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Fussballerinnen trainieren im Exil

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 02.12.2011 2 Kommentare

Neue Hiobsbotschaft rund um das Sportcenter in Huttwil: Mit der Fussballakademie für Mädchen ist per sofort Schluss. Deshalb droht jetzt sogar der Wegzug der renommierten Fussballschule: Das Sportcenter in Zuchwil SO könnte erben.

Kicken und köpfeln in der Verbannung: Die Spielerinnen der Fussballakademie sind im Sportcenter Huttwil nicht mehr erwünscht. Sie trainieren jetzt bei der Schule Schwarzenbach.

Kicken und köpfeln in der Verbannung: Die Spielerinnen der Fussballakademie sind im Sportcenter Huttwil nicht mehr erwünscht. Sie trainieren jetzt bei der Schule Schwarzenbach.
Bild: Thomas Peter

Weniger J+S-Kurse

Der sofortige Wegfall der Fussballakademie ist nicht der einzige Verlust im Sportcenter Huttwil. Bereits seit längerer Zeit geschlossen ist die Eishalle (wir berichteten). Nun wird bekannt, dass es ab 2012 auch weniger kantonale Jugend-und-Sport-Kurse geben wird als bisher. Hanspeter von Flüe, Vorsteher des kantonalen Amts für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär (BSM), bestätigte die Reduktion. Einige Kurse seien andernorts platziert worden. Noch offen ist, wie es 2013 weitergeht. «Wir müssen die Lage sicher nochmal beurteilen.» Kein Geheimnis ist, dass sich der Kanton schon heute nach Alternativen umschaut.

Auch beim Bundesamt für Sport (Baspo) beobachten die Beamten die Entwicklung im Sportcenter, zumal es sich um eine nationale Einrichtung handelt. Ob das Baspo wegen des Rauswurfs der Fussballakademie nun aber aktiv wird, ist offen. «Wir klären die Situation ab», sagte ein Sprecher.

In Huttwil brodelt es wieder einmal gewaltig. Und einmal mehr geht es um das nationale Sportcenter vom Langenthaler Unternehmer Markus Bösiger.

Vor kurzem wurde bekannt, dass die Mädchen-Fussball-Akademie auf Ende des Schuljahres 2011/2012 das Feld räumen muss (wir berichteten). Doch jetzt kommt das Ende schneller als ursprünglich geplant: Die 18 Spielerinnen dürfen seit diesem Dienstag nicht mehr auf dem Areal des Sportcenters trainieren. Während des Trainings sei dem Team klargemacht worden, «dass man das Trainingsgelände nicht mehr betreten dürfe», schreibt der schweizerische Fussballverband (SFV) auf seiner Internetseite.

Die «relativ schroffe Wegweisung» wird beim Fussballverband als fristlose Kündigung interpretiert, wie SFV-Kommunikationschef Marco von Ah sagt. Deswegen habe sich der SFV nun auch nicht mehr an den Vertrag mit dem Sportcenter zu halten. Gegen die «Kündigung» will der Verband allerdings nicht vorgehen. Trotzdem könnte der Rauswurf für Bösiger Konsequenzen haben. «Wir behalten uns alle Rechte im Zusammenhang mit der Kündigung vor», sagt von Ah. Dies gelte vor allem für den Ersatz des Schadens, den der Verband allenfalls im Zuge des Rauswurfs zu tragen haben werde.

Ein Konkurrent meldet sich

Unklar ist, warum es überhaupt zum Eklat gekommen ist. Beim SFV heisst es bloss, man habe mit den Verantwortlichen des Sportcenters eine weitere Zusammenarbeit regeln wollen. Diese Gespräche seien gescheitert. Der Rauswurf sei nun eine Folge davon. Beim Sportcenter war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Bittere Folgen könnte die Geschichte aber auch für die Standortgemeinde Huttwil haben. Denn im schlimmsten Fall zieht der Verband die Fussballakademie, notabene die einzige dieser Art in der Schweiz, ganz aus dem Oberaargau zurück und mietet sich andernorts ein. Recherchen der BZ zeigen, dass ein entsprechendes Interesse beim SFV bereits deponiert worden ist. Das Sportzentrum in Zuchwil SO hätte offenbar Kapazitäten, den 13- bis 15-jährigen Fussball-Mädchen Trainingsplätze zur Verfügung zu stellen. Direktor Urs Jäggi will indes keinen Kommentar abgeben. Doch zumindest winkt SFV-Sprecher von Ah nicht ab: «Ja, das ist eine Option.» Allerdings gebe es in der Schweiz zahlreiche andere mögliche Standorte für die Fussballakademie. Im Kanton Bern käme zum Beispiel Thun infrage.

Von einem Wegzug aus Huttwil will der Fussballverband derzeit aber noch gar nichts wissen. «Wir schauen uns erst nach Alternativen um, wenn wir feststellen müssen, dass der Betrieb langfristig nicht unseren Anforderungen entsprechen kann», wird SFV-Sportdirektor Peter Knäbel auf der Internetseite zitiert. Ein Ende in Huttwil würde der Verband denn auch bedauern, wie es weiter heisst. Zumal in Huttwil ein «grosses, gut eingespieltes Team» am Werk sei.

Akademie in Schwarzenbach

Immerhin einen kleinen Erfolg konnte die Gemeinde gestern doch noch vermelden. Die Fussballerinnen, die während der Woche bei Gastfamilien wohnen und auch die Schule im Städtli besuchen, können bis zu den Sportferien im Februar die Schule in Schwarzenbach nutzen, und zwar sowohl die Zweifachturnhalle wie auch den Aussenplatz. Laut Vizegemeindepräsidentin Annette Leimer (FW) müssen für die «Übergangslösung» keine Turnstunden der Schulen gestrichen werden. Die Trainings der Fussballerinnen würden jetzt halt vermehrt über Mittag stattfinden. Gleich bleibe indessen die Frequenz der Trainings.

Noch offen ist, wie es nach den Sportferien weitergeht. Leimer hofft, dass sich die Beteiligten doch noch finden. «Wir werden im Laufe des Winters einen runden Tisch organisieren.» Der SFV zumindest böte Hand, wie von Ah beteuert. Und dies, obwohl die Fussballerinnen mittlerweile alles Material aus dem Sportcenter geräumt haben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.12.2011, 07:30 Uhr

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2 Kommentare

James Vonlanthen

02.12.2011, 09:46 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Dieser Bösiger geht mir so was auf den Sack, kommt wir schon fast vor wie der Tschetschene bei Xamax. Ich glaube da sind nicht mehr alle Tassen richtig im Schrank. Hatte wahrscheinlich zu viel den Kopf angeschlagen bei seinen Truck-Unfällen... Antworten


Heinrich Felder

02.12.2011, 16:35 Uhr
Melden

Und sollten junge Fussballerinnen noch das Gymi besuchen wollen, wir sind für sie da :-)
Kantonschule Schüpfheim / Gymnasium Plus, 6170 Schüpfheim (LU)
Antworten



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