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«Es hat nicht genug Altersheimplätze»

Von Kathrin Holzer. Aktualisiert am 07.12.2010

Ist ein Ausbau des städtischen Alterszentrums von 53 auf neu 152 Betten überrissen? Nein, findet Markus Schneeberger, Leiter der Pro Senectute Emmental-Oberaargau.

Wohnen im Alter: Der Gemeinderat möchte das Angebot des städtischen Alterszentrums ausweiten. 
Das Millionenprojekt hat in Langenthal heftige Diskussionen ausgelöst.

Wohnen im Alter: Der Gemeinderat möchte das Angebot des städtischen Alterszentrums ausweiten. Das Millionenprojekt hat in Langenthal heftige Diskussionen ausgelöst.
Bild: Keystone

Markus Schneeberger, Regionalleiter Pro Senectute. (Bild: Kathrin Holzer)

Das Langenthaler Alterszentrum Haslibrunnen soll von heute 53 auf neu 152 Betten ausgebaut werden. Und nicht nur das: Auch über sein Grundstück hinaus soll das Alterszentrum sein Angebot ausweiten – unter anderem auf die umliegenden Alterswohnungen, deren Betrieb es dereinst gar übernehmen soll. Im Stadtparlament fand das Vorhaben letzte Woche eine breite Abstützung; der Kredit von 490'000 Franken für einen Projektwettbewerb zum Ausbau des Alterszentrums wurde mit 25 Ja gegen 10 Nein bei 1 Enthaltung angenommen. Die Fraktionen zeigten sich weitgehend einig: Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft sei ein Ausbau des Alterszentrums ein Muss.

Kritik erntete der Gemeinderat für seine Pläne indes von bürgerlicher Seite. Weil er einen Projektwettbewerb lanciere, bevor Gesamtprojektkosten und Trägerschaft geklärt seien, zum einen. FDP-Präsident Ruedi Lanz kritisierte zum anderen aber auch, dass mit dem geplanten Ausbau eine Überkapazität geschaffen werde an Altersheimplätzen in Langenthal.

Im Notfall nach Wiedlisbach

«Die Dringlichkeitsliste des Alterszentrums, auf die ihr euch immer wieder beruft», richtete sich Lanz an den Gemeinderat, «ist ihren Namen nicht wert.» Kurz und gut: Gemäss bürgerlicher Auffassung braucht es keine 99 zusätzlichen Betten im städtischen Alterszentrum.

Einen anderen Eindruck vermittelt die kantonale Pflegebettenplanung: Um eine Gleichversorgung mit anderen Regionen im Kanton zu erreichen, sagt diese, brauchte es im ehemaligen Amt Aarwangen weit mehr Alters- und Pflegeheimbetten, als es nach den Erweiterungen des Alterszentrums Haslibrunnen und anderer Altersheime der Region sein werden. Sind also doch nicht genügend Altersheimbetten vorhanden?

«In Langenthal hat es tatsächlich nicht genug Plätze», sagt Markus Schneeberger, Regionalleiter bei der Pro Senectute Emmental-Oberaargau. «Es gibt wirklich Leute, die dringend einen Heimplatz brauchen, ihn aber nicht finden.» Natürlich gebe es immer Lösungen, erklärt er. So blieben Betroffenen etwa länger in der Geriatrie. Oder sie würden auf das Oberaargauische Pflegeheim in Wiedlisbach ausweichen, das seinerseits über zu viele Plätze verfüge. «Ein Rohrbacher möchte aber gewiss nicht nach Wiedlisbach umziehen», sagt er. Grossheime, wie es der Kanton dort einst realisiert hatte, würden deshalb immer mehr zum Auslaufmodell.

Betagte Zuzüger

Der Regionalstellenleiter der Pro Senectute hält aber auch fest: «Grundsätzlich wollen alte Menschen nicht ins Heim, sondern so lange als möglich selbstständig bleiben.» Das würden Gespräche mit Betroffenen immer wieder zeigen. Er erachte daher auch die Strategie der Stadt als sinnvoll, das Dienstleistungsangebot des Alterszentrums auf die umliegenden Alterswohnungen auszuweiten. Denn immer mehr Menschen auch aus den Nachbargemeinden würden im Alter nach Langenthal ziehen. Die Gründe liegen auf der Hand: «Wenn Senioren noch einmal umziehen, weil ihnen vielleicht das eigene Haus zu gross geworden ist, dann wollen sie dorthin, wo alles in ihrer Nähe ist.»

Es mache Sinn, dass ein entsprechendes Angebot an Altersheimplätzen und -wohnungen auch künftig von der Stadt getragen werde, findet Markus Schneeberger. «Bei der Altersversorgung kann nicht allein der Markt spielen.» Schneeberger verweist etwa auf den bereits bestehenden Mangel an Pflegepersonal. «Die Überalterung wird dieses Problem noch verschärfen. Es braucht darum eine gewisse Regulierung des Angebots.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.12.2010, 08:51 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.