Behörden fallen der BLS in den Rücken
Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 08.02.2012
Werkhof
Notmassnahmen
Der neue Werkhof bleibt für die Huttwiler Behörden ein Sorgenkind. 2010 hatten die Stimmbürger an der Urne das Projekt einer Mehrzweckhalle mit einer Werkhoferweiterung abgelehnt. In der Folge liess der Gemeinderat neue Varianten ausarbeiten. Schliesslich kristallisierte sich ein Projekt am heutigen Standort des Werkhofs heraus. Doch die Detailplanungen sind derzeit blockiert. Grund: Gegen den vom Gemeinderat beantragten Planungskredit ist das Referendum ergriffen worden. Das letzte Wort hat nun die Gemeindeversammlung im Juni.
Nun ist die Gemeinde aber wieder unter Zugzwang. Weil Maschinen und Geräte draussen gelagert werden müssen, ergreifen die Behörden «Notmassnahmen». Eventuell miete man Einstellfläche oder baue eine Bogenhalle, sagte Gemeindeschreiber Martin Jampen gestern vor den Medien. Die Baukommission prüft derzeit die «Notmassnahmen». Kosten für 2012 und 2013: rund 100000 Franken.
In Huttwil gibt es bald einige gewaltige Baustellen: Für Coop ist ein neues Einkaufszentrum geplant. Zudem sollen gleich daneben ein neuer Kreisel und ein neuer Bahnhof gebaut werden. Der grösste Brocken ist der Bahnhof. Dafür will die BLS nicht weniger als 40 Millionen Franken ausgeben. Den Zuschlag erhalten hatte das Projekt «Emma» des Bieler Architekturbüros «:mlzd».
Gestern informierte der Huttwiler Gemeinderat die Medien über seine Klausursitzung. Gemeindepräsident Hansjörg Muralt (SVP) war des Lobes voll über die drei Grossprojekte. Gut sei es, dass «Huttu» ein «modisches Gesicht bekomme». Das Städtli mache «einen gewaltigen Schritt vorwärts». Den neuen Bahnhof bezeichnete Muralt gar als «Jahrhundertprojekt».
Ein Jahrhundertprojekt allerdings, mit dem der Gemeinderat gar nicht restlos zufrieden ist – wie er gestern unmissverständlich zu verstehen gab. Das überhöhte Dach des geplanten Bahnhofgebäudes sei «sehr speziell», heisst es im Klausurbericht. Weil die BLS beim Bahnhof aber nur eisenbahnrechtliche Auflagen erfüllen müsse, habe die Gemeinde «nichts zu husten», erklärte Gemeindeschreiber Martin Jampen. Dennoch haben die Huttwiler versucht, das Projekt im Nachhinein zu beeinflussen. Die Dachform sei zu überprüfen, verlangten sie in einer Eingabe an das Bahnunternehmen.
Das Dach ist «adäquat»
Davon will die BLS allerdings gar nichts wissen. «Wir halten uns an den Entscheid der Jury vom vergangenen Oktober», sagt BLS-Mediensprecher Michael Blum. Die Jury habe sich aus vier Projekten einstimmig für «Emma» ausgesprochen. Pikant: In der Jury sitzen nicht nur Exponenten der BLS sowie externe Architekten, sondern mit Muralt und Jampen auch zwei Huttwiler Vertreter. Blum kann «nicht ganz verstehen», warum Huttwils Behörden nach diesem einstimmigen Entscheid jetzt plötzlich die Dachform kritisieren.
Der BLS-Sprecher hält fest, dass es sicher «keine grundlegenden Änderungen» am Projekt mehr gibt. Allenfalls schaue man die Gebäudehöhe oder gewisse Baumaterialien nochmals an.
Auch die Architekten vom zuständigen Bieler Büro «:mlzd» reagieren überrascht auf die Kritik der Huttwiler Behörden. In seinen Augen sei die Dachform des neuen Gebäudes «adäquat», sagt Claude Marbach, Mitglied der «:mlzd»-Geschäftsleitung. Zumal viele solcher Dächer in Huttwil zu finden seien. Marbach räumt aber ein, dass die Proportionen des Gebäudes «vielleicht nicht unbedingt gängig» seien. «Aber wir wollten auch keinen Bahnhof bauen, wie er schon vor hundert Jahren existierte.» Auch Marbach betont: An der grundsätzlichen Form des Bahnhofdachs werde nicht mehr gerüttelt. Der Architekt sieht allerdings auch keinen Grund für Zweifel. Schliesslich biete das Projekt «Emma» einen echten Mehrwert für Huttwil.
Das Rennen gemacht hat das Bieler Projekt übrigens, weil es einen Bahnhofplatz vorsieht. In diesem Punkt sind sich die Huttwiler Behörden und die Architekten wieder einig.
Dieser Zug ist abgefahren
Doch die neuen Ideen zum Dach des Bahnhofgebäudes kommen zu spät. Laut BLS-Sprecher Blum soll das Projekt in den nächsten zwei bis drei Monaten beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingegeben werden. Im besten Fall ist der neue Bahnhof 2016 betriebsbereit. Immerhin: Vor der Eingabe an das BAV bekommen die Huttwiler das Projekt nochmals zu Gesicht. Grosse Änderungswünsche können sie aber keine mehr anbringen. Dieser Zug ist abgefahren. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.02.2012, 07:19 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Bitte warten


