Asylzentrum - Die Angst weicht dem Interesse
Von Johannes Hofstetter. Aktualisiert am 20.02.2009
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Die beiden kennen die Fragen inzwischen, bevor sie gestellt werden. Wo immer der Berner Justiz- und Polizeidirektor Hans-Jürg Käser und Jakob Amstutz, der Geschäftsführer der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe auftreten, um die Bevölkerung über die quasi über Nacht eröffneten Durchgangszentren für Asylbewerber in ihrer Gemeinde zu informieren, hören sie von den selben Verunsicherungen und Ängsten.
Auch in Krauchthal, wo am 11. März 80 Menschen aus Eritrea, Somalia und aus dem Irak für voraussichtlich fünf bis acht Monate in der Zivilschutzanlage untergebracht werden, machen sich die 2300 Einheimischen Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder und die Sauberkeit ihres Ortes. Das zeigte sich an einem Informationsabend, den Käser und Amstutz mit dem Gemeinderat und Daniel Hunziker, dem Leiter des Durchgangszentrums in der Zivilschutzanlage Rüedismatt, veranstalteten.
Mit «Arena» verwechselt
In der Höhle des bis auf den letzten Stehplatz besetzten «Löwen» zeigte sich, dass Krauchthal, wenn auch zähneknirschend, bereit scheint, die «Notsituation» (Käser) gemeinsam mit den Behörden und den Asylbewerbern zu meistern.
Abgesehen von zwei Votanten, die den Anlass offensichtlich mit einer «Arena» verwechselten und vorschlugen, die Fremden wieder in ihre Krieg führenden Länder zurückzuschicken, fragten, «wann wir aus unserem eigenen Land geworfen werden» und behaupteten, sie wüssten aufgrund eigener Auslandaufenthalte «genau, wie die Leute dort tun», war von grundätzlicher Ablehnung wenig bis garr nichts zu spüren.
«Nicht gleich zur Polizei»
Der Grossteil der Anwesenden glaubte Käser und Amstutz, als sie versicherten, dem Kanton und der mit der Betreuung der Asylbewerber beauftragten Heilsarmee liege sehr viel an einem störungsfreien Betrieb des Zentrums. Wer sich oder Kinder belästigt oder bedroht fühle oder aus anderen Gründen denke, es laufe nicht, wie es laufen sollte, soll sich «sofort bei uns melden», bat Amstutz.
Angesprochen war damit auch Krauchthals Gemeindepräsident Claude B. Sonnen; er hatte bei der Begrüssung kein Hehl daraus gemacht, dass ihn der Gedanke an die Fremden und seine halbwüchsigen Töchter und Söhne genauso beunruhige wie andere Väter und Mütter.
«Aber wenn etwas ist, müssen wir das nicht gerade der Polizei melden. Oder doch?» erkundigte sich ein Krauchthaler - und signalisierte den Behörde- und Hilfswerkvertretern damit, dass zumindest er nicht auf die erstbeste Gelegenheit wartet, um die Gäste in Misskredit bringen zu können. Ein anderer Redner wollte wissen, wie die Einheimischen mit den Asylbewerbern reden könnten. Amstutz verwies auf die rudimentären Englisch- und Französischkenntnisse vieler Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten. Falls es damit nicht klappen sollte, sei das kein Problem: In ihren Herunftsländern seien es die Leute gewohnt, mit Händen und Füssen zu kommunizieren.
«Keine Fremdkörper»
Dass in der Zivilschutzanlage Angehörige unterschiedlicher Religionen wochen- und monatelang auf engem Raum zusammenleben müssen, sei kein Grund zur Besorgnis, sagte der Verantwortliche der Heilsarmee: «Wir bringen den Leuten besonders in ländlichen Gebieten bei, sich in ihrem neuen Umfeld zu bewegen.» Sie sollen in Krauchthal «keine Fremdkörper» sein. Die Infrastruktur in der Anlage erlaube es den Menschen, «im Dorf positiv aufzufallen.»
Mit regelmässigen Kontrollen werde sichergestellt, dass sich nur Menschen im Zentrum aufhalten, die sich dort aufhalten dürfen. Verstösse gegen die umfangreiche und in elf Sprachen übersetzte Hausordnung würden geahndet; das könne in schweren Fällen bis zum Ausschlusss aus der Anlage führen.
Zivilschutz «animiert»
Was die Tagesabläufe der nicht arbeitsberechtigten Asylbewerber betrifft, verwies Amstutz auf Sprachkurse, die den Fremden in Bern angeboten werden. Falls der Bus für die Fahrten in die Hauptstadt zu klein sein sollte, sei er gerne bereit, «Ihnen ein paar Autos zu verkaufen», bot ein Garagist den Referenten mit Galgenhumor an.
Viel mehr als für sich zu kochen und Sprachen zu lernen könnten die Asylbewerber nicht tun, sagte Amstutz. Der Zivilschutz werde hin und wieder für «Animation» sorgen. Dass die Leute öfter auf dem Schulhausplatz Ball spielen, sei anzunehmen. Dann werde dafür gesorgt, dass die Kinder ihre Pausen unter sich verbringen können. Die Nähe der Durchgangszentren zu den Schulen sei in manchen der 31 Aufnahme-Gemeinden für Asylbewerber eine Tatsache, «die viele nachdenklich macht», sagte Amstutz. Deshalb stehe das Betreuerteam in engem Kontakt mit den Schulleitungen.
Kontaktbereitschaft sei ohnehin keine schlechte Voraussetzung für ein Nebeneinander der sehr unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten, sagte Regierungsrat Hans-Jürg Käser. «Die Begegnung mit diesen Menschen kann für Krauchthal eine positive Erfahrung sein.»
> (Berner Zeitung)
Erstellt: 20.02.2009, 15:04 Uhr
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