltern, die in der Erziehung eine klare Linie vertreten, durchaus scheinen. Aber wir appellieren an den gesunden Menschenverstand der Eltern. Dieser soll ja nicht ausgeschaltet werden. Wir möchten nicht, dass funktionierende Abmachungen in der Erziehung aufgegeben werden.
Wie meinen Sie das?
Ich selber habe keine Kinder. Wäre ich Mami, würde ich meine Kinder lieber in der Natur eine Party feiern lassen als anderswo. Gemäss Leitfaden aber wird von einem Fest im Wald oder am Wasser abgeraten. Der Grund ist, dass im Freien gefährliche Situationen entstehen können – vor allem wenn Alkohol im Spiel ist.
Sie finden also selber nicht alles toll an Ihrem Leitfaden?
Nein, so meinte ich das nicht. Wie gesagt, entscheidend ist der gesunde Menschenverstand. Und es handelt sich ja auch nicht um ein Gesetz, es sind bloss Richtlinien. Bei der Ausarbeitung haben wir uns an die Empfehlungen kantonaler Erziehungs- und Jugendfachstellen gehalten. Wir haben nichts Neues erfunden, nur kurz und knapp zusammengetragen.
Ein Beispiel aus dem Leitfaden: Die Eltern fragen die Kinder, wohin sie in den Ausgang gehen. Das ist doch selbstverständlich.
Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich alle Eltern wissen. Man kann das schon als Bevormundung sehen. Aber wir hätten auch gar nichts machen können, das wäre auch wieder nicht recht gewesen. Jetzt haben wir den Leitfaden, und wir erhoffen uns eine Diskussion.
Ein anderes Beispiel: Ein 16-Jähriger darf pro Tag höchstens zwei Stunden fernsehen.
Das ist ein Richtwert. Das heisst aber nicht, dass das Kind tatsächlich zwei Stunden vor dem Fernseher sitzen muss. Die Verantwortung liegt letztlich bei den Eltern. Das Gleiche gilt beim Sackgeld: Unser Leitfaden zeigt, dass es bei der Höhe der Beträge darauf ankommt, wofür das Geld verwendet wird. Die Eltern haben also Spielraum.
Ein solcher Leitfaden muss für Sie als liberale Gemeinderätin doch stossend sein.
(zögert). Was soll ich sagen? Mir wäre es lieber, wenn es ohne ginge. Aber Liberalismus bedeutet nicht, dass jeder Mensch machen kann, was er will. Den öffentlichen Raum gilt es zu akzeptieren. Wir hätten auch härter vorgehen können, mit einer gesetzlich verankerten Ausgangssperre. Aber das ginge zu weit. Unser Leitfaden ist ein gewisser Eingriff, das gebe ich zu, aber er ist massvoll. Und er wurde leider notwendig.
Sie verteilen den Leitfaden nach den Ferien über die Schulen. Gibt es in Langenthal bald nur noch Vorzeige-Eltern?
(lacht). Schön wärs! So schnell wird es wohl nicht gehen. Wir hoffen, dass langfristig ein Umdenken stattfindet.
Der Leitfaden wird übersetzt. Richtet er sich speziell an Eltern mit Migrationshintergrund?
Nein. Wir sprechen alle Eltern an. Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem. Alle sind gefordert. Vorerst wird der Leitfaden auf Türkisch, Albanisch und Tamilisch übersetzt.
In der Pendlerzeitung «20 Minuten» monierte eine Expertin, ein solch detaillierter Leitfaden könne die Eltern verunsichern.
Das hoffe ich nicht. Aber der Leitfaden liegt auch nicht einfach irgendwo auf. Die Lehrer werden ihn an die Eltern abgeben und mit ihnen besprechen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.07.2010, 07:58 Uhr
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2 Kommentare
Also: Einen Leitfaden für Eltern randalierender Kinder finde ich gut. ABER: Die Gemeinderätin hat offensichtlich keine eigenen Kinder - woher nimmt sie dann die Kompetenzen und das Fachwissen um einen derartigen Leitfaden herauszugeben? Kann ein Bäcker einem Schuster vorschreiben wie er seine Schuhe zu fertigen hat? Hatte sie fachliche Unterstützung bei der Erstellung dieses Leitfadens? Antworten
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