Die Einmann-Show des Christoph B. zieht noch immer
Von Hans Käser. Aktualisiert am 26.01.2009 12 Kommentare
«Das isch alls dumms Züg»: Ex-Bundesrat Christoph Blocher vor vollbesetzten Rängen bei der Pneu Bösiger AG in Langenthal. (Bild: Marcel Bieri)
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Erwartungsvoll sitzt das Publikum im Gebäude der Pneu Bösiger AG in Langenthal. Zu Hunderten sind Junge und Alte auf Einladung der Jungen SVP des Kantons Bern herbeigeeilt, um bei der Einmann-Show des Christoph Blocher dabei zu sein. «Er ist eine grosse Persönlichkeit in der Politik», sagt Stefanie Gasser, wohl stellvertretend für viele andere. «Ich höre ihm gerne zu, denn er ist ein guter Redner.» Und dann habe sie als Mitglied der Jungen SVP natürlich die gleiche Meinung in Sachen Abstimmung zur Personenfreizügigkeit wie er, fügt die junge Frau aus dem solothurnischen Hubersdorf lachend hinzu.
Dann schreitet er zur Bühne
Plötzlich ist Christoph Blocher da und schreitet mit weit ausholenden Schritten zur Bühne. Sogleich verstummt das Publikum und lässt sich von seiner Stimme, Mimik und Gestik in den Bann ziehen. Zuerst gratuliert der Redner der Jungen SVP dazu, dass sie das Referendum gegen das Personenfreizügigkeits-Abkommen Schweiz – EU ergriffen und dadurch eine Volksabstimmung erzwungen hat. Dann aber holt er zu einem verbalen Rundumschlag aus. Dank seiner Sprüche hat er die Lacher sogleich auf seiner Seite.
Die erste Attacke reitet er gegen die Medien, die seiner Meinung nach die Argumente gegen die Vorlage zu wenig beachten. Es sei unglaublich, man wolle ihn nicht zu Wort kommen lassen. «Doch wer von den Medien geschnitten wird, hat meistens Recht.» Blocher vermisst eine öffentliche Diskussion mit Pro- und Contra-Voten. «Niemand von den Befürwortern will gegen mich antreten», sagt er. «Aber ich kann die Pro-Argumente auch gleich selber vortragen.» Es seien nicht viele, und sie lösten sich bei genauerem Hinsehen bald einmal in nichts auf.
«Himmeltraurige Sache»
Dann kritisiert Christoph Blocher die Abstimmungsvorlage. «Weil die Politiker in Bern wissen, dass ausländerpolitische Fragen in der Bevölkerung äusserst kritisch beurteilt werden, hat man sich einen Trick einfallen lassen», sagt er. «Die Frage der Weiterführung der Personenfreizügigkeit mit den alten EU-Staaten und die Frage der Erweiterung auf Rumänien und Bulgarien hat man so zu einem Päckli zusammengebunden, dass eine unverfälschte Antwort gar nicht mehr möglich ist.» Das sei eine «himmeltraurige Sache», ein Angriff auf die direkte Demokratie.
Die Bedenken, dass die Ablehnung der Vorlage das Verhältnis zur EU belasten und der Exportindustrie Schwierigkeiten bereiten könnte, schlägt der Redner in den Wind. «Ich muess Ihne säge, das isch alls dumms Züg.» Die Verträge mit der EU würden durch ein Nein keineswegs in Frage gestellt. Innenpolitisch könne der Bundesrat nach einer Ablehnung die Sache ganz einfach dadurch bereinigen, dass er das Päckli auspacke und dem Stimmvolk beide Fragen zur Personenfreizügigkeit vorlege.
Für Christoph Blocher ist klar, wie das Ergebnis einer weitern Volksbefragung aussähe: «Die Weiterführung der Personenfreizügigkeit mit den alten EU-Staaten gäbe kaum Anlass zu Diskussionen, während die Ausdehnung auf Bulgarien und Rumänien klar abgelehnt würde.»
«Müssen für uns schauen»
«Ein kleines Land muss für sich schauen. Nichts Unrechtes tun, nein. Aber wir können uns nicht alles leisten.» Christoph Blocher sieht grosse Probleme auf die Schweiz zukommen, wenn sie der Vorlage zustimmt. Grössere Zuwanderung von Ausländern, mehr Arbeitslosigkeit, tiefere Löhne, leere Arbeitslosenkassen und ruinierte Sozialwerke, dies sind seine Argumente dagegen. Gerade angesichts der sich abzeichnenden Krise dürfe die Schweiz keine weiteren Dummheit machen, mahnt er. «Wenn wir Nein stimmen, dann wird es uns in der kommenden Krise weniger schlecht ergehen.»
In der Diskussion melden sich vor allem Gesinnungsgenossen von Christoph Blocher zu Wort. Nur eine einzige Stimme erhebt sich gegen die alles dominierende SVP-Meinung. Eine junge Frau bekennt sich zu einem Ja, was mit Pfiffen und Hohngelächter quittiert wird. Unbeirrt fährt sie fort, spricht sich für eine Gleichbehandlung aller EU-Staaten aus und verlangt, dass man auch die Argumente der Befürwortenden gelten lassen müsse. Christoph Blocher kontert: «Ich habe nicht gesagt, dass die Befürworter Unrecht haben. Aber sie kommen nicht, sie haben Angst, sie haben keine überzeugenden Argumente.»
Kopfnicken und Applaus
Rund zwei Stunden dauert der Auftritt. Christoph Blocher zeigt auf, dass nur die SVP – und nur sie – die Interessen der Schweiz vertreten kann. Alle anderen politischen Kräfte bekommen Schelte: die Linken, die Mitte, das eidgenössische Parlament, der Bundesrat, die Classe politique allgemein, die Economiesuisse, der schweizerische Bauernpräsident Den Besucherinnen und Besuchern scheint es zu gefallen. Zustimmendes Kopfnicken und spontaner Applaus begleiten die Worte.
«Ich bin aus Sympathie zu Christoph Blocher gekommen», sagt zum Beispiel der Langenthaler Heinz Widmer. «Meine Erwartungen haben sich voll erfüllt.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 26.01.2009, 08:29 Uhr
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12 Kommentare
Das hat ein Messias halt so an sich. Viele möchten die Erscheinung sehen, der man überirdische Fähigkeiten zuspricht. Und viele haben immer noch nicht bemerkt, wie es um den Grossen Vorsitzenden steht. Er ist der ältliche Leithammel einer Truppe, die zusehends auf der Verliererseite wandelt. Dass er immer weniger sich selber ist und sein Denkmal immer mehr Kratzer abbekommt, merkt er nicht. Antworten
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