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Es wird eng für die Stadttheater AG

Von Robert Grogg. Aktualisiert am 15.02.2012

Sämtliche Parteien wollen das Stadttheater sanieren. Sollte sich die SVP durchsetzen, dann gibt es eine Volksabstimmung über zwei unterschiedlich teure Varianten. Spannend wird es bei der geplanten Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft: SP, Grüne und SVP sind dagegen.

Das Langenthaler Stadttheater wurde mitten im Ersten  Weltkrieg gebaut. Damals zählte das Dorf gerade mal 6100 Einwohner. Zweimal wurde es bisher renoviert: 1955 und 1968.  Zum hundertjährigen Bestehen 2016 soll es erneut saniert und umgebaut werden.

Das Langenthaler Stadttheater wurde mitten im Ersten Weltkrieg gebaut. Damals zählte das Dorf gerade mal 6100 Einwohner. Zweimal wurde es bisher renoviert: 1955 und 1968. Zum hundertjährigen Bestehen 2016 soll es erneut saniert und umgebaut werden.
Bild: Robert Grogg

Nutzung A

Nur optimieren

Das Nutzungspaket A entspricht einem Basiskonzept mit einem optimierten Ist-Zustand. Feuerpolizeiliche Auflagen müssen erfüllt werden. Zudem sollen Mängel an der
Infrastruktur behoben und die Fassade erneuert werden. Für die Bedürfnisse der Kleinkunst, die aus Sicherheitsgründen von der heutigen Bühne verbannt wurde, müsste eine Lösung gefunden werden. Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf
7,44 Millionen Franken.

Nutzung B und B1

Zweite Bühne

Diese Variante enthält zusätzlich zur Nutzung A einen modularen Raum für ein Kleintheater unter der grossen Bühne. Dieser Raum soll parallel benutzt werden können. Der heutige Eingang des Theaters würde neu auf die Nordseite verschoben. Die Nettoinvestitionen werden mit 9,3 Millionen Franken angegeben.

Die Untervariante B1
sieht ebenfalls eine zweite Bühne, aber keinen neuen Eingang vor. Investition: 9,02 Millionen.

Nutzung C

Plus Gastrobetrieb

Diese Variante entspricht dem Paket B, ergänzt um eine kommerzielle Nutzung durch einen zu verpachtenden Gastrobetrieb.

Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf 10,35 Millionen Franken. Bisher sprach sich allerdings niemand für diese «Luxus-Variante» aus. Alle setzen Fragezeichen hinter eine höhere Belegung, und niemand will die umliegenden, bestehenden Gastrobetriebe konkurrenzieren, die vom Theater profitieren.

Zeitplan

2013 abstimmen

Das Sanierungsprojekt soll in 7 Phasen ablaufen. Jetzt läuft Phase 2, das heisst, Konzept und stadträdtlicher Grundsatzbeschluss. Sofort folgen sollen ein Projektwettbewerb, im Sommer der Projektierungskredit, bis Ende Jahr die Projektierung und im Februar 2013 eine Volksabstimmung. Von Herbst 2013 bis Sommer 2015 soll umgebaut werden, damit das Theater zum Jubiläum 2016 in neuem Glanz erstrahlt.

Am Montag wird der Langenthaler Stadtrat über die Sanierung des Theaters beschliessen. Eine lange Diskussion über die verschiedenen Nutzungskonzepte zeichnet sich ab. Die Meinungen darüber, was sich die Stadt leisten kann und soll, gehen weit auseinander – selbst innerhalb einzelner Fraktionen. Damit das umfangreiche Abstimmungsprozedere am Montag in geordnete Bahnen gelenkt werden kann, müssen die Fraktionen ihre ausformulierten Anträge ausnahmsweise bereits am Freitag einreichen.

Abgestimmt wird zuerst über die verschiedenen Nutzungsvarianten, anschliessend über die Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft. Falls dieser zugestimmt wird, auch über den Zeitpunkt vor oder nach der Sanierung sowie über den Umfang. Also über Betrieb und Eigentum oder nur Betrieb. Eine andere Rechtsform als die AG steht am Montag nicht zur Diskussion.

Zeitplan nicht gefährden

Bei der FDP/JLL-Fraktion konnte man sich auf keine Variante einigen. Laut Markus Gfeller fanden sich keine Mehrheiten für die blosse Optimierung des Ist-Zustandes oder eine Zusatzbühne mit und ohne neuem Eingang. Nicht infrage komme jedoch ein neuer Gastrobetrieb. Der Auslagerung in eine AG will man zustimmen. «Wir sind nahe bei der Finanzkommission und haben viel Sympathie für eine Auslagerung vor dem Umbau, wollen aber den Zeitplan nicht gefährden und stimmen deshalb für eine Auslagerung nach der Sanierung», so Gfeller.

SVP will zwei Varianten

Laut Pierre Masson wollen SP und Grüne dem Nutzungspaket B oder B1 zustimmen. Viel mehr zu reden gaben jedoch die Rechtsform und der Zeitpunkt einer allfälligen Auslagerung. «Wir werden der AG mehrheitlich nicht zustimmen», sagt Masson, «wir erachten sie zum heutigen Zeitpunkt nicht als die richtige Rechtsform.» Im Moment soll das Theater im Besitz der Stadt bleiben.

EVP/GLP werden laut Manuel Ischi den Anträgen des Gemeinderates weitgehend folgen: «Die Variante A wird mit einem Ja zu Variante B nicht ausgeschlossen.» Über die Ausgliederung des Theaters in eine AG möchte seine Fraktion allerdings erst nach den Bauarbeiten entscheiden.

Einen Ergänzungsvorschlag wird die SVP einbringen. Die Nutzungsvarianten A und B, also eine Sanierung ohne und mit Zweitbühne, sollen parallel weiterbearbeitet und dem Stimmvolk zur Abstimmung unterbreitet werden. Der vorgeschlagenen Ausgliederung in eine AG werde die SVP nicht zustimmen, erklärt Fraktionschef Patrick Freudiger.

Schaub wünscht Pioniergeist

Die für die Kultur zuständige Gemeinderätin Paula Schaub (EVP) erklärt: «Es ist eine ganz tolle Ausgangslage, dass sich zur geplanten Sanierung des Theaters bisher nie jemand negativ geäussert hat. Wir haben ein gemeinsames Ziel und einen gemeinsamen Zeitplan. Jetzt geht es darum, wie wir dorthin kommen.» Sie wünsche sich etwas vom Pioniergeist, den die Erbauer des Theaters zweifellos bewiesen hätten, und dass man in Langenthal wieder mal in etwas grösseren Dimensionen denke.

Tatsächlich wurde das Stadttheater 1914–1916 gebaut, in schwierigen Zeiten während des Ersten Weltkrieges. Damals zählte das Dorf gerade mal 6100 Einwohner. Möglich wurde der Bau dank einem Legat von Arnold Geiser (1844–1909). Er war Zürcher Stadtbaumeister und Bürger von Langenthal.

Mit einer zweiten Bühne

Die besten Chancen haben am Montagabend im Stadtrat wohl die Varianten B und B1. Das Stadttheater dürfte also eine zweite Bühne bekommen. Die vorgeschlagene Ausgliederung in eine AG hängt vor allem davon ab, wie viele Mitglieder von SP und Grünen mit ihrer Fraktion stimmen. Es dürfte auf jeden Fall knapp werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.02.2012, 10:38 Uhr

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