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30 Leute feilschten um Fichten und Eichen

Von Stefan Kammermann. Aktualisiert am 08.11.2010

Wenn die Korporation Ranflüh zu Holzsteigerung in den Wald lädt, ist Feilschen angesagt. 30 Leute machten sich am Samstag auf die Suche nach günstigem Nutz- und Brennholz.

Immer am ersten Samstag im November sind die Männer der Korporation Ranflüh im Schachenwald unterwegs. Hans Scheidegger markiert die zu versteigernden Bäume – und bald fallen die ersten Gebote.

Immer am ersten Samstag im November sind die Männer der Korporation Ranflüh im Schachenwald unterwegs. Hans Scheidegger markiert die zu versteigernden Bäume – und bald fallen die ersten Gebote.
Bild: Daniel Fuchs

Es duftet nach frischem Moos und Holz, unter den Sohlen knirschen dürre Zweige. Eine Gruppe Männer, ein paar Kinder und einige Schaulustige pirschen durch den Schachenwald bei Zollbrück. An einer dichten Stelle bleiben sie stehen. Einer malt mit oranger Leuchtfarbe eine Zahl auf kräftige Fichten, filigrane Eschen und knorrige Eichen. Revierförster Ernst Fankhauser nickt. Viele Worte sind nicht nötig. Bald fallen die ersten Gebote.

Die Männer kennen sich. Sie sind allesamt Mitglieder der Korporation Ranflüh und immer am ersten Samstag im November im Korporationswald unterwegs. Auf dem Programm steht die traditionelle Holzsteigerung. «Der Holzschlag geht auf Risiko des Steigerers», umschreibt Korporationspräsident Franz Stettler eine Steigerungsbedingung. Aber auch andere Kriterien sind für den Kaufentscheid ausschlaggebend. Zum Beispiel die Lage der Bäume. Denn je unwegsamer das Gelände, desto günstiger der Preis. «Das Fällen und Aufrüsten der Bäume ist ein wichtiger Faktor, je grösser der Aufwand, je geringer die Rendite», sagt Hans Muralt. Der Metallbauer aus Ranflüh stellt gemeinsam mit seinem Bruder im Nebenerwerb Schindeln her und ist im Korporationswald auf der Suche nach geeigneten Fichten und Brennholz für den Eigenbedarf.

Schlag auf Schlag

Für Hans Muralt, der sein Heim vorwiegend mit Holz heizt, gehört die Gant seit Jahrzehnten zum Muss. «Ich geniesse diesen Nachmittag im Wald, die gute Stimmung und die Geselligkeit», sagt er. Und der Schindelmacher hat auch gleich Glück. Für 185 Franken wird er neuer Besitzer einer strammen Eiche und einer kräftigen Esche.

«Das ist günstig», meint einer aus der Runde. Und schon geht es weiter zu einer etwas lichten Stelle am Waldweg. Zwei Eschen stehen dort und müssen gefällt werden. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Im Sekundentakt fallen die Gebote. Rüderswils Finanzverwalter und Gantrufer Alfred Brechbühl benötigt ein gutes Auge, um den Überblick zu behalten. 100 Franken sind dem Restaurator Robert Rosati die beiden Laubbäume wert. «Ich bin zufrieden. Direkt am Weg lassen sich die beiden Bäume ohne viel Aufwand fällen», sagt der neue Baumbesitzer. Doch wenn der Hammer des Gantrufers fällt, ist noch lange nicht Schluss mit der Spannung. Denn auch wenn ein Baumstamm auf den ersten Blick einen guten Eindruck macht – erst wenn er fällt, wird sich zeigen, ob er sein Geld auch wert ist. «Fäulnis im Innern lässt sich erst dann erkennen», erläutert Robert Rosati.

Fast 5000 Franken

Korporationspräsident Franz Stettler jedenfalls zeigt sich zufrieden. Nach über zweistündiger Gant im Schachenwald hat die im 13.Jahrhundert gegründete Korporation, die in der Region über zehn Hektaren Wald verwaltet, die diesjährige Holzernte ohne Probleme an den Mann gebracht. «Die gebotenen Preise sind leicht höher als im Vorjahr», sagt Stettler. Gegen 5000 Franken dürfte der Nachmittag der Korporationskasse eingebracht haben. Zum Dank warten im Bären Bratwurst und Pommes auf die rund 30-köpfige Gruppe. Gesponsert aus der Korporationskasse. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.11.2010, 09:22 Uhr

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