Die Bauern sorgen sich um das Kulturland
Von . Aktualisiert am 08.02.2012 2 Kommentare
Ehemaligenverein
Jedes Jahr vergibt der Verein der ehemaligen Bäreggschüler einen Preis. Damit zeichnet er eine Person oder ein Unternehmen aus, «die etwas in Angriff genommen und durchgezogen haben», wie Präsident Urs Hirschi gestern sagte. Am 46.Bäreggforum überreichte er den diesjährigen Preis der Hohgantkäserei aus Schangnau. Als die Grosskäserei Marbach-Schangnau geplant wurde und alles darauf hindeutete, dass es in Schangnau bald keine Käserei mehr geben würde, entschlossen sich die Käsereigenossenschaft Thal und Käser Markus Aegerter, aus 1 Million Liter Milch Käsespezialitäten herzustellen. Anfänglich vermarkteten sie diese selber, heute verkaufen sie ihren Käse erfolgreich unter der Pro-Montagna-Linie des Grossverteilers Coop.
Die Einladung zu einer internationalen Tagung in Zürich hatte Bernard Lehmann ausgeschlagen. In der gleichen Woche, in der Ernst Flückiger, Standortleiter des Inforama Emmental, davon erfuhr, lud er den neuen Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) als Referenten ans 46.Bäreggforum ein. «Ich komme sehr gern zu euch ins Emmental», lautete die Antwort.
Er reise stets mit einem Rucksack und sei gespannt, welche Anliegen er darin mit nach Bern nehmen werde, sagte er gestern vor den versammelten Emmentaler Bauern und Bäuerinnen. Und es schien sich dabei um keine leere Phrase zu handeln. Lehmann, der im Referat die Grundzüge der Agrarpolitik 2014–2017 vorstellte, zeigte im anschliessenden Podiumsgespräch ein offenes Ohr für die Sorgen der Emmentaler. In Worte fasste diese vorab Heinz Kämpfer, Präsident des Vereins Landwirtschaft Emmental. Er stört sich daran, dass ein grosser Teil der Direktzahlungen künftig nicht mehr auf der Anzahl Tiere, sondern auf der bewirtschafteten Fläche basieren soll. «Hier im Emmental, wo wir keine grossen Parzellen, dafür relativ tierintensive Betriebe haben, befürchten wir, dass uns Direktzahlungen fehlen werden», sagte Kämpfer. Für viele Emmentaler sei es keine Alternative, auf mehr Ökologie auszuweichen, um so höhere Direktzahlungen zu erhalten. «Wir wollen Lebensmittel produzieren und am Markt verkaufen», sagte der Landwirt aus Affoltern.
Weniger Tiere, weniger Arbeit
Im BLW sind die Fragen im Zusammenhang mit der Umlagerung der Direktzahlungen bekannt. Erst am Montag habe er beschlossen, an beispielhaften Betrieben die Folgen aufzeigen zu lassen, sagte Lehmann. Den Emmentalern gab er zu bedenken, dass es künftig möglich sein sollte, mit weniger Tieren gleich viel Einkommen zu erzielen, was die Arbeitsbelastung der Bauernfamilien senken sollte.
Nebenbei wies Lehmann auf eine im Emmental nicht unwesentliche Änderung hin: Die Vorlage, die der Bundesrat letzte Woche ans Parlament schickte, sieht vor, dass es künftig mehr Beiträge gibt, je steiler die bewirtschafteten Hänge sind. Dies soll verhindern, dass immer mehr Kulturland mit Wald überwächst.
Kulturland oder Entwicklung?
Ein Votant äusserte grosse Sorgen im Zusammenhang mit dem Kulturland, das jeden Tag überbaut wird. Die Burgdorfer Stadtpräsidentin und SP-Grossrätin Elisabeth Zäch, die ebenfalls am Podiumsgespräch teilnahm, fühlte sich angesprochen. Sie berichtete vom «wunderbar flachen» Kulturland im Lyssachschachen, das der Kanton als Entwicklungsschwerpunkt für ein grosses Industriegebiet ausgeschieden hatte. Nach massivem Widerstand aus der Bevölkerung legte der Kanton seine Pläne kürzlich auf Eis. «Und was bekommen wir Emmentaler Grossräte jetzt in Bern zu hören? Dass sich das Emmental ja gar nicht entwickeln wolle», sagte Elisabeth Zäch.
Lehmann stellte fest: «Die Schweiz ist ein Stadtstaat mit Alpenraum.» Es sei aber auch eine Chance für die Landwirtschaft, wenn sie in einem urbanen Staat produziere: «Sie kann die Leute mit qualitativ guten Lebensmitteln aus lokaler Produktion beliefern.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.02.2012, 07:52 Uhr
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2 Kommentare
Es kann nicht angehen, dass Bauern in der Hügelzone das Nachsehen haben. Es muss aber in der Tat auch verhindert werden, dass immer mehr ebenes Kulturland von bester Qualität der Industrie und Logistik geopfert wird. Vielmehr sind bestehende Industriebrachen zu nutzen! Wachstum darf nur noch qualitativ sein, nicht quantiativ. Antworten
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