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Cargodrome war ein Schnäppchen

Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 17.08.2011

Von Bund und Bank wurde das Cargodrome einst mit Millionen ausgestattet – an der gestrigen Versteigerung ging es für läppische 50000 Franken weg.

Vergangenheit: Das  Cargodrome hat als Umladeterminal ausgedient.

Vergangenheit: Das Cargodrome hat als Umladeterminal ausgedient.
Bild: zvg/amb

Versteigerung: Liquidator Pablo Duc musste das Cargodrome gestern nicht weniger als 14 Mal ausrufen. Geboten hat trotzdem nur einer. Links Kauffrau Denise Kreutz. (Bild: Beat Mathys)

Der Versteigerungsakt dauerte eine knappe Viertelstunde, und dass es überhaupt so lange ging, lag nicht daran, dass sich die Bieter gegenseitig zu übertrumpfen versucht hätten, sondern einzig und allein am komplizierten Verfahren. Ganze 14 Mal musste Liquidator Pablo Duc die Liegenschaft ausrufen, mal mit dieser, mal mit jener Last und ganz am Schluss ohne irgendwelche Einschränkungen – erst jetzt meldete sich ein Interessent, und nur Minuten später bekam er für dieses erste und einzige Gebot gleich den Zuschlag.

Das Cargodrome in Wiler, einst hochgelobtes Güterterminal mit einem Wert von noch immer 5,8 Millionen Franken, war für läppische 50'000 Franken an die Moser Maschinen und Immobilien AG aus Gerlafingen gegangen.

Dass die Moser Maschinen und Immobilien AG neue Eigentümerin werden könnte, hatte sich abgezeichnet. Immerhin gehört ihr schon länger auch der Grund und Boden, auf dem das Cargodrome im Baurecht steht. Für Stirnrunzeln sorgte vielmehr, dass sie für ein besseres Butterbrot zum Handkuss kam. Zumal sie zuvor für einen freihändigen Kauf 500'000 Franken geboten hatte und damit abgeblitzt war.

Ob seine Firma 50'000 oder 500'000 Franken auslege, spiele keine grosse Rolle, hielt Firmenchef Hans Moser nach geschlagener Schlacht fest. Weil sie mit einem Ausstand von über 800'000 Franken ohnehin Gläubigerin im ersten Rang sei und nun einfach Guthaben und Forderungen anders miteinander verrechnen könne – unter dem Strich verliere sie ja so oder so Geld.

Weit erstaunlicher war, dass die andere, weit grössere Gläubigerin den Preis nicht wenigstens noch in die Höhe zu treiben versuchte. Mit alles in allem 6,6 Millionen Franken folgte auf Rang zwei die DVB-Bank aus Frankfurt am Main. Das auf Verkehrsfinanzierungen spezialisierte Institut hatte das Cargodrome einst nach Kräften mitfinanziert – und war nun ganz offensichtlich bereit, sich das ganze Geld ans Bein zu streichen. Den Verantwortlichen in Deutschland schien der Glaube an die Zukunft des Terminals in Wiler völlig abhandengekommen zu sein.

Genau wie den hiesigen Logistikern auch, von denen ja ebenfalls kein einziger mitbot – und plötzlich stand der Bund in einem eigenartigen Licht da. Er hatte das noch von der alten RM-Bahn gebaute Cargodrome mit gegen 15 Millionen Steuerfranken sogar noch massiver unterstützt und gehofft, so der Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene Vorschub leisten zu können. Allein, es kam ganz anders. Die RM-Bahn ging in der BLS auf, der Terminal wurde nach Australien verkauft – und kam unter den neuen Besitzern derart in finanzielle Schieflage, dass sich am Schluss der Konkurs nur über den Weg der sogenannten Nachlassliquidation vermeiden liess.

Auch die neue Besitzerin will vom alten Geschäft nichts wissen. Die Moser Maschinen und Immobilien AG werde versuchen, gemeinsam mit Partnern einen Autorecyclingbetrieb auf die Beine zu stellen, bekräftigte Firmenchef Moser gestern, was er bereits vor Monaten skizziert hatte. Sollte dieser Plan scheitern, könne er sich auf dem Areal auch einen reinen Lagerbetrieb vorstellen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.08.2011, 08:28 Uhr

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