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Création Baumann nimmt wegen der Frankenstärke Entlassungen vor

Von Dominic Ramel, Dominik Balmer. Aktualisiert am 01.09.2011 2 Kommentare

Der starke Franken setzt immer mehr Oberaargauer Firmen zu: Das Langenthaler Textilunternehmen Création Baumann baut bis Ende 2012 mindestens zwölf Stellen ab, davon vier sofort. Derweil prüft Glas Trösch Massnahmen.

Textilunternehmer Philippe Baumann: «Sollte der Franken länger so stark bleiben, ist eine Textilproduktion 
in der Schweiz nicht mehr möglich.»

Textilunternehmer Philippe Baumann: «Sollte der Franken länger so stark bleiben, ist eine Textilproduktion in der Schweiz nicht mehr möglich.»
Bild: Thomas Peter

Rechtsunsicherheit bei Güdel

Das neue Modell für die fast 400 Angestellten der Langenthaler Hightechfirma Güdel gilt ab heute: Wegen der Eurokrise wird länger gearbeitet. Die Spannweite reicht von einer bis drei Stunden pro Woche, massgebend ist der Eurokurs des Vormonats. Gegenüber der BZ hatte Firmeninhaber Rudolf Güdel betont, die Idee komme von Angestellten, sei freiwillig und laut dem Amt für Berner Wirtschaft (Beco) legal.

Das ist so allerdings nicht ganz korrekt, wie es jetzt beim Beco heisst: Man habe zwar mit der Firma Güdel Kontakt gehabt, bestätigt Anton Bolliger, der Leiter des Fachbereichs Arbeitsmarkt. Die Frage, ob das Modell legal sei, habe man aber «nicht abschliessend beurteilt». Das könne er im Übrigen auch jetzt nicht. Gemäss Bolliger ist entscheidend: Darf eine Firma die Währungssituation als Begründung für Veränderungen bei den Angestellten angeben? In einem ähnlichen Fall wird dies nun das Regionalgericht entscheiden müssen: Im Februar dieses Jahres hatte die Verpackungsfirma Mopac aus Wasen angekündigt, dass sie die Löhne der Angestellten wegen der Währungskrise an den Eurokurs binde. Die Gewerkschaft Unia intervenierte und gelangte an die Schlichtungsbehörde. Weil die Verhandlung scheiterte, kommt der Fall jetzt vor den Richter. Die Parallelen zum Modell Güdel sind offensichtlich: Die Eurobindung ist ähnlich, und die Mehrarbeit ist de facto nichts anderes als eine Lohnkürzung.

Ob die Unia nun auch bei Güdel interveniert, steht indes nicht fest. «Wir haben noch nicht entschieden», sagt Nadaw Penner, bei der Unia-Sektion Emmental-Oberaargau zuständig für die Industrie. Und er betont, die Fälle Mopac und Güdel seien nicht direkt vergleichbar. Trotzdem steht für die Unia fest: Mit ihrem neuen Modell verletzte die Firma Güdel die Verfahrensvorschriften einer Massenentlassung. Penner verweist auf ein Gutachten, das die Universität St.Gallen im Auftrag der Unia erstellt hat. Fazit der Expertise von Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht: Die Löhne an den Euro anzubinden, sei illegal.

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Das Langenthaler Textilunternehmen Création Baumann leidet wegen des starken Frankens. So sehr, dass das Unternehmen zu Massnahmen gezwungen ist: «Wir werden bis Ende 2012 mindestens zwölf Stellen abbauen», sagt Firmenchef Philippe Baumann. Mehrheitlich soll der Stellenabbau durch natürliche Abgänge erfolgen. Doch es gibt auch Entlassungen: «Vier Kündigungen mussten wir leider sofort vornehmen», sagt Baumann. Dies sei den betroffenen Mitarbeitenden vor ein paar Tagen mitgeteilt worden.

Création Baumann beschäftigt weltweit 254 Angestellte, davon arbeiten 197 in Langenthal. Über 70 Prozent der Produkte werden exportiert, vorwiegend in den Euro- und den Dollarraum. Es überrascht daher nicht, dass Baumann sagt: «Der starke Franken trifft uns sehr.» Das Unternehmen könne kurzfristig auf so schnell und stark ändernde Wechselkurse weder mit Kosteneffizienz noch mit Preisanpassungen reagieren. Im letzten Jahr betrug der Währungsverlust «mehrere Prozentpunkte».

Inzwischen hat sich die Währungskrise massiv verschärft. «Nie hätten wir gedacht, dass der Euro und der Dollar derartige Tiefststände erreichen, wie wir sie vor ein paar Wochen gesehen haben», erklärt Baumann. Die Auswirkungen könne er noch nicht genau beziffern. Dies hänge auch von der weiteren Entwicklung des Frankens ab.

Standort Langenthal in Gefahr

Création Baumann reagiert auf die Krise mit mehreren Massnahmen. Einerseits versuche man, möglichst viele Einkäufe und Investitionen in Fremdwährungen zu tätigen, sagt Baumann. Andererseits wird überall gespart. Zudem verstärkt die Firma die Verkaufsanstrengungen. Und sie erhöht auf Anfang 2012 die Preise. Die Massnahmen zur Kostenreduktion reichten aber leider nicht aus, und den Erfolg der Verkaufsoffensiven könne man noch nicht einschätzen, daher sei der Stellenabbau nötig, erklärt Baumann. Die Krise könnte gar noch drastischere Folgen haben: Angesprochen auf eine Verlagerung der Produktion ins Ausland, sagt Baumann: «Auf längere Sicht müssen wir uns diese Option überlegen.» Sollte der Franken länger so stark bleiben, sei eine Textilproduktion in der Schweiz «nicht mehr möglich». «Auch wenn wir erfolgreich spezielle Produkte für Nischenmärkte entwickeln und neue innovative Textilien wie das Hafttextil Gecko als weltweit einziger Hersteller auf den Markt bringen.» Er hoffe aber, fügt Baumann an, «unseren Standort in Langenthal halten zu können». Kein Thema seien längere Arbeitszeiten oder Lohnkürzungen.

Glas Trösch prüft Massnahmen

Auch der Bützberger Glasfabrikant Glas Trösch spürt den harten Franken. «Wir leiden unter der Krise», sagt Firmensprecher Jürg Hostettler. Die Firma mit ihren 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Schweiz hat ebenfalls eine hohe Exportquote. Das bekommt das Unternehmen jetzt zu spüren. Denn wegen des starken Frankens sind die Produkte von Glas Trösch in den vergangenen Monaten im Ausland massiv teurer geworden. Dennoch sagt Hostettler: «Im Moment unternehmen wir nichts.» Es würden derzeit bloss verschiedene Möglichkeiten geprüft. Mehr könne er zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.09.2011, 06:43 Uhr

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2 Kommentare

freddy huber

01.09.2011, 08:25 Uhr
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Was ich schon lange denke, das BECO braucht es überhaupt nicht ? Für was sind die gut, was machen die eigentlich ? Ein total überflüssiges Amt, der Kt. BE jedenfalls braucht kein BECO, wozu auch, für die 3 Industriebetriebe die wir noch haben ? Die Bauern + Tourismus schauen selber, die KMU's sowieso und sonst hats noch Beamte, die brauchen kein BECO. Antworten


Ralph Schehle

01.09.2011, 12:31 Uhr
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Textilunternehmen in der Schweiz? Schon lange vorbei, wobei es die meisten gemerkt haben und selbst aufgegeben haben. Gegen die "Billiganbieter" aus dem fernen Osten (NB. Maschinen aus der Schweiz!) ist kein Kraut gewachsen. An alle die, welche immer noch tätig sind, sei es gesagt; hört auf, ändert das Geschäftsmodell und versucht, durch Importe von T-Produkten zu überleben. Ansonsten: NO CHANCE! Antworten



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