Ein Jahr nach dem Familiendrama kehrt das Leben zurück
Von Stefan Aerni. Aktualisiert am 08.02.2012 1 Kommentar
Erich S., eines der Opfer. (Bild: zvg)
Familiendrama
Die Tat
Am Abend des 8.Februar 2011 kam es in Niederbipp zu einem folgenschweren Streit: Kurt S.*(69) erschoss in seinem Elternhaus seinen Bruder Erich(66), seine Mutter Rosa (92)und dann sich selbst. Als Motiv wird ein Erbstreit vermutet. Der Täter, der in Bützberg wohnte und dort ein Einfamilienhaus besass, soll sich benachteiligt gegenüber seinem Bruder gefühlt haben. Erich erbte nach dem Tod seines Vaters 1978 Grundstücke und Immobilien in Niederbipp, Kurt wurde ausbezahlt. Erich galt als versierter Handwerker und hatte in Niederbipp ein Sanitärgeschäft. Mit dem war er 2004 allerdings in Konkurs gegangen. Juristisch ist das Tötungsdelikt abgeschlossen, wie bei der Staatsanwaltschaft zu erfahren war.
Ali Koyuncu sieht das Haus, wo alles passierte, fast jeden Tag. Doch heute verbindet der gebürtige Türke, der gleich nebenan einen Pizzaservice betreibt, das stattliche Bauernhaus an der Oberen Dürrmühlestrasse nicht mehr immer mit dem schrecklichen Vorkommnis vor einem Jahr: Damals erschoss dort ein 69-jähriger Mann seinen Bruder und seine greise Mutter, bevor er sich selber richtete.
In Ali Koyuncus kleinem Lokal ist das Drama der Familie S.* heute ebenfalls nur noch selten ein Thema. «Das ist eigentlich abgeschlossen», sagt der Wirt. Und das sei auch gut so. «Sonst verfolgt einen das das ganze Leben lang.»
Neuer Besitzer, neue Mieter
Auch im Bauernhaus selbst erinnert nicht mehr viel an die Tat vor einem Jahr. Im letzten Frühling wurde die Liegenschaft an Peter Bögli verkauft, einen ortsansässigen Immobilienbesitzer und ehemaligen Garagisten. Der hat die Wohnungen in den oberen Geschossen an ausländische Gemüsearbeiter vermietet.
Weitervermietet hat Bögli auch die Werkstatt im Erdgeschoss, wo der getötete Erich S. ein Sanitärinstallationsgeschäft geführt hatte. Heute unterhält dort die Langenthaler Haustechnikfirma Bürki AG eine Filiale. Leiter Heinz Bösiger kennt die dunkle Vergangenheit des Hauses. «Am Anfang hatte ich schon ein mulmiges Gefühl», gibt der stämmige 40-jährige Handwerker zu. «Aber zum Glück kannte ich die Leute nicht persönlich, das ist in dieser Situation sicher ein Vorteil.» Bösigers Mitarbeiter Daniel Bohnenblust steht stumm daneben und nickt. «Ich denke nur noch selten an das, was hier passiert ist. Man gewöhnt sich eben an alles.»
Noch sehr präsent ist das Familiendrama dagegen beim neuen Hausbesitzer Peter Bögli. Er hat das Opfer Erich S. persönlich gekannt und ihn als «überaus geschickten» Handwerker geschätzt. Sein gewaltsamer Tod sei ein «harter Schlag» gewesen. «Aber das Leben geht immer weiter», sagt Bögli seufzend, «es muss ja irgendwie.»
Grosser Medienrummel
Der Niederbipper Gemeindepräsident Manfred Cordari erinnert sich noch gut an den Tag, als sein Dorf plötzlich in der ganzen Schweiz im Gespräch war. «Der Medienrummel war gewaltig, überall hätte ich Interviews geben sollen.» Doch so plötzlich der Rummel über Niederbipp hereinbrach, so schnell hat er sich auch wieder verzogen. Auch im 4000-Einwohner-Ort selbst rückte das Familiendrama allmählich in den Hintergrund. Erst Ende Jahr wurde es wieder aktuell: Da starb auch die Lebenspartnerin von Erich S. – an einer Krankheit.
«Die Familie existiert jetzt in Niederbipp nicht mehr», sagt Gemeindepräsident Cordari nachdenklich.
*Name der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.02.2012, 11:20 Uhr
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1 Kommentar
ich finde es geschmacklos, diese geschichte noch einmal aufzuheizen. wer denkt an die erwachsenen kinder von erich simon, die müssen auch alles verarbeiten, und jetzt wieder ein artikel, über diesen fall....blick lässt grüssen. verarbeiten müssen diese geschichte die hinterbliebenen und nicht eine zeitung! vielleicht einmal mehr respekt vor den mitmenschen, der natur und den gegebenheiten! Antworten
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