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Blick auf ein dahinserbelndes Bijou

Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 02.12.2011 4 Kommentare

Interessierte konnten sich mit eigenen Augen ein Bild vom traurigen Zustand der Casino-Liegenschaft in Burgdorf machen. Das Haus mit Theater und Restaurant hat dringenden Sanierungsbedarf.

Eine der Besuchergruppen lässt sich auf der Casino-Bühne von Programmdirektor Ueli Eggimann über die veraltete Infrastruktur ins Bild setzen.

Eine der Besuchergruppen lässt sich auf der Casino-Bühne von Programmdirektor Ueli Eggimann über die veraltete Infrastruktur ins Bild setzen.
Bild: Andreas Marbot

Noch beengender: Die Holztreppen, die als Fluchtweg dienen. (Bild: Andreas Marbot)

Wer das Burgdorfer Casino-Theater besucht, staunt ob der Schmuckwirkung des kleinen, aber feinen, in den 1930er-Jahren im Bauhaus-Stil umgebauten Kulturlokals. Dieses verfügt nicht nur über ein Zuschauerparkett, sondern, wie ein grosses Stadttheater, sogar über zwei Balkone. Der Theatersaal ist allerdings bloss die hübsche Vorzeigeseite; hinter den Kulissen sieht es – Pardon – himmeltraurig aus. Aus diesem Grund rufen die Verantwortlichen seit Jahren nach einem Umbau.

Nun ist wieder Schwung in diese Pläne gekommen, die aus finanziellen Gründen eine Zeit lang auf Eis gelegt worden waren. Vorgestern Abend luden die Verantwortlichen zu einer öffentlichen Lokalitätsbesichtigung ein. Dabei bot sich allen Interessierten die Gelegenheit, einmal hinter die Fassade des Kulturhauses am Kirchbühl zu blicken.

Etwas ausser Atem

In der Tat bekamen die zahlreich aufmarschierten Gäste an mehreren Posten einiges zu sehen, das nachdenklich stimmte. Eindrücklich war schon zu Beginn der Aufstieg in den zweiten Stock auf einer schmalen Holzstiege in einem ebenfalls schmalen und baufällig wirkenden Treppenhaus. Zuoberst angelangt, wurde die etwas ausser Atem geratene Schar von Gemeinderat und Casino-Verwaltungsrat Peter Urech mit den Worten empfangen: «Der Weg, den Sie soeben genommen haben, wäre im Brandfall der Notausgang.» Allen war klar: Das käme, bei Flammen und Rauch und einer panisch vorwärtsdrängenden Menge, auf keinen Fall gut. «Von der Gebäudeversicherung wird es nur toleriert, weil wir die Sanierung des Hauses in Aussicht gestellt haben», führte Urech aus.

Bleibenden Eindruck hinterliess auch die Besichtigung der schmalen Treppe, die vom Casinorain zum Gebäude führt. Dieses Nadelöhr zu passieren hat alles, was ins Theater muss – vom Konzertflügel über sperrige Kulissenelemente bis hin zu voluminösen Requisitencontainer. Dass dies überhaupt möglich sein soll, ist kaum vorstellbar, und doch wird es seit Jahren mit einiger Mühe so praktiziert.

Im Weiteren überzeugten sich die zunehmend mitfühlend gestimmten Gäste von den schlechten Bedingungen im Foyer, im Technikbereich und in der Küche. Ungünstig wirkt sich unter anderem aus, dass sich die Küche im Keller befindet; um zum Beispiel für einen Gast rasch ein Sandwich zuzubereiten, muss die Bedienung auf einem Umweg in die Tiefen des Gebäudes abtauchen. Das kostet Zeit und nicht zuletzt auch Geld, weil es unter solchen Umständen umso mehr Servicepersonal braucht. Im Foyer herrscht dafür akute Platznot; Verwaltungsrat Christian Buchmann sprach von einem Gedränge vor den Aufführungen, von Reibungsflächen mit dem Restaurant und Schlangen vor den wenigen und strategisch schlecht gelegenen Toiletten.

Stadt soll kräftig mitzahlen

Nach dem Augenschein gaben die Casino-Verantwortlichen im voll besetzten Theatersaal Einblick in ihre Sanierungspläne. Der Eingang soll dreiteilig werden, das Foyer grösser, der Bühnenraum vielseitig nutzbar. Auch die Anlieferung will man besser lösen, zudem die Haustechnik erneuern, das ganze Gebäude rollstuhlgängig erschliessen und die Fassade sanieren (wir berichteten mehrmals). Die Kosten sind mit 10 Millionen Franken veranschlagt. Das Finanzierungsmodell sieht vor, dass sich die Stadt als Hauptaktionärin mit rund 5,5 Millionen Franken beteiligt, was über eine Erhöhung des Aktienkapitals und ein Darlehen geschehen soll. Die Stadt ihrerseits will das Geld über die Localnet AG beschaffen. Im kommenden Frühjahr kommt das Sanierungsvorhaben vor die politischen Instanzen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.12.2011, 08:07 Uhr

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4 Kommentare

Walter Albiez

02.12.2011, 10:15 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Die Stadt Burgdorf muss sich halt wiederum beim Lotteriefonds melden, vielleicht bekommen Sie von diesen ja auch wieder Millionen von Franken, wie für die anderen Projekten, Kornhausumbau zu einer Brauerei und die Velostation. Leute, spielt viel Lotto, Burgdorf brauch von dem Fonds noch mehrer Milionen Antworten


Thomas Wirth

03.12.2011, 14:00 Uhr
Melden

Ich hoffe dass sich die Burgdorfer Stimmbuerger bei der naechsten Gelegenheit besinnen und dem Casino Theater und Gebaeude die notwendige finanzielle Unterstuetzung zusprechen. Kleintheater Kultur ist das Fundament fuer das Kulturverstaendnis v.a. der jungen Generation. Anmerkung: Agierte als 'Licht- und Tonmeister' im Casino vor 30 Jahren mit unvergesslichen Erinnerungen an den Theaterbetrieb! Antworten



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