Der Langnauer Treibhauseffekt

LangauDie Blumen Berger AG in Langnau verbraucht jährlich über eine halbe Million Liter Heizöl. Damit soll bald Schluss sein. Die Firma und die Gemeinde wollen das Öl mit Abwärme ersetzen.

Beat Brunner, CEO der Blumen Berger AG, steht in einem Blumenmeer. Dieses ist zwar schön anzuschauen, 
benötigt aber viel Energie für die Beheizung.

Beat Brunner, CEO der Blumen Berger AG, steht in einem Blumenmeer. Dieses ist zwar schön anzuschauen, benötigt aber viel Energie für die Beheizung. Bild: Thomas Peter

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Langnau hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt: Die Gemeinde will ihren Wärmebedarf bis im Jahr 2035 um 20 Prozent reduzieren, 70 Prozent sollen dereinst aus erneuerbaren Energien bereitgestellt werden. Um dies zu erreichen, hat die Kommune 20 mögliche Massnahmen ins Auge gefasst. Eine davon setzt beim Blumenproduzenten Blumen Berger an. Dessen Treibhäuser sollen künftig mit der Abwärme der Abwasseraufbereitungsanlage oder mit Grundwasserwärme beheizt werden

Derzeit verwendet die AG vorwiegend Heizöl, weit über eine halbe Million Liter jährlich sind es derzeit. Das ist viel. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Jahresverbrauch an Heizöl eines 150 Quadratmeter grossen Einfamilienhauses liegt bei mehr als 2000 Litern. Die Blumen Berger AG verheizt für ihre Treibhäuser also so viel Öl wie knapp 300 Einfamilienhäuser.

Nicht überrumpelt

Das Energiesparpotenzial bei den insgesamt 20000 Quadratmeter grossen Gewächshäusern ist demnach beträchtlich. Wie gross, ist allerdings noch unklar. Deshalb will Langnau in Kürze eine Studie in Auftrag geben, sagt Bauverwalter Oliver Mischler. Zuvor allerdings muss der Energierichtplan, der sich derzeit in der Mitwirkung befindet, abgesegnet werden. «Wir möchten die Fakten noch dieses Jahr auf dem Tisch haben», sagt Mischler. Klar ist: Die Gemeinde wird Blumen Berger nicht zwingen können, ihr Energieversorgungssystem umzustellen. Mischler: «Die Massnahme muss für das Unternehmen wirtschaftlich umsetzbar sein.»

Blumen Berger ist vom Ansinnen der Gemeinde nicht überrumpelt worden. «Wir wollen nachhaltig produzieren», sagt Beat Brunner, CEO der Blumen Berger AG. Man sei schon seit längerem daran, in Sachen Energieeffizienz etwas zu unternehmen. So hat die Firma vor kurzem ihre Heizungsrohre für 120'000 Franken isolieren lassen.

Insgesamt rund 50'000 Franken investierte der Blumenproduzent selbst, den Rest bezahlte die Klimastiftung Schweiz. «In den letzten Jahren konnten wir so den jährlichen Heizölverbrauch bereits von 850'000 auf 650'000 Liter senken», sagt Brunner. Thomas Grieder von der Energieagentur der Wirtschaft bestätigt, dass man Blumen Berger bereits vor über drei Jahren «umfassend beraten» habe.

Hohe Investitionen

Indes: Es sind zwei verschiedene Paar Schuhe, bestehende Infrastruktur besser zu isolieren oder das Energiesystem eines Industriebetriebes komplett umzustellen. Brunner lässt daran keinen Zweifel. «Es ist ein Riesenprojekt.» Man habe eine Person engagiert, die sich nur mit der Frage auseinandersetzt, wie das Heizöl ersetzt werden kann. «Ziel ist», so Brunner, «in drei bis fünf Jahren auf umweltfreundlichere Energiequellen umgestellt zu haben» .

Dieses Unterfangen wird einiges kosten. Der Geschäftsführer schätzt die anfallenden Investitionen auf zwei bis drei Millionen Franken – sehr viel Geld also. Blumen Berger wird deshalb auf Unterstützung angewiesen sein. Zum Beispiel von Bund und Kanton, die für Umweltmassnahmen spezielle Fonds zur Verfügung haben.

Möglicherweise werden auch die Langnauerinnen und Langnauer ihren Teil dazu beitragen: Um ihre Energieziele zu erreichen, möchte die Gemeinde einen Fonds äufnen, der mit einer Abgabe auf dem privaten Energieverbrauch finanziert wird. Ob diese Abgabe dereinst aber tatsächlich erhoben wird und ob die Blumen Berger AG davon profitieren kann, steht derzeit noch in den Sternen. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 13.03.2014, 12:09 Uhr)

Geringer Beitrag der Gewächshäuser

Branche im Umbruch Dass Gewächshäuser viel CO2 verbrauchen, ist nicht nur in Langnau ein Problem. Die Energieagentur der Wirtschaft (Enaw) hat schweizweit 27 grössere Betreiber von Gewächshäusern beraten, die umweltfreundlicher produzieren wollen. Thomas Grieder von der Enaw sagt, dass bei diesen Firmen zwischen 2005 und 2012 der CO2-Ausstoss um 18'000 Tonnen reduziert werden konnte – das entspricht 5 Millionen Liter Heizöl.

Verschiedene Massnahmen hätten laut Grieder zu dieser Verbesserung beigetragen: bessere Isolierung, Neubauten, vermehrter Einsatz von Computertechnologie sowie die Substitution der Brennstoffe. Der letzte Punkt wird die Blumen Berger AG und die Gemeinde Langnau in naher Zukunft stark beschäftigen (siehe Haupttext). Grieder weiss von Gewächshäusern, die mit Holz heizen, ein weiterer Produzent arbeite mit Abwärme einer Papierfabrik, anderswo komme die Abwärme von Kehrichtverbrennungsanlagen zum Einsatz.

Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) verursachen diejenigen Betreiber von Gewächshäusern, die gegenüber dem Bund Klimazielvereinbarungen eingegangen sind (und im Gegenzug von der CO2-Abgabe auf Brennstoffe in der Höhe von 60 Franken pro Tonne CO2 befreit sind), zusammen rund 80'000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Doch: dies seien rund 0,2 Prozent der gesamten Treibhausemissionen der Schweiz, sagt Isabel Junker von der Abteilung Klima des Bafu.

In der Landwirtschaft seien die abgabebefreiten Treibhäuser für ungefähr 1,3 Prozent des CO2-Austosses verantwortlich, so Junker weiter. Wie hoch die Kohlendioxidemissionen aller Gewächshäuser in der Schweiz sind, kann sie nicht sagen. (cbb)

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