Es hat nicht gereicht – Lotus ist zu
Von Markus Zahno. Aktualisiert am 02.11.2011 2 Kommentare
«Wir gehen, weil ihr nicht kommt»: Die Botschaft an der Türe ist unmissverständlich. (Bild: Thomas Peter)
Die Enttäuschung widerspiegelt sich in den Zeilen an der gläsernen Eingangstüre. «Wir gehen, weil ihr nicht kommt», heisst es da. Und: Sätze wie «Äs louft nüt z Langnou!» habe man vor der Eröffnung ständig gehört, und man werde sie halt auch jetzt, nach der Schliessung, wieder ständig hören.
Im Frühjahr hat Tobias Adam im ehemaligen Däntsch an der Langnauer Dorfstrasse ein neues Lokal namens Lotus eröffnet. Im Parterre richtete er eine Kaffeebar ein, im Keller einen Club. Am Eröffnungswochenende kamen derart viele Gäste, dass das Personal mit Bedienen kaum nachkam. «Einfach unglaublich. Das übertrifft all meine Erwartungen», freute sich der Pächter damals. Umso grösser ist jetzt, neun Monate später, sein Frust: «Wir wollten den Leuten in Langnau etwas bieten. Das wurde aber offensichtlich nicht geschätzt», sagt Tobias Adam. Zwar habe man durchaus Stammgäste gehabt, aber der Umsatz habe einfach nicht gereicht, um das Lokal längerfristig über die Runden zu bringen. Deshalb habe er beschlossen, die Türe zum Lotus-Café im Parterre wie auch zum Lotus-Club im Keller ein für alle Mal zu schliessen.
Ziemlich kurzfristig
Für viele Gäste kam die Schliessung überraschend, wie auch die Reaktionen auf Facebook zeigen. «Ein so schnelles Ende – ich kanns noch gar nicht glauben», schreibt etwa eine junge Frau. Andere finden es einfach «megaschade» oder stellen fest: «Der Mensch ist ein Gewohnheitstier auch (oder vor allem) in Langnau.» Jemand gibt aber auch zu bedenken: «Mir schynt, das syg fasch chlei e Churzschluss-Aktion.» Die Schliessung sei zwar tatsächlich kurzfristig gekommen, sagt Pächter Tobias Adam, aber: «Es blieb kein anderer Ausweg. Wir wären darauf angewiesen gewesen, den Oktober umsatzmässig akzeptabel abzuschliessen. Leider fiel er dann aber sehr unerfreulich aus.»
Wie es mit ihm persönlich sowie den Angestellten weitergehe, sei grösstenteils «noch völlig offen», sagt Adam. Zur Zukunft seiner Firma, der Lotus Gastro GmbH, mag er sich nicht äussern. Recherchen zeigen aber: Die Firma hat ihre Bilanz deponiert. Gestern Nachmittag wurde der Konkurs eröffnet, wie Gerichtspräsident Samuel Schmid auf Anfrage bestätigte.
«Ein hartes Pflaster»
Die Lotus Gastro GmbH hatte die Lokalitäten vom Liegenschaftsverein der Steiner-Schule gemietet. Der Mietvertrag wäre noch vier Jahre weitergelaufen, «die Schliessung ist also auch für uns schade», sagt Christian Konopka vom Liegenschaftsverein. Es gelte nun, einen Nachmieter zu suchen, der die Lokalitäten allenfalls wieder als Gastgewerbebetrieb führe. Falls sich kein Interessent melde, komme auch eine Umnutzung zu Büros infrage. «Das ist aber noch offen.»
Vorwürfe macht der Vermieter dem Mieter keine. Im Gegenteil: «Tobias Adam hat gute Arbeit geleistet», sagt Christian Konopka. Er habe die Miete immer überwiesen und alles probiert – zum Beispiel, DJs aus dem Ilfisstadion auflegen zu lassen, um mehr Eishockeyfreunde in das Lokal zu holen. Aber Langnau sei nun mal ein hartes Pflaster: An den Jazz Nights zum Beispiel müsse der Betrieb auf dem Viehmarktplatz abends jeweils viel zu früh eingestellt werden. Mit solchen Massnahmen werde das Dorf für Leute, die in den Ausgang wollten, zunehmend unattraktiv. «Diese gehen dann halt lieber nach Bern.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.11.2011, 07:53 Uhr
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2 Kommentare
Villeicht hätte es etwas mehr Sonderaktionen gebraucht oder einfach gerade gar keine. Etwas zwischendrinn funktioniert nicht. Als der Däntsch noch eine normale "Tränke" war funktionierte er zumeist gut. Alles wurde probiert modern umzugestalten, dabei war doch gerade der dunkle Keller das Highlight. Wir schauen mal was sich ergibt, vielleicht ein Irish-Pub, gibt es ja sonst nirgends in der Region. Antworten
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