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«Ein altes Schulhaus wäre ideal»

Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 25.01.2012 1 Kommentar

Stefan Brechbühl aus Hasle will sich mitsamt seiner sechsköpfigen Familie neu orientieren und eine wohntherapeutische Gemeinschaft gründen. Noch steht dem Vorhaben aber eine Hürde im Weg: Brechbühls suchen ein geeignetes Haus.

Aufbruch zu neuen Horizonten: Familie Brechbühl mit Sonja (links) und Stefan (Mitte) Brechbühl, den vier Kindern und der Mitbewohnerin Rahel Rufer (rechts).

Aufbruch zu neuen Horizonten: Familie Brechbühl mit Sonja (links) und Stefan (Mitte) Brechbühl, den vier Kindern und der Mitbewohnerin Rahel Rufer (rechts).
Bild: Thomas Peter

Zwei Beispiele

Ein prominentes Beispiel für einen Unternehmer, der seinem Geschäft den Rücken kehrte, um sich fortan einem sozialen Projekt zu widmen, ist Res Hubler, der die Krone Bätterkinden bis Mitte Februar 2005 als weitherum bekanntes Gourmetlokal führte. Danach schloss er den Gasthof, um ihn Mitte Mai desselben Jahres als «Rasthof Krone» neu zu eröffnen. Der Betrieb wurde zur Wohn- und Arbeitsstätte für Menschen mit einer physischen oder psychischen Beeinträchtigung.

Zuweilen kann aus solchen Projekten Grosses wachsen. 1986 bezog ein kleines Team rund um den Pastor Toni Nyffenegger von der Bewegung Plus mit drei hilfesuchenden Leuten eine Zahnarztvilla neben dem Burgdorfer Alpina-Areal. Die Lebensgemeinschaft Arche sprengte den familiär-privaten Rahmen rasch; bereits ein Jahr später wurden Fachleute hinzugezogen, und im Lauf der Zeit mauserte sich die Arche zur professionellen Institution mit 26 Betreuungsplätzen sowie 22 Angestellten.

Der heute 28-jährigen Rahel Rufer ging es noch vor einem Jahr gar nicht gut. Die Bezügerin einer 50-Prozent-IV-Rente hatte Depressionen, fehlte oft bei der Arbeit und griff immer häufiger zu Zigarette und Bierdose. Kontakt zu ihrer Familie hatte die alleinstehende Frau nur noch wenig. Sie stand, obwohl psychologisch betreut, bereits recht nahe am Rand der Gesellschaft, als sie im Frühling 2011 in Kontakt mit der Familie Brechbühl kam. Brechbühls kümmerten sich um sie und quartierten sie ein halbes Jahr später bei ihnen an der Kalchofenstrasse 2 in Hasle in einem eigenen Zimmer ein.

Seitdem hat Rahel Rufer direkten Familienanschluss und fühlt sich bedeutend besser. Sie habe sich wieder aufgefangen, berichtet sie. Rauchen und Trinken seien für sie kein Thema mehr, und zur Arbeit erscheine sie nun wieder regelmässig. «Ich habe bei Brechbühls Halt gefunden. Hier sind Leute um mich, mit denen ich reden kann, das hilft mir sehr», berichtet sie. Und ja – nun sei sie daran, den eingeschlafenen Kontakt zur eigenen Familie wieder herzustellen; man habe bereits wieder zusammen Weihnachten gefeiert.

Motivierender Erfolg

Familie Brechbühl musste in der Wohnung über dem gleichnamigen Eisen- und Haushaltwarengeschäft zusammenrücken, als ihre neue Wohngenossin einzog, denn Stefan (49) und Sonja (42) Brechbühl haben bereits vier Kinder. Dass nun auch Rahel Rufer bei ihnen lebt, bereuen Brechbühls jedoch nicht – im Gegenteil. «Wir freuen uns, dass sich ihre Situation zum Besseren gewendet hat und wir dazu etwas beitragen konnten», sagt Stefan Brechbühl. Und mehr noch: Die positive Entwicklung motiviert das Ehepaar, ein Projekt, über das es seit mehreren Jahren nachdenkt, nun in die Tat umzusetzen: Familie Brechbühl möchte eine wohntherapeutische Gemeinschaft gründen.

«Wir haben den Wunsch, uns neu zu orientieren, und zwar im Rahmen eines sozialen Engagements», sagt Sonja Brechbühl. Ein Bedarf an solchen Einrichtungen bestehe sehr wohl, und die älteste Tochter Corina werde bald ihre Ausbildung zur Behindertenbetreuerin abschliessen. Für qualifizierte Begleitung sei fürs Erste also gesorgt; zudem werde man mit einem professionellen Netzwerk zusammenarbeiten. Finanzieren wollen Brechbühls ihre Gemeinschaft durch Spenden und den Einkünften des Mannes, der sich eine neue Anstellung sucht. Bisher war er beruflich im Familienunternehmen, dem Eisen- und Haushaltwarengeschäft Brechbühl&Co, tätig; hier möchte er aussteigen und das Feld seinen beiden Brüdern überlassen.

Schwierige Suche

Diesen Plänen steht derzeit aber ein nicht zu unterschätzendes Hindernis im Weg: Noch fehlt der Familie Brechbühl eine geeignete Liegenschaft, die sie zu tragbaren Bedingungen erwerben könnte. In der näheren Umgebung habe sich noch nichts gefunden, sagt Stefan Brechbühl. Man wäre aber auch bereit, innerhalb des Kantons Bern umzuziehen, wenn sich ein entsprechendes Angebot ergäbe.

«Wer weiss, vielleicht meldet sich ja demnächst zum Beispiel eine Gemeinde, die ein Schulhaus verkaufen möchte», lächelt Sonja Brechbühl. Ein altes Schulhaus mit integrierter Lehrerwohnung, das wäre geradezu ideal, aber auch ein Mehrfamilienhaus komme in Betracht. Wichtig sei auf jeden Fall, dass sie als Betreuerfamilie eine eigene Wohnung hätten, denn: «Eine Rückzugsmöglichkeit braucht es allemal.» Ganz blauäugig steige man nämlich nicht in dieses Projekt: «Wir wissen um die Herausforderungen, die auf uns zukommen, wir haben uns bei ähnlichen Institutionen bereits umgesehen und umgehört», hält Sonja Brechbühl fest. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.01.2012, 08:23 Uhr

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1 Kommentar

Herbi Ditl

27.01.2012, 19:39 Uhr
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Das geht auf Kosten der Kinder. Meine Eltern haben immer solche Pläne ausgeheckt und umgesetzt. Das Endergebnis: Verbitterung und Kinder, die in aller Welt verstreut leben und möglichst jeden Kontakt mit den Eltern meiden. Antworten



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