Chinesen im Reich des Solarpioniers
Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 21.12.2011
Da, wo sie herkommen, boomt die Fotovoltaik. 22 hochrangige Vertreter aus der Jiangxi-Provinz im Südosten Chinas sind zur Jenni Energietechnik AG nach Oberburg gereist, um sich ein Bild von einer Solarfirma in der Schweiz zu machen. Es sind Leute aus der Provinzverwaltung und aus der obersten Führungsriege diverser Städte, und sie stellen nicht ohne Stolz fest: Sogar in Europa sind die Panels aus ihrer Heimat gefragt, in deren Zellen die Sonnenstrahlung in Elektrizität verwandelt wird.
«Sie werden bei uns in grossen Fabriken produziert», erklärt ihr Sprecher.
Aber die Technologie, die sie bei Jenni zu Gesicht bekommen? Seit Jahr und Tag produziert der Solarpionier aus Oberburg Anlagen mit riesigen Tanks, in denen die Solarwärme gespeichert und im Winter zum Heizen abgerufen wird – nein, fährt der Sprecher fort, so etwas hätten er und seine Kollegen in diesen Dimensionen noch nie gesehen. Zu Hause komme die Solarwärme in der Art einzig bei kleinen Anlagen fürs Warmwasser zum Einsatz.
Genau darum habe die Delegation ja den Weg nach Oberburg unter die Räder genommen: «Wir wollen etwas Neues kennen lernen und diese Ideen nach China tragen.» Er redet von einem technologischen Austausch, der auf die Art hoffentlich in Gang kommen werde.
Jahrelange Tradition
Die 22 Chinesinnen und Chinesen weilen schon die dritte Woche im Land. Sie sind gekommen, um sich mit dem politischen System, der Sozialpolitik und eben auch den Energie- und Umweltthemen in der Schweiz vertraut zu machen. Organisiert hat diese Kaderweiterbildung die Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie pflegt den Austausch mit China seit 15 Jahren, wie der Dozent und Begleiter Jürg Schneider erklärt: «Wir stehen mit vier Provinzen in regelmässigem Kontakt.» Das Interesse sei beidseits gross, «daraus ergeben sich Reisen wie diese fast automatisch».
Die Jiangxi-Provinz beschreibt Schneider als nach wie vor agrarisch geprägt, aber industriell aufstrebend. Mit 44 Millionen Einwohnern gehöre sie zu den mittelgrossen im Riesenreich – und wieder zur Reisegruppe: Für die 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sei der Blick in die Jenni Energietechnik AG auch deshalb interessant, weil sie hier einen typisch mittelständischen Betrieb kennen lernten. Für Leute aus einem Land, in dem stets alles sehr grosse Dimensionen annehme, sei eine solche Erfahrung besonders wertvoll. «Eben hat mir einer gesagt, dass er aus einer eher kleinen Stadt mit 1,9 Millionen Einwohnern stamme.»
Die Leute bei Jenni wiederum schätzen solche Besuche, «weil sie mit dazu beitragen, dass sich unsere Ideen ausbreiten», wie es Geschäftsleitungsassistent Patrick Widmer formuliert. Nicht geschäftliche, sondern ideelle Gründe stünden hinter diesem Engagement, betont er, «wir wollen ja nicht nach China expandieren». Umgekehrt glaubt er auch nicht, dass die Gäste getreu dem ihnen anhaftenden Klischee nun eins zu eins kopieren werden, was sie gesehen haben. Dazu seien die Anlagen doch zu ausgefeilt.
Grosse Unterschiede
Das wäre auch aus anderen Gründen nicht einfach so möglich, wie der Sprecher der Gruppe gleich selber feststellt. Zu verschieden sind das Klima mit seinen heissen Sommern und milden Wintern und vor allem die Architektur: «Bei uns baut man Häuser mit über zwanzig Stockwerken.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 21.12.2011, 10:19 Uhr
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