Dorf wehrt sich gegen Sex-Treff
Von Stefan Aerni. Aktualisiert am 03.12.2011 5 Kommentare
Die Wand des grauen Toilettenhäuschens ist mit farbigen Schriften und zweideutigen Symbolen besudelt. «Fuck» ist da zu lesen oder «Boy gesucht». Darunter sind irgendwelche Telefonnummern gekritzelt. Am Boden liegt Abfall verstreut. Dabei auffallend oft WC-Papier, Taschentücher und manchmal sogar ein Kondom. «Das ist keine schöne Visitenkarte für unser Dorf», sagt Gemeindepräsident Kurt Zobrist mit ernster Miene. Von Zeit zu Zeit nimmt er selbst einen Augenschein von der berüchtigten Autobahnraststätte mit dem Namen «Oberbipp-Nord».
Lieber ins Feld als aufs WC
Eigentlich könnte ihm die Raststätte gleichgültig sein. Denn sie ist mit einem Gitterhag eingezäunt und liegt in der Verantwortung des Bundes, der die Autobahn betreibt. Das Problem: Der Gitterzaun hat ein Tor. Und das wird denn auch häufig genutzt: Viele der Raststättenbesucher entschlüpfen durch das Loch und machen sich auf Oberbipper Grund und Boden breit. Dies, weil die Raststätten-Toiletten derart schmutzig sind, dass viele Benutzer ihre Notdurft lieber auf Oberbipper Wiesen oder im nahen Wald verrichten.
Die Schmuddel-WCs werden aber auch nicht gerne benutzt, weil sie eine «spezielle Klientel» anlocken, wie es Gemeindepräsident Zobrist vorsichtig nennt. Er meint damit homosexuelle Männer, bei denen die Raststätte als beliebter Treffpunkt gilt.
Diesen Herbst häuften sich die Klagen aus der Bevölkerung. Die Situation verschlimmerte sich derart, dass die Gemeinde ans Bundesamt für Strassen Astra gelangte. «Die Raststätte ist sehr stark verschmutzt, unappetitlich und ein bekannter Treffpunkt für Homosexuelle», klagte sie in einem Schreiben. Die Raststätte mit dem Namen «Oberbipp-Nord» sei zu einem «Schandfleck» fürs ganze Dorf geworden. Die Gemeinde forderte in ihrem Brief das Bundesamt auf, mit geeigneten Massnahmen Abhilfe zu schaffen. Und: Sollte dies nicht möglich sein, sei die Schliessung der Raststätte zu prüfen.
Homosexuelle befremdet
Dass das kleine Oberbipp gegenüber dem Bund aufmuckt, kann man beim Verband der Berner Gemeinden durchaus «nachvollziehen», wie Geschäftsführer Daniel Arn erklärt. Denn es sei Sache der Gemeinden, auf ihrem Gebiet für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Auf weniger Verständnis stösst der scharfe Oberbipper Beschwerdebrief bei der Schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross. Es sei zwar «nicht schön», wenn Rastplätze verunstaltet würden, sagt Geschäftsführer Uwe Splittdorf. «Doch daran sind sicher nicht allein die Homosexuellen schuld.» Splittdorf appelliert an alle, den Abfall nicht einfach liegen zu lassen. «Das ist ein gesamtgesellschaft-liches Problem.»
Bund verspricht Besserung
Beim Bundesamt für Strassen ist die Kritik aus Oberbipp angekommen. Und es kann bereits Verbesserungen anbieten: Das Amt hat eine neue Reinigungsfirma für die Raststätte beauftragt. Dazu sind zwei Video-Attrappen montiert worden. Eine Schliessung hingegen komme nicht infrage, weil es an der Autobahn zu wenig LKW-Parkplätze gebe.
Endgültige Besserung ist erst zu erwarten, wenn die Autobahn auf sechs Spuren ausgebaut wird. Dann soll auch die Raststätte Oberbipp-Nord erneuert werden. «Doch so lange können wir nicht warten», sagt Gemeindepräsident Kurt Zobrist. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.12.2011, 12:03 Uhr
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5 Kommentare
Oberbipp ist keine Ausnahme, als LW-Fahrer kenne ich die meisten Rast und Parkplätze in der Schweiz und zum teil sind diese unter jeder Sau. Gerade auf Plätze ohne Restaurant ist es ganz schlimm. Die WC sind total verschmutzt die Wände sind vollgekritzelt mit primitiven Sprüchen oder Telefonnummern von irgendwelchen Notgeilen Männer. Auch sind die Trennwände verlöchert das man durchschauen kann. Antworten
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