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Firmenpatron und Sozialdemokrat

Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 06.02.2012

Die SP ist alles andere als eine Unternehmerpartei – und doch ist Firmeninhaber Stefan Berger Mitglied. «Für mich stimmt es so», sagt der neue Stadtratspräsident.

Stefan Berger ist zum höchsten Burgdorfer aufgerückt.

Stefan Berger ist zum höchsten Burgdorfer aufgerückt.
Bild: Thomas Peter

Hintenherum reden ist Stefan Bergers Sache nicht. Stört ihn zum Beispiel etwas an einem Zeitungsartikel über die örtliche SP-Sektion, scheut er sich nicht, zum Telefon zu greifen und es dem Artikelschreiber persönlich zu sagen. Auf der anderen Seite sieht er sich aber nicht als allzu dogmatischen Linken, sondern als Konsenspolitiker. Das sei denn auch der Grund, weshalb er in die Politik eingestiegen sei: die Lust am Mitgestalten der öffentlichen Belange der Stadt, am Mitreden, am kreativen Suchen nach Lösungen, sagt er.

Nach neun Jahren im Stadtrat ist Stefan Berger nun zum höchsten Burgdorfer aufgerückt und tritt heute Abend das Amt offiziell an: Er präsidiert im Wahljahr 2012 das Stadtparlament. «Dabei komme ich sicher genug zum Reden, aber zu den Geschäften im Einzelnen werde ich schweigen müssen», sagt er mit einem Lächeln. Um zu relativieren: «Das gilt nur für die Ratsverhandlungen, an den Fraktionssitzungen werde ich mich nach wie vor einbringen.»

Politik als Lebenshaltung

Wer ihn im Ratsbetrieb erlebt, merkt rasch: Für den 42-Jährigen ist Politik kein Spiel und schon gar kein Plausch, sondern eine Lebenshaltung, geradezu eine Leidenschaft. Seine Auftritte am Mikrofon sind dezidiert, seine Voten zeugen von intensiver Vorarbeit. So erstaunt es weiter nicht, dass er sich bereits 1997 als 28-Jähriger und politisch Unbekannter für das Stadtpräsidium interessierte und «wild» gegen die erfahrenen Kandidaten Franz Haldimann (SVP) und Charles Kellerhals (FDP) antrat. Stadtpräsident wurde dann zwar der Arzt Franz Haldimann, doch das politische Feuer, das in Stefan Berger glomm, war der städtischen SP nicht verborgen geblieben. Er wurde angefragt, ob er sich ein Engagement in einer Kommission vorstellen könnte; Berger sagte zu und nahm, damals noch parteilos, für die Sozialdemokraten Einsitz in die Schulkommission.

Als Mitgründer und Chef des Unternehmens ReseaChem, das in der chemisch-lebenswissenschaftlichen Sparte tätig ist, gehört Stefan Berger zur Gilde der Unternehmer. Dass ein Firmeninhaber bei der SP mitmacht, ist eher ungewöhnlich. «Für mich stimmt die Partei absolut», äussert sich Berger dazu. «Sie setzt sich für die Benachteiligten und Schwächeren ein; das soll man gerade auch als Unternehmer, zum Beispiel, indem man schwächere Mitarbeiter aufbaut und auch bei der Lehrlingsausbildung entsprechende Akzente setzt.» Wer etwas erwirtschafte, habe die moralische Verpflichtung, der Gesellschaft in irgendeiner Form etwas zurückzugeben. «Ich finde es nicht richtig, den Hebel sofort beim Personal anzusetzen, wenn sich in einer Firma erste Krisenzeichen zeigen.» Anders gesagt: «Mich ärgert es, wenn ein Konzern Milliardengewinne macht und zugleich ganze Werke schliesst.»

Dass es derzeit in der Tat kriselt, verleugnet Berger nicht. Anzeichen gebe es auch in Burgdorf: etwa beim Waschmaschinenhersteller Jensen, der sein Werk nach Dänemark zügelt, beim angekündigten Wegzug von Roche oder dem Stellenabbau beim Maschinenentwickler und -vermarkter Samro. Was die Zukunft bringe, hänge nicht zuletzt davon ab, wie es in Europa und den USA weitergehe.

Alles in allem beurteilt der höchste Burgdorfer seine Stadt jedoch als gut aufgestellt und gesund, gerade auch als Regionalzentrum im Emmental. Dass man dank der Autobahn und der guten ÖV-Verbindungen in die Nähe zu Bern rücke, mache Burgdorf noch lange nicht zu einem Vorort der Bundesstadt – aber zu einem attraktiven Wohnort für Pendler. «Das ist ein Vorteil, den man noch selbstbewusster ausspielen dürfte.»

Auch Stefan Berger ärgert sich über die Pläne des Regierungsrats, das Tech in Burgdorf mittelfristig zu schliessen und stattdessen einen Campus in Biel zu bauen. «Ich hoffe, dass der Grosse Rat dieses Vorgehen im März zurückweist, ansonsten müssten wir uns weitere Schritte überlegen.» Für ihn sei klar: «Die Berner Fachhochschule wird wegen eines neuen Gebäudes keinen einzigen Studenten mehr bekommen.» Dieses Geld investiere man weit besser in Infrastruktur und innovative Forschungsprojekte; das seien die Faktoren, die eine Fachhochschule attraktiv machten.

Stefan Berger weiss, wovon er spricht, denn er ist mit dem Burgdorfer Tech vielfältig verbunden. Hier studierte er Chemie, hier arbeitete er später als Assistent und Dozent, und hier gründete er seine Firma als Spin-off-Unternehmen der Fachhochschule. Im ehemaligen Chemiegebäude auf dem Gsteig beschäftigt ReseaChem projektbezogen zwischen fünf und sieben Personen und ist mit eigenen Forschungsprojekten in einzelnen Abteilungen der Schule engagiert.

Kochen zum Ausgleich

Unternehmer und Vollblutpolitiker – gibt es auch so etwas wie einen privaten Stefan Berger? «Doch, den gibt es», sagt er. Zum Ausgleich koche er gerne, und gelegentlich nehme er mit Freunden auch gerne einen Schluck Wein. Der Sport hingegen sei in den letzten Jahren aus Zeitgründen zu kurz gekommen. Früher sei er aktiver gewesen, habe Ausdauersport betrieben und dabei auch an Triathlon- und OL-Wettkämpfen teilgenommen. «Sehr gut war ich nie, Mitmachen kam immer vor dem Rang.» Sport sei letztlich aber auch ein gutes Lebenstraining: «Man lernt, auf die Zähne zu beissen und eine Sache durchzuziehen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.02.2012, 09:34 Uhr

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