Das Rote Kreuz ersetzt die Grossmutter
Das Einkommen bestimmt die Tarife
Der neue Kinderbetreuungsdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Bern-Oberaargau richtet sich nach dem Bruttoeinkommen der Eltern. Der Tarif reicht von 8 bis 42 Franken pro Stunde. Ab 20 Uhr sowie an Wochenenden wird eine zusätzliche Taxe erhoben. Das SRK rechnet nicht damit, dass die Dienstleistungen die Kosten decken.
Das ist aber auch nicht das Ziel. So sollen auch Familien das Angebot nutzen können, die nicht auf Rosen gebettet sind. Das SRK hat die Kinderbetreuung zu Hause vor
25 Jahren in der Schweiz aufgebaut. Nach dem Oberaargau wird im März auch das Emmental als letzte kantonale SRK-Region diesen Dienst anbieten.
eag
Informationen
Die Kinderbetreuung kann von Montag bis
Freitag, von 8 bis 10.30 Uhr, unter Telefon 062 9232860 (info@srk-langenthal.ch) oder 079 5521940 (kbh@srk-langenthal) angefordert werden.
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Welche berufstätigen Eltern kennen das nicht: Plötzlich quengelt das Kind: Es hat erhöhte Temperatur und kann an diesem Tag die Tagesstätte oder die Schule nicht besuchen. Wem soll das Kind nun anvertraut werden?
«In einem solchen Fall springen wir ein», sagt Marianne Scheidegger. Für diesen Notfall gebe es vom Schweizerischen Roten Kreuz Bern-Oberaargau seit diesem Jahr ein neues Angebot: die Kinderbetreuung zu Hause. Scheidegger (42) ist Mutter zweier Söhne, und sie leitet das neue Angebot im Oberaargau. «Der Dienst kann aber auch zur Entlastung der Eltern angefordert werden», erklärt sie. Beispielsweise wenn die Mutter eine Verschnaufpause brauche, einmal in Ruhe einkaufen wolle oder krank sei. «Solche Fälle sind viel häufiger, das zeigen Einsätze in anderen Regionen.»
Mitdenken und Mittragen
Im Oberland, Mittelland, Seeland und Jura wird diese Art der Kinderbetreuung bereits angeboten. «Der Oberaargau ist bislang in Notfällen von der Region Mittelland abgedeckt worden», sagt Pflegefachfrau Scheidegger, die auch in einem Alters- und Pflegeheim arbeitet.
Die Arbeit für den neuen Dienst ist begehrt. Aus über zwanzig ernsthaften Bewerbungen sind vier Frauen im Alter zwischen 40 und 50 ausgewählt worden. Die Betreuerinnen müssen aber auch einen fünftägigen Fachkurs absolvieren.
Eine der vier Frauen hatte bereits ihren ersten Einsatz. Er dauerte fünf halbe Tage. Um die betreute Familie zu schützen, will die 58-Jährige nicht namentlich erwähnt werden. Der achtmonatige Bub, der in ihrer Obhut gewesen sei, habe eine leichte Grippe gehabt. «Ich habe ihm Wickel gemacht und Fieber gemessen», erzählt die ausgebildete Arztgehilfin von ihrem Dienst. Der Bub ist normalerweise in der Tagesstätte, weil die Eltern beide berufstätig sind. «Es ist eine kleine, unkomplizierte Familie, die dieses neue Angebot sehr schätzte.» So unproblematisch wird es sicher nicht jedes Mal sein, ist sich die Frau bewusst.
Die neue Aufgabe hat sie übernommen, weil ihr Familienbetrieb, in dem sie mitarbeitet, demnächst der jüngeren Generation übergeben wird. «So erfülle ich mir einen Wunsch.» Ausserdem entspreche ein soziales Engagement ihrem Naturell, sagt die zweifache Mutter und Grossmutter.
Auch Eltern wird geholfen
Die Betreuerinnen werden im Stundenlohn bezahlt; Familien bezahlen einen nach ihrem Bruttolohn berechneten Tarif. «Wir betreuen Kinder von der Geburt bis zum 15.Altersjahr», erklärt Marianne Scheidegger. «Doch auf keinen Fall wollen wir die Kinderspitex oder die häusliche Kranken- und Hauspflege konkurrieren.» Die Kinder, die sie betreuen würden, hätten höchstens eine leichte und schnell vorübergehende Krankheit. Alles andere würde die Kompetenz des neuen Dienst übersteigen. Haus- und Putzarbeiten würden nicht übernommen, «ausser sie sind im Rahmen des Einsatzes nötig.» Für Marianne Scheidegger ist klar: «Der Bedarf ist da.» Die Familienstrukturen hätten sich in den letzten Jahren stark verändert. «Eine Grossmutter ist beispielsweise heute nur noch selten immer abrufbereit.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 22.02.2012, 10:10 Uhr
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