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Die SP will Ärzte mit Anreizen ködern

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 22.12.2010 4 Kommentare

Die Oberaargauer sollen ihr Spital in Langenthal stärker nutzen, verlangt die SP. Die Partei fordert nun von der Spital Region Oberaargau (SRO) AG besseres Marketing. Und: Sie denkt über ein Anreizsystem für Hausärzte nach. Diese Idee ist allerdings umstritten.

Das Spital Langenthal im Fokus: Die SP möchte die Patientenzahlen erhöhen – mit mehr Marketing und einem Anreizsystem für Hausärzte.

Das Spital Langenthal im Fokus: Die SP möchte die Patientenzahlen erhöhen – mit mehr Marketing und einem Anreizsystem für Hausärzte.
Bild: Herbert Rentsch

Grossrat Markus Meyer. (Bild: Andreas Blatter)

Grossrat Adrian Wüthrich. (Bild: Urs Baumann)

Die Position der SP

Hausärzte In ihrem Positionspapier zur Gesundheitsversorgung Oberaargau nimmt die SP auch Stellung zum akuten Mangel an Hausärzten in der Region. Sie fordert vom Regierungsrat, dass er eine «leistungsfähige Hausarztmedizin» sicherstellt. «Der Handlungsbedarf ist dringend», sagte SP-Grossrat Markus Meyer gestern vor den Medien.
Dass nun die Spital Region Oberaargau (SRO) mit einer eigenen Gruppenpraxis für Hausärzte in den Markt einsteigen will, bewertete Meyer denn auch positiv. «Das ist der richtige Weg.»
Die SRO plant, im Komplex der Alterswohnungen an der St.-Urban-Strasse in Langenthal das Erdgeschoss zu beziehen. Im Sommer soll die Gemeinschaftspraxis eröffnet werden. Damit ist nun aber auch definitiv klar: Die Spitex wird keinen Platz mehr haben. Die Pflegeorganisation hatte mit der Bauherrin, der Stiftung Coopera, verhandelt. Vom Einzug der SRO hat Spitex-Präsident Adolf Freudiger gestern aus der BZ erfahren. Trotzdem sei er «nicht unglücklich», dass die Coopera nun einen anderen Mieter gefunden habe. Laut Freudiger prüft die Spitex derzeit zwei alternative Standorte für einen Umzug. Wo diese sind, wollte er noch nicht verraten.

Artikel zum Thema

Die Zahlen sind nicht so schlecht: Wenn die Oberaargauer ein Leiden haben, lassen sie sich in der Mehrheit bei der Spital Region Oberaargau (SRO) AG behandeln. Konkret: Von fünf Patienten aus der Region entscheiden sich nur zwei gegen eine Behandlung bei der SRO. Die Abtrünnigen weichen nach Bern oder in einen anderen Kanton aus. Diese Zahlen aus der Spitalversorgungsplanung 2011–2014 hat die kantonale Gesundheitsdirektion (GEF) kürzlich vorgestellt.

«Wie ein Quartierlädeli»

Den Ball der GEF hat die SP Oberaargau aufgenommen. Gestern präsentierte die Partei vor den Medien ein Positionspapier zur Gesundheitsversorgung in der Region. Im Grundsatz spendierte die SP viel Lob. «Wir wollen der SRO den Rücken stärken», sagte der Roggwiler Grossrat Markus Meyer.

Insbesondere ist es der Partei ein Anliegen, dass sich künftig mehr Oberaargauer als bisher in «ihrem» Spital in Langenthal behandeln lassen. Meyer: «Es ist wie bei einem Quartierlädeli. Wir müssen dafür sorgen, dass die Leute hingehen.» Denn, auch das zeigt die Erhebung der GEF auf, im Hinblick auf die Behandlung in ausserkantonalen Spitälern sind die Oberaargauer Spitzenreiter: Jeder zehnte Patient legt sich lieber ennet der Kantonsgrenzen unters Messer.

Spital plant neue Leistungen

Diese Zahlen will die SP nach unten drücken. Ihre Rezepte an die Adresse der SRO, die ab April 2011 nur noch das Spital in Langenthal betreibt, sind im Positionspapier aufgelistet: Die SRO solle mehr Marketing betreiben und auch ausserhalb der Kantonsgrenzen werben, heisst es. Der Huttwiler SP-Grossrat Adrian Wüthrich präzisierte: Die SRO bringe zwar eine Kundenzeitschrift heraus, aber punkto Marketing sei mehr möglich.

Die SP will zudem die Oberaargauer Hausärzte stärker in die Pflicht nehmen. Im Positionspapier schlägt die Partei ein «Prämiensystem je Anzahl Zuweisungen» vor. Das würde bedeuten: Je mehr Patienten ein Arzt ans Spital Langenthal überweist, desto mehr profitiert er vom Spital. Grossrat Meyer nannte als Beispiel Gutschriften für Weiterbildungskurse.

Ein solcher Anreiz ist laut Spital-Direktor Andreas Kohli aber «heikel». Es fehlten die gesetzlichen Grundlagen. Wolle man tatsächlich solche Rückvergütungen anbieten, müssten diese den Patienten zugutekommen. Kohli will stattdessen vielmehr «mit Leistungen überzeugen». So plant die SRO, einzelne Fachgebiete auszubauen. Ab dem kommenden Jahr bietet das Spital zum Beispiel neu eine Wirbelsäulen-Chirurgie an.

Eine «politische Forderung»

Ihr Augenmerk legt die SP aber auch auf den Rettungsdienst. Derzeit betreibt die SRO Stützpunkte in Langenthal, Niederbipp und Huttwil. Die SP möchte die Struktur verändern: Laut Positionspapier ist der Rettungsdienst «in eine separate Gesellschaft» zu überführen, in der auch die Gemeinden ein Mitspracherecht bekommen. Der Rettungsdienst der SRO arbeitet «nicht schlecht», sagte Grossrat Wüthrich, allerdings werde er «schlechter gemacht, als er ist». So verlangt die SP, dass der Rettungsdienst nicht mehr quersubventioniert werden darf.

Von dieser «politischen Forderung» fühlt sich Spital-Direktor Kohli indessen nicht angesprochen. Beim Rettungsdienst sei die SRO bloss Befehlsempfänger der GEF. Diese spreche das Geld und lege die Rahmenbedingungen fest. Und Quersubventionierungen gebe es keine.

Was passiert in Huttwil?

Das Rettungswesen thematisiert auch die kantonale Versorgungsplanung 2011–2014, bei der nun die Vernehmlassung angelaufen ist. Möglich ist, dass die Regionen bald engmaschiger abgedeckt werden müssen. Wie SRO-Verwaltungsratspräsident und BDP-Grossrat Dieter Widmer kürzlich gesagt hatte, könnte dies auch Folgen für den Standort Huttwil haben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.12.2010, 08:40 Uhr

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4 Kommentare

Philippe Groux

23.12.2010, 11:42 Uhr
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Boni? Ausgerechnet die SP will Boni einführen? Haben denn die nichts aus der Finanzkrise gelernt? Im Parlament wird über Managed Care diskutiert und die SP will, dass die Ärzte die Patienten dorthin schicken wo dem Arzt ein Bonus winkt? Ich glaube ich bin im falschen Film! Antworten


Hans Abbühl

24.12.2010, 13:48 Uhr
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Ja Herr Groux, wenn man in unserem Gesundheitsunwesen alles wüsste über "Zuweisungen, unnötige Verlängerungen von Spitalaufenthalten, Arbeitsvergabe an weitere Therapeuten usw.", würde man grosse Augen machen. Die Flut an Numismatikern ist in diesem Sektor, wo jede NEUNTE Berufstätige ihr Auskommen findet, nicht mehr zu überblicken. Da hat NIEMAND mehr Anreiz, überhaupt etwas zu sparen. Antworten



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