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Ermüdender Kampf gegen die Eiszeit

Von Nadja Noldin. Aktualisiert am 08.02.2012

Weil die Rechen in den Kanalbächen zufrieren, stehen Feuerwehr und Zivilschutz im Dauereinsatz – so auch letzte Nacht. Würden sie nicht das Eis zerhacken, käme es zu Überschwemmungen.

1/3 Das Eis muss weg: In mühsamer Handarbeit zerhacken Zivilschützer Eisbrocken im Dorfbach in Rüdtligen-Alchenflüh.
Bild: Thomas Peter

   

Die Leute der Feuerwehr Kirchberg und der Zivilschutzorganisation Kirchbergplus haben derzeit keinen leichten Job. 24 Stunden täglich müssen sie in der klirrenden Kälte ausharren. 12 bis 18 Mann stehen jeden Tag im Einsatz. Ihre Aufgabe: Eis zerschlagen. Denn die andauernden Minustemperaturen lassen die Bäche zufrieren. Vor allem in Kirchberg und Rüdtligen-Alchenflüh wird das zum Problem. An den Mühlen- und Gewerbekanälen, die von der Emme abzweigen, stehen rund 5 Kleinwasserkraftwerke. Ihre Rechen und Schieber lassen aufgrund der Eisbildung das Wasser nicht mehr durch. Und weil zum Oberflächen- und Randeis jetzt auch Grundeis hinzukommt, verschärft sich die Situation zusehends. Es besteht Rückstaugefahr, das Wasser könnte über die Ufer treten und angrenzende Häuser überfluten.

25 Feuerwehrleute im Einsatz

Dass die Lage prekär ist, hat Peter Rhyner am Wochenende zu spüren bekommen. Der Kirchberger Feuerwehrkommandant und sein Team mussten nicht weniger als viermal ausrücken, um Rechen zu enteisen. Und wo rohe Gewalt nichts mehr ausrichten konnte, musste die Feuerwehr gar mit einem Bunsenbrenner das Eis zum Schmelzen bringen. Insgesamt standen gut 25 Feuerwehrleute im Dauereinsatz. «Der erste Alarm kam am Samstagmorgen um 4 Uhr herein», sagt Rhyner. Seither fanden die Feuerwehrleute kaum mehr Ruhe. «Zum Glück hatten wir die Lage im Griff und konnten frühzeitig reagieren», sagt Rhyner.

Kritisch wurde es nur einmal in Rüdtligen-Alchenflüh. Hier kam es am Sonntagmorgen zu einem Zwischenfall. Das Wasser im Rückstaubecken bei der Autobahnüberdeckung lief über und drang in eine benachbarte Garage ein. Auch hier war ein zugefrorener Rechen schuld. Die Feuerwehr musste hier eine Motorspritze einsetzen und zwei Transportleitungen legen, um das Wasser über die Autobahn wieder in den Bach zu pumpen.

Gestern Abend dann der nächste Alarm: Auf der Gemeindegrenze zwischen Rüdtligen und Aefligen drohte auf der Höhe der Zimmerei Gugger der Bach über die Ufer zu treten. Um Schäden an Gebäuden zu verhindern, leisteten Feuerwehr und Zivilschutz in der Nacht auf heute zahlreiche Überstunden. Spät am Abend war die Situation einigermassen unter Kontrolle.

Jetzt wird kontrolliert

«In Kirchberg ist die Lage jetzt stabil», erklärt Peter Rhyner. Weiterhin Sorgen bereitet dem Feuerwehrkommandanten allerdings die Alchenflüher Seite. Eine Gefahr bilde zudem auch der Dorfbach in Lyssach. Deshalb stehe man auch mit der Lyssacher Feuerwehr in engem Kontakt. Involviert ist der Werkhof und seit Montag eben auch der regionale Zivilschutz. Letzterer hat nun zum grössten Teil die Arbeit der Feuerwehr übernommen. In den nächsten Tagen kontrollieren die Zivilschützer regelmässig auch nachts alle Rechen sowie den Wasserpegel und schauen, ob der Durchfluss gewährleistet ist. «Sobald sich neues Eis bildet, zerhacken wir es in kleine Stücke», sagt Zivlschutzkommandant Martin von Gunten. Seine Mannen bleiben nun so lange im Einsatz, bis die Krise bewältigt ist – und es wieder wärmer wird. Laut Wetterprognose wird es aber vorläufig bitterkalt bleiben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.02.2012, 10:07 Uhr

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