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Berner Behörden schliessen Heim – wurden Behinderte misshandelt?

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 05.01.2011 3 Kommentare

Die kantonale Gesundheitsdirektion hat vor ein paar Tagen das Behindertenheim «Haus Tobias» in Niderbipp geschlossen. Über die Gründe schweigen sich die Behörden aus. Womöglich sind die schwer behinderten Bewohner eingesperrt und geschlagen worden.

Was ist hier passiert? Das Haus Tobias in Niederbipp.

Was ist hier passiert? Das Haus Tobias in Niederbipp.
Bild: Thomas Peter

Plötzlich ging es sehr schnell: Seit Jahren werden im Haus Tobias in Niederbipp schwer behinderte Menschen betreut. Das Heim an der Hintergasse wird nach anthroposophischen Grundsätzen geführt. Verantwortlich für den Betrieb ist ein Sozialtherapeut. Auch sein Sohn arbeitet mit. Doch jetzt hat die kantonale Gesundheitsdirektion (GEF) das Heim Knall auf Fall geschlossen.

Seit Ende des letzten Jahres, seit wenigen Tagen also, leben im Haus Tobias keine behinderten Menschen mehr. Laut einem Communiqué des zuständigen Alters- und Behindertenamts (Alba) sind die Behörden über eine «aufsichtsrechtliche Anzeige» auf die Missstände aufmerksam gemacht worden. Was genau passiert ist, bleibt indessen im Dunkeln. «Zum Schutz der betroffenen Personen erfolgen keine weiteren Informationen», heisst es in dem Schreiben.

Recherchen dieser Zeitung zeigen aber, dass die Bewohner des Heims, vor der Schliessung waren es sechs Männer und Frauen mit schweren Behinderungen, offenbar misshandelt worden sind. Laut unbestätigten Informationen soll ihnen zum Teil das Essen verweigert worden sein. Und sie sollen eingesperrt und geschlagen worden sein.

«Ein eindeutiger Fall»

Claus Detreköy, als Leiter der kantonalen Abteilung Erwachsene Behinderte für den Fall in Niederbipp zuständig, wollte dazu gestern keine Stellung nehmen. Er sagte einzig, dass im Haus Tobias das «Wohl der Bewohner» gefährdet gewesen sei. Dass das Heim habe geschlossen werden müssen, darüber habe die Behörde nach der Besichtigung keine Zweifel gehabt: «Es war ein eindeutiger Fall.»

Der Leiter des Heims wollte am Dienstag keine Auskunft geben. Gemäss einer Abmachung sei dafür die Gesundheitsdirektion zuständig, sagte er bloss. Unklar ist nun, ob die Schliessung des Hauses Tobias Konsequenzen für den Heimleiter hat. Detreköy von der Abteilung Erwachsene Behinderte liess dies gestern offen. Ebenso unbeantwortet liess er die Frage, wer die Gesundheitsdirektion auf den Fall aufmerksam gemacht hatte.

Fakt ist hingegen, dass die Behörden erst aufgrund der Recherchen der Berner Zeitung am Dienstagnachmittag eilig eine Mitteilung verschickt haben. Die Information der Öffentlichkeit sei ursprünglich erst für Mittwoch geplant gewesen, bestätigte Detreköy.

Und so wusste am Dienstag nicht einmal Niederbipps Gemeindepräsident Manfred Cordari Näheres über die Vorkommnisse in seinem Dorf. Er habe nur gehört, dass auch die Polizei involviert gewesen sei, sagte er. Und mit dem Heimleiter habe er bisher nur «in baulichen Angelegenheiten» zu tun gehabt.

Nachbarn waren skeptisch

In der Nachbarschaft des Heims herrscht aber offenbar schon seit längerer Zeit eine gewisse Skepsis. Einige Nachbarn hätten sich gewundert, wie im Haus Tobias mit den behinderten Menschen umgegangen werde, erzählt ein Anwohner. Ein «ungutes Gefühl» habe geherrscht. Hinzu komme, dass die Angestellten des Heims jeweils nie sehr lange Zeit dort gearbeitet hätten.

Wie es mit dem Heim und dessen Leiter weitergeht, ist unklar. Die Behörden wollen allenfalls «zum gegebenen Zeitpunkt» erneut informieren.

Immerhin eine gute Nachricht: Die Behörden haben inzwischen für alle sechs Heimbewohner einen Platz in einem anderen Heim gefunden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.01.2011, 07:38 Uhr

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3 Kommentare

christoph scheidegger

05.01.2011, 17:11 Uhr
Melden

wenn "gesunde" figuren (bei ihrer bezahlten arbeit = für geld) behinderte menschen (herzlos...?) misshandeln, so wiegt das schwer und das ist dann von öffentlichem interesse, auch wenn sowas sprachlos macht und auch, wenn man an sowas ja gar nicht "denken dürfen" sollte, weil sowas ungeheuerlich ist, ja, weil nämlich sogar schon eine solche vermutung ungeheuerlich sein könnte..? lückenlos klären! Antworten


Reynaldo Oliva

05.01.2011, 23:32 Uhr
Melden

ein sehr nachdenklich stimmender bericht!!! ich hoffe nur, dass die behörden mit aller härte durchgreifen und die wahrheit ans tageslicht befördern. nur so können weitere solche fälle vermieden werden. hoffentlich handeln die behörden und auch die bewohner der schweiz nicht gemäss eines liedes von herbert grönemeyer, der da singt: "...wir schauen kurz auf und grasen dann gemütlich weiter...". Antworten



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