Alte Flipperkästen in neuem Glanz
Von Stefan Schneider. Aktualisiert am 22.02.2011
Herr über die blinkenden Flipperkästen: Zusammen mit Kollegen hat der Niederbipper Beat Baur das Area 52 eingerichtet.
(Bild: Thomas Peter)
Area 52
Die Öffnungszeiten: Sa und Mo ab 20.30 Uhr. So 14 bis 18.30 Uhr. Familientag: diesen Sonntag, 14 bis 20 Uhr. Brückenstrasse 3, Murgenthal. Weitere Infos: www.area-52.ch.
Die Kugel verschwindet im Loch, bevor Beat Baur (40) sie spielen kann. Ab durch die Mitte, in den dunklen Bauch des Flipperkastens hinein. «Heute ist gar nichts los», sagt der Niederbipper und schüttelt den Kopf. Die Lämpchen blinken, ein Knacken – und schon spuckt das Gerät die nächste Kugel aus.
Endlos könnte Beat Baur weiterspielen, ohne einen einzigen Franken in den Geldschlitz werfen zu müssen. Im Flipperclub Oberaargau sind die Geräte auf Freispiel eingestellt. Ein Vergnügen für die Jungen und für all jene, die nicht so recht erwachsen werden wollen. «Bei uns können die Gäste noch aktiv spielen. Flipperkästen sind viel besser als moderne Videospiele, bei denen man nur noch auf ein Knöpfchen drücken muss», sagt Beat Baur und füllt ein paar Gläser mit Fruchtsaft. Seine Spielbemühungen hat der Eventmanager für den Moment eingestellt. Jetzt steht er an der Bar, vor riesigen Kühlschränken, und serviert seinen Gästen Pausengetränke.
Flippern im Industriebau
Area 52 heisst die Spielhölle in einer alten Werkzeugmacherei in Murgenthal. Betreiber ist der Flipperclub Oberaargau mit rund fünfzig Mitgliedern. Gegründet und eingerichtet wurde das Lokal von fünf Kumpels aus dem Oberaargau. Beat Baur ist Präsident, der Langenthaler Fahrlehrer Michael Sommer für die Technik zuständig.
Auf 280 Quadratmetern gehen hier Kinderträume in Erfüllung. Töggelikasten, Dartscheiben, klassische Videospiele – und vor allem Flipperkästen aus den 80er- und 90er-Jahren. Sie tragen Namen wie Gateaway, Stargate, Black Rose und Time-Machine. Alle sind fein säuberlich restauriert und herausgeputzt. Mit neuen Lämpchen, Gummiüberzügen und polierten Scheiben. «Das sind absolute Liebhaberstücke, die wir mit eigenen Mitteln gekauft und in stundenlanger Arbeit auf Vordermann gebracht haben», sagt Baur.
Ersatzteile sind Mangelware
500 bis 4000 Franken kostet jeder Automat. Je nach Typ, Jahrgang, Verbreitung und Beliebtheit. Hergestellt werden sie kaum noch. Auch Ersatzteile sind Mangelware geworden. «Manchmal suche ich monatelang im Internet nach einer einzigen Komponente», sagt Baur und zeigt auf einen Flipperkasten des Typs Congo, bei dem eine Kunststofframpe notdürftig mit Klebestreifen geflickt werden musste. «Eine solche Rampe suche ich seit über einem Jahr. Leider ohne Erfolg.»
Als Spielsalon sehen die Flipperfreunde ihr Paradies mit siebzig Geräten nicht. Schon eher als Museum. Wer hier seine Freizeit verbringen will, muss für 10 Franken eine Jahresmemberkarte kaufen. Pro Spieltag werden weitere 10 Franken fällig. Diese Einnahmen reichen nicht mal, um Strom, Miete und Reparaturen zu bezahlen. «Reich werden wir gewiss nicht», sagt Beat Baur. Neue Sponsoren werden gesucht. Und auch Mitglieder, die ihre Liebe zu den sperrigen Automaten in Murgenthal auffrischen möchten.
Sonntag ist Familientag
Geöffnet ist das Area 52 an drei Tagen pro Woche, nächsten Sonntag speziell auch für die Kleinen. Immer am letzten Wochenende des Monats steht ein Familienspieltag auf dem Programm. Eine Memberkarte ist an diesem Tag ausnahmsweise nicht erforderlich. Erwachsene zahlen 10 Franken Eintritt, Kinder dürfen gratis versuchen, die silbrigen Kugeln möglichst lange im Spiel zu halten. (Berner Zeitung)
Erstellt: 22.02.2011, 08:22 Uhr
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