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Diebe stehlen sogar Weihnachtsbäume

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 19.12.2011 2 Kommentare

Obwohl heute Weihnachtsbäume im Überfluss im Angebot sind, werden immer noch Tannen aus Wäldern gestohlen. Ein Waldbesitzer aus dem Oberaargau beklagt seit Jahren Verluste in der besinnlichen Zeit. Jetzt hat er genug vom Frevel.

Waldbesitzer Otto W. am Tatort: Vor kurzem haben Diebe eine Weisstanne gestohlen. Einen Teil haben sie liegen gelassen, den anderen mitgenommen.

Waldbesitzer Otto W. am Tatort: Vor kurzem haben Diebe eine Weisstanne gestohlen. Einen Teil haben sie liegen gelassen, den anderen mitgenommen.
Bild: Thomas Peter

Der Verkauf von Weihnachtsbäumen läuft derzeit auf Hochtouren. Im Oberaargau teilen sich Bauern, Burgergemeinden und Grossverteiler das Geschäft. An Tannen für die Stuben mangelt es nicht. Im Gegenteil: Vor einem Jahr hatten nach den Festtagen manchenorts sogar die nicht verkauften Christbäume gehäckselt werden müssen.

Umso erstaunlicher klingt deshalb die Geschichte von Otto W.*, der bei der Hohwacht in der Gemeinde Madiswil ein Stück Wald besitzt. Seit Jahren muss er tatenlos zusehen, wie jeweils vor Weihnachten aus seinem Wald Bäume verschwinden. «Zwei bis drei Stück sind es jedes Jahr.» In seinem Wald zeigt er auf einen abgesägten Baumstrunk und schüttelt ob der jüngsten Freveltat den Kopf. «Das war eine Weisstanne, sie wurde zehn Jahre alt und fast zehn Meter hoch.»

Otto W. ist nicht der einzige Waldbesitzer mit solchem Ärger. Werner Leuenberger zumindest, Präsident des Waldbesitzerverbands Aarwangen, sagt: «Es gibt schon Leute, die zu Weihnachten im Wald Bäume stehlen. Das ist bekannt.» Was diese antreibt, kann er sich aber auch nicht recht erklären. «Manche Leute haben einfach lieber eine gestohlene als eine gekaufte Tanne in der Stube.» Von solchen Praktiken hält Leuenberger, der im Verband rund 300 Waldbesitzer vertritt, indes gar nichts. Bereits für wenig Geld könne man eine rechte Tanne kaufen. «Wer da noch klaut, muss schon blöd sein.»

Burger leben mit Verlusten

Die grössten Waldbesitzer im Oberaargau sind die Burgergemeinden. Auch in ihren Wäldern häufen sich vor Weihnachten jeweils die Diebstähle, wie Simon Rieben, Forstbetriebsleiter der Burgergemeinde Langenthal, bestätigt. «Das ist eine Sauerei», ärgert er sich. Aber leider könne man nicht viel dagegen machen. «Wir müssen mit den Verlusten leben.» Doch es sind nicht nur die eigentlichen Diebstähle, über die sich Rieben aufregt. Denn wenn Bäume aus dem Wald entwendet werden, dann sind es die schönen Exemplare. Und das seien gerade die, «die wir als Waldbäume behalten möchten», sagt Rieben.

Gestohlene Weihnachtsbäume sind auch bei der Burgergemeinde Roggwil ein Thema – allerdings nicht mehr so sehr wie noch vor einigen Jahren. Seit vermehrt billige Bäume aus dem Ausland importiert würden, gingen auch die Diebstähle zurück, erklärt Förster Markus Bürki. Er sagt aber auch: «Wir haben fast 600 Hektaren Wald.» Zum Teil werde es gar nicht bemerkt, wenn Bäume fehlten. Doch sollte Förster Bürki einmal einen Baumdieb in flagranti ertappen, würde er diesen auffordern, die Tanne zu zahlen. Und Bürki schliesst in einem solchen Fall auch eine Anzeige nicht aus.

Strafanzeige eingereicht hat jetzt auch Waldbesitzer Otto W. «Ich habe mir gesagt: Es reicht nach all den Jahren.» Mittlerweile ist er triefnass vom Regen. Er grummelt. Es gehe doch nicht an, dass er jahrelang den Wald hege und pflege, dabei fast nichts verdiene und sich auch noch Bäume stehlen lassen müsse. Wohlgemerkt, der materielle Verlust kümmert ihn nicht. Es geht ihm ums Prinzip. Würde jemand in seinen Wald kommen und um einen Baum für Weihnachten bitten, «er könnte einen haben», sagt Otto W. «Und zwar gratis.»

Diebe brauchen Strassen

Viel Hoffnung macht sich der Waldbesitzer nicht, dass die Polizei den Täter noch schnappt. «Nein, nein», sagt Otto W., klopft seine Tabakspfeife aus, schüttelt abermals den Kopf und sagt: «Das bringt sowieso nichts.» Doch mindestens besser aufpassen will Otto W. in Zukunft. Die Kennzeichen der Autos, die bei seinem Waldstück parkieren, will er sich alle notieren. Denn, und das ist so gut wie sicher, geklaut wird nur in jenen Wäldern, wo die Diebe mit ihren Autos auch bequem hinfahren können.

*Name der Redaktion bekannt

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.12.2011, 08:30 Uhr

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2 Kommentare

walter bossert

19.12.2011, 10:49 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Da stellt sich automatisch die Frage nach der angeblich "christlichen" Gesinnung! Solche Heuchler sind irgendwie widerlich. Antworten


Urs Wälchli

19.12.2011, 20:44 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Sparen wo es geht, nur für sich selber nicht. Antworten



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