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Babys bringen dem Spital wenig Geld

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 31.12.2011 3 Kommentare

Die Geburtenzahlen im Spital Langenthal steigen und steigen: Im zu Ende gehenden Jahr kamen 563 Kinder zur Welt. Ein solch hoher Wert wurde lange nicht mehr erreicht. Trotzdem bleiben die Babys ein Verlustgeschäft.

Mutter Renate Gasche zeigt stolz ihre Tochter Jana Mattea. Das Mädchen ist eines von 563 Babys, die 2011 im Spital Langenthal zur Welt gekommen sind.

Mutter Renate Gasche zeigt stolz ihre Tochter Jana Mattea. Das Mädchen ist eines von 563 Babys, die 2011 im Spital Langenthal zur Welt gekommen sind.
Bild: Thomas Peter

Langenthaler Geburtenstatistik

Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Geburten in der Schweiz wieder zu. Das spürt auch das Spital Langenthal: Während für das Jahr 2008 die Statistik noch 485 Geburten verzeichnete, waren es in den folgenden Jahren schon 512 (2009) respektive 540 (2010). 2011 ist der Wert erneut gestiegen: Das Spital vermeldete heuer eine Rate von 559 Geburten. Dieser Wert entspricht (bei insgesamt 4 Zwillingen) 563 Babys (vgl. Haupttext).

Die Langenthaler Geburtenstatistik wird seit 1908 geführt. Die 100er-Grenze knackte das Spital erstmals Anfang der 30er-Jahre. Mitte der 40er-Jahre lag die Rate schon bei rund 400 Geburten. Den bisherigen Höchststand (mit über 600 Geburten) vermeldete das Spital Ende der 60er-Jahre.

Weitere Informationen: www.sro.ch/Frauenklinik.aspx

Sie heissen Jana Mattea, Agit und Gian – die Babys, die in den letzten Tagen im Spital Langenthal zur Welt gekommen sind. Die Eltern freuen sich, die Kleinen sind herzig und gut für das Image eines Spitals. Aber die Babys sind nicht unbedingt gut für das Geschäft. In diesem Jahr wurden im Spital Langenthal 563 Kinder geboren. Das sind zwar gemäss Statistik mehr als noch vor ein paar Jahren (siehe Kasten).

Aber das reicht dennoch nicht: Ungefähr 800 Geburten respektive Babys pro Jahr bräuchte die Spital Region Oberaargau (SRO) AG für ein «rentables Geschäft», wie sich Hanspeter Vogt, Chefarzt der Frauenklinik, ausdrückt. Zurzeit müsse die Geburtenabteilung im Spital denn auch quersubventioniert werden.

Viel Aufwand für Geburten

Ab 2012 gilt die neue Spitalfinanzierung. Damit wird die Situation auf der Geburtenabteilung nicht einfacher. Denn schweizweit gelten dann die sogenannten Fallpauschalen. Das bedeutet, dass die Spitäler pro Geburt einen fixen Betrag erhalten. Die Rechnung ist schnell gemacht: Kann ein Spital nur vergleichsweise wenig Geburten durchführen, den Betrieb also nicht komplett auslasten, schwindet der Verdienst. Denn die hohen Kosten fallen auch an, wenn keine Geburten anstehen.

Hoch sind die Kosten der Abteilung, weil Geburten mit viel Aufwand verbunden sind. So braucht es Personal in ständiger Bereitschaft. Im Notfall muss ein Arzt zum Beispiel innert 10 Minuten im Spital sein können. Hinzu kommt, dass eine Geburt praktisch nicht zu planen ist. «Wir wissen nie, wohin die Reise geht und wie lange sie dauert», sagt Vogt. Sein Fazit: Die Fallpauschalen «bilden die Geburten nur schlecht ab».

Sorgen macht sich der Chefarzt trotzdem nicht. Klar: «Der Konkurrenzkampf unter den Spitälern nimmt jetzt zu», sagt er, «aber wir sind bereit.» Seine Abteilung habe sich während des laufenden Jahres bereits an die neue Situation mit den Fallpauschalen angepasst. So sei beispielsweise der durchschnittliche Aufenthalt im Wochenbett reduziert worden.

Zudem plant die SRO, in der Geburtenabteilung ein Familienzimmer einzurichten. Darüber hinaus soll der Frühstücks- und Aufenthaltsraum demnächst modernisiert werden. Diese Neuerungen sind laut Vogt unter anderem geplant, weil das Spital auch für die Zukunft mit steigenden Geburtenzahlen rechnet. «Ich bin zuversichtlich, dass wir die nötigen 800 Geburten dereinst erreichen», sagt der Chefarzt. Zumal es allein schon reichen würde, wenn sämtliche Oberaargauerinnen ihre Kinder im Spital Langenthal zur Welt brächten. Im harten Wettbewerb entscheide letztlich der Ruf einer Geburtenabteilung, sagt Vogt.

Der neue Schlussstand

Sollten nun die Geburtenzahlen wider Erwarten sinken, wäre das für Chefarzt Vogt keine Katastrophe. Auch ein allfälliger Zusammenschluss mit einer Geburtenabteilung eines anderen Spitals oder eine Kooperation ist für ihn kein Tabu. «Vielleicht sind wir sogar einmal zu einem solchen Schritt gezwungen.» Das Spitalwesen verändere sich rasch. Niemand könne sagen, was in fünf oder zehn Jahren sein werde.

Nach sinkenden Geburtenzahlen sieht es derzeit aber nicht aus. Und so sind vielleicht selbst die 563 Langenthaler Babys nur ein vorläufiger Schlussstand. Chefarzt Vogt zumindest hofft auf mehr. «Das Jahr ist noch nicht zu Ende», sagt er. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.12.2011, 10:32 Uhr

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3 Kommentare

Ulrich Scheidegger

02.01.2012, 18:52 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Das Gesundheitswesen ist ganz tief gesunken - Geburten sind ein Verlustgeschäft! Uns fehlt nur noch der definitiv endgültige Supergau auf diesem Globus - soweit sind wir doch - oder ? Antworten


regina basler

31.12.2011, 10:45 Uhr
Melden

Babys sind nicht unbedingt GUT für das "GESCHAEFTt". Schockierend, eine solche Aussage. Liebe Spitäler, im Verlauf des Lebens dieser kleinen Erdenbürger werden Sie wohl noch genug Gelegenheit haben, um an und mit ihnen ein "Geschäft" zu machen. Auch deren Eltern dürften bereits ein "Geschäft" Sein, wenn sie ärztliche Hilfe brauchen. Beschämend !! Antworten



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