Eisenplatten lassen es zünftig donnern
Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 09.02.2012
Unlängst beklagten sich die Anwohner an der Burgdorfer Rösslikreuzung noch über den nächtlichen Baulärm. Doch jetzt ruhen die Arbeiten wegen der tiefen Temperaturen bis auf weiteres. Somit müssten die geplagten Ohren nun eigentlich eine mehrtägige Verschnaufpause haben – doch so ist es offenbar nicht. Statt des Baggermotors und der Presslufthämmer machen nun die Eisenplatten Probleme, die zur Abdeckung der Baugrube über den betreffenden Strassenabschnitt gelegt wurden.
«Unglaublich laut»
«Der Lärmterror kennt keine Pause», schreibt ein nicht genannt sein wollender Anwohner per Mail an die Redaktion. «Tag und Nacht krachen Autos über die komplett losen Bodenplatten aus Eisen. Alle schweren Lastwagen Richtung Langnau donnern über diese Plattenzone. Das tönt dann jedes Mal, als würde eine riesengrosse Eisenhalle zusammenbrechen: Der Krach ist so unglaublich laut, dass in den Häusern rundum die Gespräche verstummen.» Nachts sei an Schlaf kaum mehr zu denken: «Viehtransporter bis Mitternacht, ab 2.30 Uhr schon wieder die nächsten Schlachtwagen Richtung Langnau zur Grossmetzgerei Reber – wir haben Notstand.» Pro Tag passierten über 18'000 Autos diese Kreuzung, die Hälfte davon bestehe sicherlich aus LKW. «Unsere Nerven sind am Ende.»
Auch bei der Generalagentur von Swiss Life, die direkt an der Kreuzung liegt, hört man den Lärm. «Ich selber nehme ihn nicht so intensiv war, aber gestern hat sich eine Arbeitskollegin darüber total genervt», sagt Peter Kretz, der Mann am Empfang. Er könne sich vorstellen, dass es in der Nacht noch schlimmer und für die Anwohner wirklich eine Zumutung sei.
«Wir haben Reklamationen erhalten, sind im Bild und nehmen die Angelegenheit ernst», sagt Projektleiter Hans-Jörg Riesen von der städtischen Baudirektion. Eben gerade sei man daran, die Misslichkeit zu beheben; es gehe darum, die Platten so zu legen, dass sie nicht oder zumindest weniger schepperten, wenn sie von Autos befahren würden. «Wir verstehen die Leute und tun, was wir können», versichert Riesen. Wie es aussehe, werde das Problem innert Kürze gelöst sein, und dann könnten sich die Anwohner erst einmal ein paar Tage vom Lärm erholen. Voraussichtlich in der übernächsten Woche, wenn die Temperaturen nach oben kletterten, würden die Arbeiten wieder beginnen.
Nerven werden strapaziert
Dann aber dürften die Nerven mancher Leute wieder gehörig strapaziert werden, denn nicht nur das Donnern der losen Bodenplatten, sondern auch die eigentlichen Baugeräusche sorgen für erheblichen Lärm – umso mehr, als die neuen Abwasserleitungen nachts verlegt werden, damit tagsüber der Verkehr zirkulieren kann.
An der Rösslikreuzung wohnen auch der Geigenbauer Stephan Schürch und die Sängerin Anna Freivogel, beides Leute mit feinstem Gehör. Sie allerdings nehmen es gelassen. «Was will man – irgendwann müssen die Bauleute die Arbeiten ja ausführen, und die Rede ist bloss von ein paar Wochen», sagt Anna Freivogel. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2012, 08:46 Uhr
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