Ein Dorf kämpft um seinen Kiosk

Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 03.09.2010 1 Kommentar

500 Unterschriften in anderthalb Tagen: Signau will nicht einfach hinnehmen, dass der Kiosk beim Bahnhof zugehen soll.

Eine Unterschriftensammlung soll den Kiosk in Signau retten. (Bild: Thomas Peter)

«Sie nehmen uns immer mehr weg.» Die Passantin ist hörbar entrüstet. Eben hat sie erfahren, dass der Valora-Konzern den Kiosk beim Bahnhof Signau auf Ende Jahr schliessen will. Wo sich doch vor acht Jahren schon die SBB mit ihrem Schalter aus dem Dorf verabschiedet haben. Und wo doch die Frauen im Kioskcontainer nun die Einzigen sind, die mit ihrer Präsenz für stetes Leben auf dem Platz vor den Perronanlagen sorgen.

Und tatsächlich: «Leider erzielt die Verkaufsstelle seit Jahren nicht den erforderlichen Ertrag, der nötig wäre, um die Betriebskosten zu decken», bestätigt auf Anfrage Ursula Wulfsen bei Valora in Muttenz. Und weil «wir keine anderen Möglichkeiten sehen, die Kosten weiter zu senken», gehe der Kiosk nun an Silvester zu.

Grosses Einzugsgebiet

Doch so einfach geben die Signauer nicht klein bei. Das macht Therese Hänni ohne Wenn und Aber klar. Gemeinsam mit ihren Frauen hat die Chefin des betroffenen Kioskteams flugs eine Unterschriftensammlung auf die Beine gestellt. In Vereinen, Restaurants und natürlich auch am Kiosk selber wird gesammelt, was das Zeug hält. «Wir haben am Dienstagabend angefangen und wissen nach nur anderthalb Tagen bereits 500 Leute hinter uns», zieht sie zufrieden eine erste Bilanz.

Nun, das Einzugsgebiet sei halt auch sehr gross, fährt Therese Hänni fort. Es reiche von Zäziwil und Bowil über Eggiwil und Röthenbach bis vor Langnau, «in diesem Umkreis sind wir der einzige Kiosk». Entsprechend gut liefen die Geschäfte, «wir liegen über Budget». Umso unverständlicher sei ihr die Argumentation der Valora. Offenbar liege das Problem weniger in den Einnahmen als vielmehr in der Platzmiete, die der Konzern den SBB als Landeigentümerin zahlen müsse.

Daher hat sich die Teamleiterin schon nach einer Alternative umgesehen. Immerhin ist der Kioskcontainer erst 2006 vom alten Bahnhof weg an seinen heutigen Standort beim WC-Häuschen verschoben worden. Mittlerweile haben die SBB das Gebäude verkauft, und der neue Besitzer würde, so Therese Hänni, «nur wenig Miete» verlangen, falls der Kiosk zurück an den alten Standort verschoben würde.

Allenfalls ein Privater?

Vorschnelle Hoffnungen dämpft Valora allerdings zum Vornherein. Das Problem in Signau liege nicht im mangelnden Umsatz, vielmehr würden hier schwergewichtig Artikel verkauft, die nur eine kleine Marge abwärfen, sagt Ursula Wulfsen. Die Rettung des Kiosks sieht sie in einer anderen Richtung: Wenn sich ein Privater «für die Weiterführung dieser Verkaufsstelle interessiert, sind wir bereit, das Mobiliar zu einem fairen Preis zu übertragen». (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.09.2010, 10:49 Uhr

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1 Kommentar

christoph scheidegger

04.09.2010, 12:52 Uhr
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und ich habe gemeint, das postbüro habe diese zeitschrift auch in seinem angebot (neben dem kaugummi und den pepeterieartikeln) oder...? das postbüro wird auch beheizt, oder sollte die post sowieso mit der sbb fusionieren...? dann könnte neben dem billettschalter das postgeschäft abgewickelt werden und das "poschi" hält am bahnhof immer an, denn am bahnhof ist business, oder etwa lieber nicht...? Antworten



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