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Evangelischer Brüderverein feiert Jubiläum

Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 03.07.2009

Die Gemeinschaft, die sich streng an der Bibel orientiert, lädt in den Heimisbach.Der Evangelische Brüderverein feiert den 100. Geburtstag.

Der Evangelische Brüderverein wird 100-jährig – und heisst bald nicht mehr so.

Thomas Peter

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Erich Christen, was macht den Glauben des Evangelischen Brüdervereins aus? «Für unser Leben», sagt der Mann, der in der Leitung der freikirchlichen Gemeinschaft sitzt und diese auch gegen aussen vertritt, «ist die Bibel die unumstössliche Basis, an der wir uns jeden Tag orientieren.» Ja, doppelt er nach, die Bibel bilde für den Evangelischen Brüderverein das Fundament, in diesem Sinne verstehe er sich auch als fundamentalistisch – «allerdings», betont Christen mit ebenso starkem Nachdruck, «nicht in dem Sinne, dass wir einem Fanatismus erlägen, wie wir ihn bei anderen Religionen beobachten.»

Wichtig für das Glaubensleben sei die Bekehrung, der bewusste Entscheid, sich zur Wahrheit Gottes zu bekennen. Ihr folge die Wiedergeburt, die bewusste Hingabe an Gott, die den Menschen von Grund auf erneuere. Der Gläubige bekomme dann in Jesus Christus die Kraft, sich vom bewussten Leben in der Sünde zu befreien und dem Heil zuzuwenden. Auch wenn er vor – unbewussten – Alltagssünden nie gefeit sein werde.

Spielsucht und Wirtshaus

Dieses Wochenende will sich der Evangelische Brüderverein auf seine Wurzeln besinnen, auf das auch, was ihn ausmacht. 100 Jahre sind seit seinen Anfängen vergangen, «es war eine Zeit», sagt Christen, «in der viele Leute Mühe mit der liberalen Landeskirche hatten und nach mehr Verbindlichkeit suchten». Gefeiert wird im Heimisbach, dem Dürrgraben, wie die Talschaft in den Zeiten von Gründer Fritz Berger noch hiess.

Dieser war zuerst Prediger der Evangelischen Gesellschaft und Agent der Abstinenzbewegung Blaues Kreuz gewesen, bevor er beiderorts wegen zu radikaler Ansichten ausgeschlossen wurde. In der Folge gründete er 1909 den «Verein Dürrgraben des Freien Blauen Kreuzes vom Kanton Bern», wie der Evangelische Brüderverein in den ersten fünf Jahren hiess. Dieser Schritt war der letzte in einer radikalen Abkehr vom alten Leben, das von Spielsucht und häufigen Wirtshausbesuchen geprägt war und ihm und seiner Familie ärmlichste Verhältnisse bescherte.

Bei aller Radikalität und Bibeltreue: Seine Gemeinschaft verschliesse sich dem gesellschaftlichen Wandel nicht, sagt Christen, deshalb habe sie sich gerade in den letzten Jahren spürbar erneuert. Nicht mehr die überlieferten Lebens- und Denkformen aus der Zeit der Gründung stünden heute im Zentrum, viel prägender sei der neue, umfassende Blick auf die Bibel. Wobei das geschriebene Wort «nicht als Einzelwort, sondern in seiner Gesamtheit» zu betrachten sei. Erst so bilde es die Basis, auf der die richtigen Schlüsse für den Alltag gezogen werden könnten.

Röcke, aufgesteckte Haare

Als Beispiel nennt Christen die Frage, ob sich die Frauen über Kleidung und Frisur zu ihrer inneren Überzeugung zu bekennen haben. Gerade die jüngeren Leute stellten die alt hergebrachte Pflicht zu Röcken und aufgesteckten Haaren mehr und mehr in Frage, schliesslich wurde die Vorschrift fallen gelassen – aber: Aus Rücksicht auf die ältere Generation sei die traditionelle Kleidung noch immer gerne gesehen, sagt Christen.

Die Rolle der Frauen

Von den Traditionen nicht abgerückt ist der Evangelische Brüderverein in seinen Strukturen. Nach wie vor wird er vom 200-köpfigen Brüderrat, vergleichbar mit einem Parlament, und dem 12-köpfigen Komitee, vergleichbar mit einer Regierung, geleitet. Den Ortsgemeinden stehen Älteste vor – dass die Führungsgremien rein männlich sind, begründet Christen damit, dass Frauen in der Bibel für das geistliche Lehramt an Erwachsenen nicht vorgesehen seien.

Was nicht heisse, dass sie gar keine Funktionen hätten, im Gegenteil. In der Kinder- und Frauenarbeit, in der Seelsorge oder auch in der Alten- und Krankenbetreuung komme ihnen eine wichtige Rolle zu. Im besonderen gelte dies für die Mission, wo sie mit ihrem Zeugnis anderen Leuten den Glauben sehr wohl näher bringen könnten.

Gross in Papua Neuguinea

Mit Blick auf den biblischen Sendungsauftrag spielt die Mission ohnehin eine zentrale Rolle im Evangelischen Brüderverein. Besonders aktiv ist er seit 1954 im Inselstaat Papua Neuguinea. Eigentlich, erzählt Christen, habe damals als Missionsgebiet Afrika im Vordergrund gestanden. Doch die Wege dahin seien verschlossen gewesen, gleichzeitig seien die Verantwortlichen in einer Vision auf die Insel nördlich von Australien gewiesen worden – mittlerweile gehöre die Gemeinschaft dort mit ihren 800 Ortsgemeinden zu den gewichtigen Kirchen im Land.

Sie ist damit sogar weit grösser als in der Schweiz mit ihren gerade mal 100 Versammlungsorten, die in erster Linie im Kanton Bern und im Emmental zu finden sind. Rund 10'000 Leute, die ihre Zugehörigkeit mit der Abgabe des Zehnten bezeugen, gehen hier ein und aus – genau wisse er die Zahl aber nicht, sagt Christen, «weil wir keine Mitgliederlisten führen». Die Prediger sind haupt- und nebenberuflich tätig. Sie wechseln von Woche zu Woche die Kanzel und sorgen so in den einzelnen Gemeinden für Abwechslung. Der Evangelische Brüderverein führt auch Altersheime und eine Bibelschule, sein Sitz liegt in Herbligen, dem letzten Wohnort von Gründer Berger.

Ein neuer, moderner Name

Wobei – was heisst hier Brüderverein? Ebenfalls am Wochenende gibt sich die Gemeinschaft einen neuen, zeitgemässeren Namen: Sie heisst neu Gemeinde für Christus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.07.2009, 12:29 Uhr

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