Der Emmentaler Whisky ist nun reif

Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 18.08.2010 1 Kommentar

Whisky, der Getreideschnaps aus Schottland, Irland und den USA, gehört in der Schweiz zu den beliebtesten Spirituosen. Das macht sich die Heimiswiler Brennerei Kramer zunutze und bringt nun einen eigenen Whisky auf den Markt.

Seniorchef Walter Kramer im Sandsteingewölbe: Hier lagern die Fässer, in denen der Emmentaler Whisky heranreift.

Seniorchef Walter Kramer im Sandsteingewölbe: Hier lagern die Fässer, in denen der Emmentaler Whisky heranreift.
Bild: Walter Pfäffli

In dieser Destillerie brennen Kramer Vater und Sohn heimische Schnapssorten – und neu auch Whisky. (Bild: Walter Pfäffli)

Kirsch, Bätzi, Williams, Härdöpfeler, Pflaumenwasser und Kräuterschnaps – das sind die Spirituosen, die man in einer Emmentaler Brennerei normalerweise antrifft. Auch im Verkaufsladen der Heimiswiler Brennerei Kramer AG werden diese heimischen Spezialitäten feilgeboten, kristallklar gebrannt und mit ansprechenden Etiketten beschriftet. Beim Anblick einer Reihe auffallend breiter, mit einer bräunlich-goldenen Flüssigkeit gefüllter Flaschen stutzt der Betrachter jedoch: Ist das nicht Whisky?

800 Flaschen zum Anfang

Doch, es ist Whisky. Wie das Etikett verrät, handelt es sich nicht um Importware, sondern um einen Eigenbrand der Firma Kramer. Der Emmentaler Single-Malt-Whisky ist eine Neuschöpfung und wird erst seit kurzem verkauft. Er stammt aus dem Fass, das Simon Kramer, der Chef der Brennerei, zusammen mit dem Seniorchef Walter Kramer vor vier Jahren mit dem ersten selber gebrannten Whisky füllte und lagerte. Nun ist das Destillat zur Reife gelangt und in einer Menge von vorerst 800 Flaschen genussfertig. Damit warten Vater und Sohn Kramer mit einem Produkt auf, das in Schottland, Irland und den USA zu Hause ist, in den Brennereien des Emmentals bis anhin jedoch kaum hergestellt wurde.

«Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden», sagt Walter Kramer, um anzufügen: «Jene Leute, die davon bereits probiert und gekauft haben, sind es ebenfalls, soweit ich es beurteilen kann.» Wenn es ein Kunde nicht bei einer einzigen Flasche bewenden lasse, sondern bald darauf nachkaufe, sei das jedenfalls ein gutes Zeichen.

Weniger Schnaps am Tisch

Früher bestritten die Emmentaler Brennereien ihr Einkommen zur Hauptsache mit der Lohnbrennerei, indem sie für die Bauernbetriebe Schnaps aus deren Obst herstellten. Mit der Mechanisierung wurden aber die einst grossen Bauernhaushalte mit den zahlreichen Angestellten kleiner, und damit ging auch der Bedarf an Gebranntem deutlich zurück. «Wir verlagerten uns deshalb nach und nach auf Spezialitäten, die wir in unserem Laden verkaufen», berichtet Walter Kramer. Auf der Suche nach einer weiteren Spezialität kam Simon Kramer, angeregt vom befreundeten Spirituosenwissenschaftler Peter Dürr, auf die Idee, man könnte es in Heimiswil doch einmal mit Whisky versuchen.

Dieser Gedanke kam nicht von ungefähr, denn beim Whisky handelt es sich um die meistimportierte Spirituose. Das Getränk ist also beliebt – und würde bei guter Qualität auch als heimisches Fabrikat seine Abnehmer finden, überlegten Simon und Walter Kramer. Bei der Brauerei Haslibier in Langenthal bestellten sie ein Quantum ungehopftes, aus Gerstenmalz gebrautes Bier, das sie im eigenen Betrieb zu Whisky brannten und dann in einem Eichenfass lagerten. Kramer senior und junior sind froh, für dieses und vier weitere Fässer, deren Inhalt nun gestaffelt heranreift, einen geeigneten und stilechten Lagerraum gefunden zu haben: Drei Fässer zu je 220 Liter und zwei weitere Fässer zu 500 Liter Whisky sind im Sandsteinkeller eines Bauernbetriebs in der Gemeinde untergebracht.

Ein Berater zur Seite

«Die Lagerung im Holzfass ist wichtig», erklärt der Seniorchef der Brennerei. «Durch das Holz bekommt der Whisky erst seinen typischen Geschmack – wobei man aufpassen muss, dass man das Destillat nicht zu lange im Eichenfass belässt, denn zu viel ‹Holz› ist auch wieder nicht gut.» Kramers stehen mit der komplexen Wissenschaft der Whiskyherstellung erst am Anfang, holen sich bei Bedarf aber Rat bei Peter Dürr, der als Fachmann einen internationalen Ruf geniesst.

Der Alkoholgehalt des Emmentaler Single-Malt-Whisky beträgt 43 Volumenprozent; die 7-Deziliter-Flasche kostet 55 Franken. Importwhiskys können je nach Marke schon mal 70 bis 100 Franken und auch mehr kosten. Für Freunde von stark Gebranntem ist der Emmentaler Gerstenschnaps auch 58-prozentig zu haben. Beschriftet sind die Flaschen in handgeschriebener Fraktur aus der Feder des Signauer Landwirts Fritz Tschanz – wie es sich für ein Emmentaler Produkt gehört. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.08.2010, 08:16 Uhr

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1 Kommentar

Stalder Otto

18.08.2010, 15:12 Uhr
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Super! Liebe BZ solche Nachrichten möchten wir, es hätte viele Klein KMU die mehr bringen. Ich trinke leider keinen Whisky aber das sind Positive Nachrichten, da sind keine Glatzköpfigen Manager am Werk, nicht UBS, CS usw. Antworten



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