Region

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Anwohner der Chuderglungge: «Das ist doch Widersinn»

Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 25.11.2011 3 Kommentare

In der Nähe der Chuderglungge, eines Quellteichs an der Grenze zu Lützelflüh, wird gebaut – und Grundwasser abgepumpt. Zum Missfallen mancher Quartierbewohner, die auf Terrain- und Naturschäden hinweisen.

Ein Naturphänomen: Die Chuderglungge ist ein Teichaufstoss und speist sich aus dem Grundwasser.

Ein Naturphänomen: Die Chuderglungge ist ein Teichaufstoss und speist sich aus dem Grundwasser.
Bild: Thomas Peter

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Der 74-jährige Werner Frank wohnt seit 1945 an der Lützelflühstrasse in Rüegsauschachen. «Ich kenne den Schachen wie meine Westentasche», sagt er. Wie alle «Schächeler» weiss auch er, dass das Dorf auf einem der kantonsweit grössten Grundwasservorkommen steht. Eine Besonderheit ist die sogenannte Chuderglungge, ein Teichaufstoss an der Gemeindegrenze Rüegsau/Lützelflüh, dessen glasklares Nass vom Grundwasser an die Oberfläche dringt.

Wenn sich der Boden bewegt

Das Grundwasser bereitet vielen Quartierbewohnern seit Jahren und Jahrzehnten aber auch Sorgen – vor allem dann, wenn es im Zuge von Bauprojekten abgepumpt und der Emme zugeführt wird. Dabei kann es stellenweise zu Absenkungen im Terrain kommen, was sich auf die bestehenden Häuser und deren Umgebung ungünstig auswirkt, etwa in Form von schiefen Gartenmauern, Vertiefungen in asphaltierten Vorplätzen und sogar Rissen in Gebäudefassaden. Gegenwärtig ist der Bach entlang der Lützelflühstrasse komplett ausgetrocknet: Einmal mehr wird Grundwasser abgepumpt. Im Wohnviertel bei der Chuderglungge entstehen derzeit neue Häuser, und der Betoneinbau kann nur bei trockenem Untergrund erfolgen.

Die aktuellen Vorgänge bewogen Werner Frank zum Schritt an die Presse. «Es hatte spannenlange Forellen im Bach, die sind nun alle tot», sagt er. Das Problem liege aber nicht in diesem Einzelfall, sondern darin, dass seit Jahrzehnten immer wieder Grundwasser abgeleitet werde – mit dem Segen des Kantons, dessen Gesetze solches Tun leider erlaubten. «Die Lösung wäre, die Chuderglungge unter Schutz zu stellen, dann hätten wir endlich Ruhe», sagt er.

Die Folgen einer Grundwasserabsenkung bekam er bereits in den 1980er-Jahren zu spüren, als in der Nachbarschaft das neue Coop-Center gebaut wurde. Dabei entstand an seinem Haus über der Kellertür ein Riss, der noch heute zu sehen ist. Später folgte auf der Mosermatte gleich neben seiner Liegenschaft eine Wohnüberbauung. Mithilfe eines Anwalts setzte Frank eine Änderung durch: Die Bauherrschaft musste das Terrain aufschütten, wodurch das Grundwasser weniger tangiert wurde.

«Immer wieder wird gebaut, und ständig pumpt man Millionen von bestem Trinkwasser in die Emme, das ist einfach Widersinn», ärgert sich der eingesessene Quartierbewohner. Der Ärger sei im Schachen weit verbreitet, aber niemand habe Lust, sich zu exponieren.

Fischereiaufseher Markus Flück weiss um die aktuelle Grundwasserabsenkung. Gutachten und Bewilligung seien vorhanden, sagt er. Auch er stellt aber fest: Der Grundwasserspiegel liege derzeit so tief, dass einer der beiden Abflüsse der Chuderglungge ausgetrocknet und der Forellenbestand darin verendet sei. Der Schaden werde von den Verursachern jedoch beglichen, im Frühling schaue man die Sache genauer an.

Trübungen vermeiden

Übrigens sei, weil das Grundwasser in die Emme gepumpt werde, auch der Spiegel der Chuderglungge etwas gesunken. Zwar habe man die Leitung zuerst in den Teich gelegt; dabei habe sich jedoch gezeigt, dass Trübungen auch bei entsprechenden Vorkehrungen unvermeidlich wären. «Das wollten wir nicht in Kauf nehmen, zumal die Bauarbeiten zwei Jahre dauern und es sich bei der Chuderglungge um einen weitherum einzigartigen Quellaufstoss handelt; solche Gewässer sind besondere Lebensräume», erklärt Flück. Deshalb gelange das abgepumpte Grundwasser jetzt in die Emme. «Man könnte sich allenfalls die Frage stellen, ob in solchen Gebieten überhaupt gebaut werden sollte – aber das sind politische Entscheide», hält der Fischereiaufseher fest. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.11.2011, 07:41 Uhr

3

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

3 Kommentare

Fredy Wymann

25.11.2011, 10:14 Uhr
Melden

Die neuen Bauten befinden sich auf Gemeindegebiet Lützelflüh direkt an der Grenze zur Gemeinde Rüegsau auf deren Boden die Chuderglungge und der betroffene Bach liegen. Kontaktaufnahme der Bauverwaltungen beider Gemeinden wären nötig um die Probleme rasch zu lösen. Generell sollte man das Grundwassergebiet so unter Schutz stellen, dass nicht mehr gebaut werden darf und keine Fische mehr verenden. Antworten


Werner Frank

26.11.2011, 13:03 Uhr
Melden

Aber Herr Meier, haben Sie den Abschnitt “Trübung vermeiden” nicht gelesen.
Im weiteren liegt das Baustellenterrain 2m. Minus zur Chuderglungge .
Sowie die Trockenheit nur bedingt Einfluss auf das Grundwasser hat,
Da es meines Wissens vom Brienzersee kommt.
Antworten



Region

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

WERBEN SIE ONLINE

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir beraten Sie gerne.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!