Oberaargauer Viehstall gewinnt Schweizer Solarpreis

Aktualisiert am 04.09.2010

In Melchnau scheint die Sonne: Mit der riesigen Solarstromanlage auf dem Dach eines Viehstalls gewinnt die Firma PV Energie aus Niederönz den Schweizer Solarpreis 2010 in der Sparte Fotovoltaik/Energieanlagen.

Solarpanels statt Dachziegel: Die grösste gebäudeintegrierte Solarstromanlage der Schweiz befindet sich in Melchnau. Das Projekt erhält den Schweizer Solarpreis.

Solarpanels statt Dachziegel: Die grösste gebäudeintegrierte Solarstromanlage der Schweiz befindet sich in Melchnau. Das Projekt erhält den Schweizer Solarpreis.
Bild: Andreas Marbot

Das Projekt ist gigantisch: Auf einem Viehstall im Melchnauer Moosboden hat die Firma PV Energie AG aus Niederönz innert weniger Wochen die grösste gebäudeintegrierte Solarstromanlage der Schweiz installiert. Bei der Eröffnung Ende Mai war die Berner Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) des Lobes voll: «Die Solaranlage setzt neue Massstäbe.»

Dem regierungsrätlichen Lob folgt jetzt eine weitere Anerkennung. Das Melchnauer Solarprojekt gewinnt den diesjährigen Schweizer Solarpreis in der Sparte Energieanlagen/Fotovoltaik. Die Preise wurden gestern in Zürich verliehen.

«Ich bin sehr glücklich»

Für Stefan Bigler (42), Gründer und Geschäftsführer der Firma PV Energie, ist die Auszeichnung «ein Riesenerfolg», wie er auf Anfrage sagt. «Ich bin sehr glücklich.» Zumal die Konkurrenz aus der ganzen Schweiz gekommen sei und es zahlreiche Anmeldungen gegeben habe.

Mit dem Solarpreis zeichnet die Solar Agentur Schweiz (SAS) unter der Schirmherrschaft des Bundesamts für Energie gemeinsam mit Hochschulen seit 20 Jahren energieeffiziente Bauten sowie Anlagen mit erneuerbaren Energien aus. Die Viehstall-Solaranlage in Melchnau steht nun in einer Reihe mit früheren Gewinnern wie der Solaranlage auf dem Stade de Suisse in der Stadt Bern.

Strom für 65 Haushalte

Die 1758 Panels (70300 Solarzellen) auf dem Satteldach in Melchnau produzieren jährlich zirka 250000 Kilowattstunden Strom. Die Menge deckt den Jahresbedarf von 65 Haushalten. Die Hälfte des Stroms nimmt die Swisscom ab. Der Rest wird in die Netze der Industriellen Betriebe Langenthal (IBL) und Energie Wasser Bern (EWB) eingespeist.

Die beiden Energieunternehmen sind an der Niederönzer Firma PV Energie AG denn auch beteiligt. Anteile halten ebenso die Bauern der Betriebszweckgemeinschaft (BZG) Moosboden, auf deren Viehstall die 2 Millionen Franken teure Anlage erstellt worden ist. 40 Prozent der Aktien schliesslich besitzt Initiant Stefan Bigler.

Weitere Projekte geplant

Die PV Energie AG hat er im Jahr 2009 ursprünglich eigens für den Bau der Melchnauer Solaranlage gegründet. Doch nach der Auszeichnung dürfte die Geschichte der Firma nun weitergehen. «Der Preis ist ein Ansporn», sagt Bigler. Er möchte weitere Projekte, auch im Oberaargau, in Angriff nehmen – auch wenn der Markt kapitalintensiv sei und sich die Suche nach Partnern als schwierig gestalte. Konkrete Informationen will Bigler vorerst aber noch nicht preisgeben.

Ob der Softwareingenieur, derzeit Informatikchef der Biketec AG in Huttwil, einmal vollständig in die Energiebranche umsteigen wird, lässt er offen.

Lehrlinge auf Satteldach

Speziell an der Solarstromanlage in Melchnau ist aber nicht nur die Dimension, sondern auch die Entstehung. Im April dieses Jahres montierten Lehrlinge der beteiligten Firmen die 1758 Solarpanels innert 22 Tagen auf dem Dach des Viehstalls. Die Aktion stand unter der Leitung des von Greenpeace gegründeten Jugendsolarprojekts.

Dominik Balmer

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Erstellt: 04.09.2010, 12:07 Uhr

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