Region

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Er stellt sich öffentlich gegen den Kredit für die Stadionsanierung

Von Markus Zahno. Aktualisiert am 01.07.2011 4 Kommentare

Die meisten Gegner wollen anonym bleiben. Doch Christoph Utiger fürchtet sich nicht davor, öffentlich gegen den Millionenkredit für die Stadionsanierung in Langnau Stellung zu beziehen. Was ihn antreibt? Sein Gerechtigkeitsempfinden.

Christoph Utiger während der Stadiondebatte im Grossen Gemeinderat. Dort ist er deutlich unterlegen.

Christoph Utiger während der Stadiondebatte im Grossen Gemeinderat. Dort ist er deutlich unterlegen.
Bild: Hans Wüthrich

Stichworte

Die Geschichte erinnert ein bisschen an Asterix, der mit seinen Freunden aus dem kleinen gallischen Dorf der übermächtigen römischen Armee gegenübersteht. Mal für Mal tragen die tapferen Gallier den Sieg davon – doch genau hier könnten die Parallelen enden. «Denn im Moment gehe ich ehrlich gesagt nicht davon aus, dass wir gewinnen», sagt Christoph Utiger.

Der Langnauer Gemeindeparlamentarier ist einer von wenigen, die öffentlich gegen den Millionenkredit für die Sanierung des Ilfisstadions kämpfen. Zwar erscheinen in den Zeitungen wöchentlich Inserate eines Gegenkomitees, doch wer genau dahintersteckt, ist bis heute unklar. Und auf der Redaktion treffen Mails und Schmähschriften gegen das Projekt ein, doch auch deren Verfasser wollen unbedingt anonym bleiben. «In Langnau das Eishockey infrage zu stellen, ist eben schwierig», sagt Christoph Utiger. Geschäftsleute zum Beispiel könnten es sich schlecht leisten, die vielen Hockeyfreunde in ihrer Kundschaft zu verärgern. Er als angestellter Informatikingenieur könne sich etwas weiter zum Fenster hinaus lehnen. Er ist nicht im Gegenkomitee, dafür will er die Bevölkerung mit Leserbriefen aufrütteln, und im Grossen Gemeinderat warb er leidenschaftlich für ein Nein. Doch nicht einmal in seiner Fraktion, der EVP, fand er eine Mehrheit: Er und ein Kollege waren gegen den Sanierungsbeitrag, die zwei anderen EVP-Parlamentarier dafür.

Spital statt Eisstadion

Die Hockeylobby in Langnau ist zwar nicht so mächtig wie die römische Armee, aber doch ziemlich breit abgestützt. Die SCL Tigers kreierten einen Werbefilm zur Sanierung der Ilfishalle, der Fanclub verschickte ein farbiges Magazin in alle Haushalte, und die Fanszene Langnau organisierte auf dem Viehmarktplatz einen Erlebnistag. «Eine perfekt inszenierte Kampagne», findet Utiger und meint damit auch die «seitenlangen Interviews, die uns klarmachen, dass der ersatzlose Verlust unserer Eisinfrastruktur droht». Utiger dagegen nimmt an, dass mit dieser Leidenschaft der Befürworter im Falle eines Neins doch noch ein Plan B hervorkäme. Und sonst müssten die SCL Tigers – auch wenn das für die treuen Fans zugegebenermassen hart wäre – im schlimmsten Fall halt absteigen. «Anderen Traditionsklubs wie Arosa ist es auch so ergangen.»

Wer solches sagt, braucht Mut. «Ich bin keineswegs gegen den Eissport oder gegen die Tigers», betont Christoph Utiger. Aber ein Gemeindebeitrag von 15,38 Millionen Franken sei schlicht zu hoch. «Es widerstrebt meinem Gerechtigkeitsempfinden, wenn dafür andere Investitionen zurückgestellt oder gestrichen werden.» Das Engagement für das Spital müsste doch höhere Priorität haben. Utigers Antrag, den Betriebsbeitrag an die Ilfisstadion AG um 30'000 Franken zu kürzen und das Geld dafür dem Spital-Förderverein Gesund i.E. zukommen zu lassen, lehnte der Grosse Gemeinderat letzten Winter aber mit 32 zu 3 Stimmen ab.

1500 Franken pro Kopf

Am 10.Juli stimmt das Volk über die Vorlage mit der Stadionsanierung ab. Die Ausgangslage sei einfach, sagt Utiger. «Jeder Bürger kann nun entscheiden, ob er bei einer Sammelaktion gut 1500 Franken an die Stadionsanierung zahlen würde» – denn so hoch ist der Gemeindebeitrag pro Einwohner – «oder ob er in Langnau auch andere Prioritäten oder Werte sieht.» Sollte die Mehrheit den Beitrag unterstützen, will Christoph Utiger das akzeptieren. «Dann wird sich in zehn Jahren zeigen, ob wir uns diese Investition wirklich leisten konnten.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.07.2011, 07:23 Uhr

4

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

4 Kommentare

Andreas Strahm

01.07.2011, 16:21 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Auch ich möchte Christoph Utiger für sein Engagement herzlich danken! Für mich sind die kommenden Unterhaltskosten zu Lasten der Gemeinde der Hauptgrund, gegen dieses Projekt zu stimmen. Dazu kommt, dass in den nächsten Jahren noch weitere grosse Investitionen für das Stadion fällig werden. Diese muss dann die Gemeinde kommentarlos bezahlen. Wie viel ist eigentlich genug? Antworten


Ulrich Scheidegger

01.07.2011, 16:13 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Es ist und bleibt eine finanzielle Unverantwortlichkei -im Emmental zu Hauf Eishockeytempel zu bauen -und zu unterhalten. Die wirtschaftlichen Trägersubstanzen sind zusehend am abnehmen -was sich auch in Steuereinnahmen der Gemeinden auswirken wird. Für die kommende Generation kann dieser falsche Tigerstolz fatale Folgen haben -eine belastende und unsportliche Nachhaltigkeit. Antworten



Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

WERBEN SIE ONLINE

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir beraten Sie gerne.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!