Eklat in Kloten lässt SCL nicht kalt
Von Tobias Granwehr, Dominic Ramel. Aktualisiert am 18.04.2012
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Eklat beim Eishockeyklub Kloten Flyers: Einen halben Monat vor Amtsantritt als Geschäftsführer zieht sich TV-Journalist Adrian Fetscherin beim finanziell angeschlagenen Traditionsklub zurück. Er fühlt sich von Kloten-Präsident Jürg Bircher getäuscht. Gemäss NZZ und «Blick» ist Fetscherin auf unterschiedliche Lohnlisten gestossen. Laut Fetscherin sollen sich die Verpflichtungen des Klubs auf mindestens 5 Millionen Franken belaufen. Im schlimmsten Fall droht den Kloten Flyers der Konkurs. In dem Fall könnte die National League den Verein in die 1. oder 4.Liga verbannen. Und dann? Möglich wäre, dass der NLB-Meister SC Langenthal nachrücken könnte. Oder wenn er nicht will, könnte Lausanne zum Zug kommen.
SCL schielt nach Kloten
Die SCL-Verantwortlichen verfolgen den Fall Kloten «mit Interesse», wie Geschäftsführer Gian Kämpf sagt. Allerdings nicht mit Blick auf einen allfälligen Aufstieg, sondern «aus Interesse am Eishockey und an der Liga». Weder Kämpf noch Verwaltungsratspräsident Stephan Anliker rechnen damit, dass Kloten in Konkurs geht. «Wir gehen nicht davon aus, dass die Kloten Flyers verschwinden», sagt Anliker, «deshalb ist ein Aufstieg am grünen Tisch für uns kein Thema.»
Kämpf weist darauf hin, «dass wir den Aufstieg sportlich nicht geschafft haben». Der Fokus der SCL-Verantwortlichen liege ganz klar darauf, die eingeschlagene Strategie weiterzuverfolgen, den SCL als NLB-Spitzenklub zu etablieren. Das brauche Zeit, sagt Kämpf. In der Ligaqualifikation gegen Ambri-Piotta sei der SCL personell und infrastrukturell etliche Male an Grenzen gestossen. «Es gilt jetzt, daraus zu lernen.» Abgesehen davon, dass er nicht mit einem Zwangsabstieg von Kloten rechne, sagt Kämpf deshalb: «Ich denke nicht, dass wir Kloten ersetzen werden.»
Ligaversammlung bestimmt
Die National League zeigt sich bezüglich der Turbulenzen in Kloten zurückhaltend. Die Kloten Flyers haben die Lizenz für die NLA als einziges Team nur mit Auflagen erhalten. «Wir begleiten den Club seit mehreren Wochen und sind in regelmässigem Austausch mit den Klotener Verantwortlichen», sagt Patrick Reber, operativer Leiter der National League. Auf Spekulationen gehe man nicht ein. Es müssten klare Fakten vorliegen, um einzugreifen und notwendige Massnahmen umzusetzen.
Aus den medialen Geschichten rund um Kloten die Schlussfolgerung zu ziehen, der SCL könnte als Verlierer der Ligaquali doch noch aufsteigen, wäre jedoch laut Reber total falsch. Der SCL habe den sportlichen Aufstieg nicht geschafft. Sollte das Szenario «Rückzug der Kloten Flyers aus der NLA» wirklich eintreffen, gibt es gemäss Reber in den Statuten der Nationalliga klare Bestimmungen: Es ist in der Kompetenz der Ligaversammlung, mit wie vielen Teams und mit welchem Modus in der NLA gespielt würde. In der Ligaversammlung sind Vertreter aller NLA- und NLB-Teams dabei. Die nächste ordentliche Versammlung findet im Juni statt.
Bircher und Langenthal
Kloten-Besitzer Bircher ist in Langenthal übrigens kein Unbekannter: 2006 beteiligte er sich an der ABG Baugroup AG, an der auch Anliker beteiligt ist. Zusammen realisierten sie die Überbauung Untere Marktgasse. Ende 2009 verkaufte Bircher seinen Anteil an der ABG Baugroup an Anliker und seine Geschäftspartner. Wäre es am Ende Ironie des Schicksals, sollte der SCL von den Problemen von Anlikers ehemaligem Geschäftspartner profitieren? (Basler Zeitung)
Erstellt: 18.04.2012, 08:56 Uhr
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