Langenthal

Eine mobile Infrastruktur für Rollstuhlsportler

LangenthalDer Langenthaler Stefan Würgler baut von Madiswil aus ein Servicemobil für den Rollstuhlsport auf. Am Sonntag lud er erstmals zu einem selber organisierten Rennen nach Seelisberg ein.

Mit diesem Anhänger unterstützen Stefan Würgler und Annika Göcke Rollstuhlsportler wie Felix Frohofer.

Mit diesem Anhänger unterstützen Stefan Würgler und Annika Göcke Rollstuhlsportler wie Felix Frohofer. Bild: Thomas Peter

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Es war nicht die prächtige Aussicht auf den Vierwaldstättersee, die den Langenthaler Stefan Würgler am Sonntag nach Seelisberg lockte. Sondern die perfekte Infrastruktur im dortigen Verkehrssicherheits- und Eventzentrum. «Strassenrennen finden im Rollstuhlsport in der Regel auf gewöhnlichen Strassen statt», erklärt er. Das erfordere jeweils besondere Massnahmen, damit die Sicherheit gewährleistet werden könne.

In Seelisberg ist das anders: Auf den dortigen Pisten können die Runden abseits vom Verkehr zurückgelegt werden. Zudem sei der Belag weniger abgenützt als auf einer viel befahrenen Strasse und deshalb in einem sehr guten Zustand. Anders als bei Bahnrennen weisen die Pisten im Verkehrssicherheitszentrum zudem Höhenunterschiede auf. Wegen all dieser idealen Voraussetzungen, so Stefan Würgler, werde er sein Saisonfest vermutlich auch in Zukunft dort organisieren. Gestern Sonntag fand es zum ersten Mal statt. Organisator ist Würglers in Madiswil angesiedeltes Team Mobil Rollstuhlsport. Seit 2003 engagiert Ein Neuling ist der Langenthaler im Rollstuhlsport allerdings nicht. 2003, als in Langenthal die Schweizer Meisterschaften in der Rollstuhlleichtathletik stattfanden, habe ihn der Virus gepackt, erklärt er. Der gelernte Koch war von OK-Mitglied Beat Müller angefragt worden, ihn beim Catering zu unterstützen.

Er habe unter den Rollstuhlsportlern viele tolle Menschen kennen gelernt, sagt der 46-Jährige, der heute als Logistiker in der Tochterfirma eines Schweizer Grossverteilers arbeitet. Deshalb fand man ihn künftig immer wieder an Anlässen des Rollstuhlsports, zum Beispiel auch an den Schweizer Meisterschaften 2010 in Huttwil, oder ab 2011 in Pratteln, wo ein neuer Organisator für Rollstuhlsport-Wettkämpfe im Raum Basel aufgebaut wird.

Immer wieder fiel Stefan Würgler dabei auf, mit wie wenig Aufwand man die Situation der Athletinnen und Athleten verbessern könnte. «Oft sind es Kleinigkeiten, die einen Renneinsatz erschweren: eine fehlende Velopumpe, ein Schlauch oder ein Schräubchen.» Endgültig entschlossen, etwas zu unternehmen, hat er sich im Frühjahr 2013 nach einem Meeting im Elsass, wo die Sportler sich bei niedrigen Frühlingstemperaturen unter einem Betondach und im Rauch der nahen Grillstelle auf den Wettkampf vorbereiten mussten.

Stefan Würgler beschaffte einen Anhänger, mit dem die Infrastruktur für Rollstuhlsportler mitgeführt und vor Ort mit einem oder mehreren Zelten eingerichtet werden kann. Mit dabei sind ein WC, eine Küche, eine Werkstätte und eine Massageliege. Eine mitgeführte Rampe macht auch den Raum im Anhänger rollstuhlgängig.

Seit diesem Jahr reist Stefan Würgler zu den Wettkämpfen für Rollstuhlleichtathletik und Handbikes, um sein Angebot bekannt zu machen und es in der Praxis zu testen. Um den Service auch in Zukunft kostenlos anbieten zu können, sucht er Gönner und Sponsoren. Unterstützt wird er von der Journalistin Annika Göcke aus Gailingen am Hochrhein (D) und dem ehemaligen Rollstuhl-Spitzenathleten Guido Müller aus Unterkulm AG, der das Mobil technisch betreut.

Ziel Weltmeisterschaft

Aushängeschild des Teams Mobil Rollstuhlsport ist der zwanzigjährige Handbiker Felix Frohofer. Sein sportliches Ziel ist die Heimweltmeisterschaft im Handbike nächstes Jahr in Nottwil. An den ein Jahr später in Rio de Janeiro stattfindenden Paralympics würde er ebenfalls gerne teilnehmen, gesteht aber ein, dass das wohl ein zu hoch gestecktes und deshalb unrealistisches Ziel sei. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.09.2014, 11:59 Uhr

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