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Falscher Polizist erschlich sich Kredit

Von Eduard Nacht. Aktualisiert am 23.02.2012 1 Kommentar

Ein 29-Jähriger gab sich als Polizist aus, um einem jungen Mann die ID zu entwenden und damit Geld zu erschwindeln. Jetzt hat er sieben Monate Gefängnis kassiert.

Ein Drogensüchtiger konnte dank einer gestohlenen ID krumme Sachen machen. Jetzt wurde er dafür verurteilt.

Ein Drogensüchtiger konnte dank einer gestohlenen ID krumme Sachen machen. Jetzt wurde er dafür verurteilt.
Bild: Urs Baumann

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Der mittelgrosse, 29-jährige Beschuldigte hinterliess am Mittwoch in Aarwangen vor dem Einzelrichter Roland Richner einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits einsichtig und selbstsicher, anderseits stur auf eigene Ideen fixiert, wie seine unbestrittenen Taten zu sanktionieren seien. Er sagte, nur eine stationäre Massnahme könne ihm helfen, sich nach einer zweimonatigen Drogenentziehungskur wieder «selbst zu finden», wie er treuherzig versicherte.

Mit den Drogen hatte sein Unglück angefangen. Wie er zum Kokain kam, war an der Verhandlung kein Thema. Nur dass er wegen des Kokains eine gute Stelle verlor, über seine Verhältnisse lebte und schliesslich in einen wahren Schuldenschlamassel geriet, aus dem er keinen legalen Ausweg mehr fand. Da entschied er sich für den illegalen Weg.

Weil er sich vergeblich um einen Bankkredit bemüht hatte, beschloss er, sich die Identitätskarte einer kreditwürdigen Person zu beschaffen. So gab er sich als Polizist aus, der in einem Autobus in Herzogenbuchsee eine Personenkontrolle vornahm. Um angeblich die ID eines jungen Mannes zu prüfen, müsse er in sein Auto gehen, behauptete er. Stattdessen gab der falsche Polizist Fersengeld.

Zur Ergänzung der gestohlenen ID fabrizierte er einen falschen Lohnausweis und marschierte so ausgerüstet in eine Bank in Aarau. Dort erhielt er dank dieser Papiere einen Expresskredit von 10'000 Franken. Doch das Geld reichte nicht, um die bis heute auf 53'000 Franken angewachsenen Schulden zu bezahlen.

So entschloss er sich eine Woche später, mit den gleichen Unterlagen seinen Expresskredit zu erhöhen. Auf der Bank traf er aber statt des Sachbearbeiters die Polizei, die ihn festnahm. Denn inzwischen hatte der in Herzogenbuchsee bestohlene junge Mann mit der Bank Kontakt gehabt, weil er den vom falschen Polizisten bezogenen Kredit nicht bezahlen mochte. So war der Schwindel aufgeflogen.

«Wohlüberlegte Tat»

So kam eine ganze Reihe von Tatbeständen zusammen: Diebstahl, Amtsanmassung, Urkundenfälschung und Betrug. «Das habe ich alles nur gemacht, weil ich unter Drogeneinfluss stand», beteuerte der Beschuldigte. Heute, nach einer knapp zweimonatigen Entziehungskur, sei er clean. Was er jetzt brauche, sei eine stationäre Behandlung, um sich selbst wiederzufinden. Arbeiten könne er noch nicht, sein einziges Einkommen komme von der Fürsorge. Eine ambulante Therapie fand er nicht gut. Nur die stationäre Therapie in einer Einrichtung im Tessin bringe ihm etwas. Einen entsprechenden Antrag lehnte das Gericht aber ab und verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten. Deren Vollzug wird zugunsten einer ambulanten Psychotherapie aufgeschoben. Die Probezeit beträgt vier Jahre. Ausserdem wird der bedingte Vollzug einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 90 Franken widerrufen.

«Das Vorgehen war frech und zeugte von einer gewissen Cleverness», sagte Gerichtspräsident Richner in der Urteilsbegründung. «Es war keine spontane, sondern eine wohlüberlegte Tat. Aber letztlich funktioniert das halt doch nicht. So kann man Schulden nicht loswerden.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.02.2012, 08:05 Uhr

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1 Kommentar

Gaby Hübscher

23.02.2012, 09:24 Uhr
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Kaum zu glauben! 7 Monate für eine solche, innovative Tat, währenddessen Jugendliche frei herumlaufen und Bürger halbtot prügelten! Was für Kontraste! Antworten



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