Region
Des Kürbis-Königs Gold ist reif
Kürbisse, wohin das Auge blickt, gelbe, rote, weisse, grüne, gemaserte, apfelgrosse, fussballgrosse, medizinballgrosse, gefurchte, gerippte und glatte: Heute beginnt auf dem Hof der Familie Oppliger in Oberburg die grosse Kürbisausstellung. Die Gemüsefrucht, bei der es sich botanisch gesehen um eine Beere handelt, ist landauf, landab jetzt erntereif – und damit beginnt auch der Frühherbst.
Oppligers begrüssen die Saison mit einer Ausstellung, die neue Massstäbe setzen will, denn erstmals werden die selber angebauten Kürbisse nicht einfach aufgereiht und mit einem Preisschild versehen, sondern kunstvoll zu mosaikartigen Bildern gruppiert.
Faszinierende Vielfalt
Der Aufwand, der für die Präsentation getrieben wird, kommt nicht von ungefähr. Kürbisse sind Peter Oppligers Leidenschaft und geschäftliches Hauptstandbein zugleich. Seinen Bauernhof nennt er offiziell «Kürbishof», und die Pflanze respektive deren Frucht schätzt er, weil sie «vielfältig und faszinierend» sei.
Mit dem Anbau von Speisekürbissen begann er vor rund einem Dutzend Jahren. «Wir suchten damals nach einer Produktionsnische, und weil der Kürbis ein dankbares Gewächs ist, zudem variantenreich in Form und Farbe und in der Küche vielseitig verwendbar, versuchten wir es einmal damit», berichtet der Landwirt. Aus den zuerst bescheidenen Anfängen entwickelte sich schnell ein ausgewachsener Erwerbszweig, denn in den letzten Jahren nahm die Beliebtheit des Kürbis bei den Konsumenten rapide zu. «Manche Sorten wie Patisson, Butternut oder Potimarron reissen uns die Kunden fast aus den Fingern», lacht Oppliger.
Kühlraum auf dem Hof
Zu den Abnehmern gehören nebst privaten Stammkunden, für die neben dem Bauernhof eigens ein grosser Parkplatz errichtet wurde, auch Gastrobetriebe und Lebensmittelgeschäfte. Die Hauptsaison ist von September bis Dezember, wobei lagerfähige Kürbissorten bis in den Frühling hinein geliefert werden können – ein unlängst eingerichteter Kühlraum auf dem Hof machts möglich. Während der Erntezeit im Spätsommer und Frühherbst sind rund zehn Personen auf dem Hof beschäftigt.
Oppliger bringt aber nicht nur gegen 30 Kürbissorten auf den Markt, sondern auch diverse selber entwickelte Produkte, die sich aus Kürbis herstellen lassen. Dazu gehört eine Kürbisbratwurst ebenso wie ein Kürbisbier, Kürbiskonfitüre, Handcreme aus Kürbisöl oder Kürbiscurry. Apropos Curry: Der Kürbis gehöre in Sri Lanka, der Heimat der Currygerichte, zur Nationalküche und werde dort als kostengünstiges und nahrhaftes Grundnahrungsmittel verwendet, sagt Peter Oppliger. Entsprechend zähle er zu seinen regelmässigen Kunden auch viele Tamilen.
Heuer fällt die Ernte auf dem Oberburger Kürbishof besonders reich aus. In den letzten Jahren wurden zwischen 20 und 30 Tonnen geerntet, heuer dürften es sogar 30 bis 40 Tonnen sein. Von der Praxis, die einzelnen Früchte auf die Waage zu legen und den Preis streng nach Gewicht zu bemessen, ist man bei Oppligers längst abgerückt. «Die Preise werden nach vernünftigem Ermessen festgelegt», erklärt Oppliger. «Wollten wir jedes Stück wägen, kämen wir bei den Mengen, die wir produzieren, nie zu einem Ende.»
«Ich bleibe dran»
Mit seinen Riesenbeeren, die ursprünglich aus Mittelamerika stammen, bringt Peter Oppliger einen Schuss Exotik ins Emmental. Zwar pflanzen immer mehr Landwirte in der Region ebenfalls Kürbisse an, aber als eigentlicher Spezialist mischt Oppliger nach wie vor in der ersten Reihe mit. Diese Position möchte er halten und ausbauen: «Ich lasse nicht locker, am Kürbis bleibe ich dran.» Als nächster Schritt ist die Schaffung eines Internetshops geplant, um die Kürbisprodukte künftig auch online verkaufen zu können.
Hans HerrmannKürbisausstellung: 4.September bis 7. November. Mi und Sa Möglichkeit zum Kürbisschnitzen, So Kürbis-Apéro von 10 bis 13 Uhr. Kürbisfest: 25./26. September.
Erstellt: 04.09.2010, 12:02 Uhr
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