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Fast 150 Jahre Zeitungsgeschichte

Von Jürg Rettenmund. Aktualisiert am 29.06.2012

Am Wochenende werden die Berner Zeitung Ausgabe Oberaargau und das «Langenthaler Tagblatt» zur neuen Zeitung BZ Langenthaler Tagblatt zusammengeführt. Anlass genug, auf die fast 150 wechselvollen Jahre des «Tägu» zurückzublicken.

Das war 1945: Ein «Langenthaler Tagblatt» läuft von der Flachrotationspresse Duplex.

Das war 1945: Ein «Langenthaler Tagblatt» läuft von der Flachrotationspresse Duplex.

1906 bis 1929 wurde das «Langenthaler Tagblatt» an der
Bahnhofstrasse 35 gedruckt. (Bild: zvg/Archiv Merkur Druck AG)

In drei Jahren kann das «Langenthaler Tagblatt» sein 150-jähriges Bestehen feiern. Das werden 150 Jahre sein, in denen der Verkauf durch die AZ Medien an die Espace Media nicht der einzige Umbruch gewesen ist. Am 2.Januar 1865 erschien zum ersten Mal das «Tagblatt für den Oberaargau und die benachbarten Bezirke der Kantone Aargau, Luzern und Solothurn». Es ist der eigentliche Vorgänger des «Langenthaler Tagblattes» und sollte den Bedürfnissen des sich rasch industrialisierenden und damit wachsenden Langenthals Rechnung tragen.

Jakob Wegmüller, der Drucker und Herausgeber des «Tagblattes», umschrieb dessen Programm wie folgt: «Die Tendenz unseres Blattes wird eine recht freisinnige sein, vermittelt durch eine kritische Anschauung der Verhältnisse und eine würdige Sprache, ohne Verletzung des Anstandes. Das Schöne, sittlich Ernste, das Humane und Bildende wird hier ebenso sehr getragen werden, als wir die Lanzette an Schäden im Gemeinde- und kantonalen Leben einzusetzen willens sind (...) Wir betrachten unser Blatt gewissermassen als Sprechsaal für Leute, die einer leidenschaftslosen, würdigen Sprache sich bedienen und zur kräftigen Hebung eines gesunden Volkssinnes und richtiger Anschauungen ihrer Geistesprodukte ergeben wollen.»

Der «Vaterländische Pilger»

Das «Tagblatt für den Oberaargau» war jedoch nicht die erste Zeitung in Langenthal. Bereits ab 1841 erschien, anfänglich zweimal in der Woche, der «Vaterländische Pilger», später in «Der Oberaargauer» umbenannt. In der ersten erhaltenen Ausgabe aus dem Jahr 1856 umriss Verleger J. Konrad in einer Abonnementseinladung sein Credo: «Die unentwegte Haltung des ‹Oberaargauers›, seine von keinem ‹höheren Einfluss› beengte Stellung sowie seine freimütige Sprache haben namentlich in den letzten Jahren den Kreis seiner Leser bedeutend erweitert. Wir werden daher fortfahren, die öffentliche Meinung nicht sowohl zu beherrschen, als ihre selbstständige Entwicklung zu fördern und ihr eine bestimmte Richtung zu geben auf das, was unter den jeweiligen Umständen das geistige und materielle Wohl des Landes verlangt und was dazu beitragen kann, die politischen Rechte und Freiheiten des Volkes sowie die unserer Verfassung zugrunde liegenden demokratischen Grundsätze zur Anerkennung zu bringen (...) Für die Tagesneuigkeiten werden wir bei der Auswahl des Stoffes weniger auf das Bedacht nehmen, was nur die augenblickliche Neugierde des Publikums reizt, als was dazu beiträgt, die politischen und gesellschaftlichen Zustände der Gegenwart zu schildern.»

«Längst gefühltes Bedürfnis»

1905 wollte Jakob Wegmüller seine Druckerei verkaufen. Nicht zuletzt um «einem längst gefühlten Bedürfnis nach Verbesserung der Presseverhältnisse unseres Landesteils tunlichst Rechnung zu tragen», gründeten Langenthaler Persönlichkeiten die Druckerei Merkur. 1920 erhielt die Zeitung ihren heutigen Namen: «Langenthaler Tagblatt».

Nach wie vor war die Zeitungslandschaft aber von Parteiblättern geprägt: Als die Buchdruckerei Merkur 1926 den «Oberaargauer» und seine Druckerei kaufen konnte, legte sie die beiden Blätter nicht zusammen, sondern führte sie parallel weiter. Denn der «Oberaargauer» war noch bis 1936 das Parteiblatt der BGB (heute SVP) Amt Aarwangen, das «Langenthaler Tagblatt» jenes der FDP.

Erst 1969 stellte der «Oberaargauer» sein Erscheinen ein. Die Verantwortlichen begründeten dies damit, er leide unter der gleichen Ungunst der Zeit wie andere kleinere Lokalzeitungen. Doch für das «Langenthaler Tagblatt» reichte diese Übernahme nicht. Mit einer Auflage von 3625 Exemplaren war es nach wie vor die siebentkleinste Tageszeitung der Schweiz; sie soll jährlich ein Defizit von 200000 Franken geschrieben haben. Die aufkommenden elektronischen Massenmedien nahmen der Presse das Informationsmonopol.

Bereits 1966 hatte Chefredaktor Stark an der Generalversammlung gefordert: «Eines aber ist dringend: Die Presse muss sich in ihrer Aufgabe neu orientieren und die Sparten ausbauen, in denen ihr durch die Massenmedien keine Konkurrenz erwächst. Die Presse muss in sorgfältiger Wertung und in übersichtlicher Gestaltung dem Leser einen knappen und doch vollständigen Überblick über das Tagesgeschehen bieten.»

Dies wurde mit der redaktionellen Zusammenarbeit mit der Vogt-Schild AG in Solothurn erreicht. Das «Langenthaler Tagblatt» wurde ein Kopfblatt der «Solothurner Zeitung». Vorerst wurde diese in einem 20-jährigen Pachtvertrag geregelt.

Von «Abschied und Neubeginn» war im letzten eigenständig produzierten «Langenthaler Tagblatt» vom 1.April 1974 die Rede: «Vom kommenden Montag an erhalten Sie eine grosse Tageszeitung mit einer umfassenden und kompetenten Information aus unserer Region, wie sie wohl keine andere Zeitung kennt. Sie erhalten eine Zeitung, die es ernst meint mit ihrem Beitrag zur Förderung einer sinnvollen Entwicklung der Region Oberaargau und zur Erhaltung einer lebendigen Gemeinschaft. Darüber hinaus informiert sie das ‹Langenthaler Tagblatt› selbstverständlich auch über das Geschehen in unserem Kanton Bern, über die Politik im In- und Ausland, über Sport, Fragen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens und vieles anderes mehr.»

«Gesamthaft positive Bilanz»

Das 125-jährige Bestehen des «Langenthaler Tagblatts» gab 1989 Gelegenheit, Bilanz über den Pachtvertrag mit der Vogt-Schild AG zu ziehen und sich Gedanken über die Zukunft danach zu machen. Hans Baumberger, Verwaltungsratspräsident der Merkur Druck AG, zog aus Oberaargauer Sicht eine «gesamthaft positive» Bilanz: «Es ist gelungen, eine kompetente, gut ausgebaute Lokalredaktion aufzubauen und sich eine starke Stellung im Zeitungsmarkt unserer Region zu erkämpfen.»

Markus H. Haefely, Direktor der Vogt-Schild AG, stellte eine Zunahme der Abonnentenzahl um zwei Drittel in 15 Jahren fest. Aufgrund dieses Fazits erstaunt es nicht, dass die Merkur 1993 die Verlagsrechte am «Langenthaler Tagblatt» an die Vogt-Schild AG verkaufte.

Folgen der Digitalisierung

Die Entwicklung seither ist geprägt von der rasanten Verbreitung der digitalen Datenverarbeitung. 1989 hatte Redaktionsleiter Richard Bobst noch mit Stolz festgestellt: «Das Schreiben von Artikeln mit der Schreibmaschine auf Papier gehört der Vergangenheit an. Die Texte werden direkt ins System eingegeben und können jederzeit via Zentrale wieder abgerufen, ergänzt und ausgebaut werden.»

2009 schliesslich wurden die Vogt-Schild-Medien von den AZ Medien übernommen. Damit kam das «Langenthaler Tagblatt» in den AZ-Medienverbund.

Quellen: 25 Jahre Merkur AG, 17.Januar 1931. 125 Jahre «Langenthaler Tagblatt», 15.August 1989. 100 Jahre Merkur Druck AG, Langenthal, 2005. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.06.2012, 08:44 Uhr

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