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220 Vollzeitstellen stehen auf dem Spiel

Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 09.12.2011 9 Kommentare

320 Arbeitsplätze respektive knapp 220 Vollzeitstellen gingen verloren, wenn der Regierungsrat den Fachhochschulstandort Burgdorf wie geplant aufgäbe.

Die Fachhochschule in Burgdorf ist nicht nur eine Imageträgerin, sondern auch eine der grösseren Arbeitgeberinnen in der Region Emmental.

Die Fachhochschule in Burgdorf ist nicht nur eine Imageträgerin, sondern auch eine der grösseren Arbeitgeberinnen in der Region Emmental.
Bild: Thomas Peter

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Samuel Leuenberger, Grossrat und Präsident der Region Emmental, brachte es unlängst an einer Tech-Pressekonferenz in Burgdorf auf den Punkt: «Kein Wunder, dass nicht nur wir, sondern auch Bern und Biel vehement dafür kämpfen, Fachhochschulstandort zu bleiben; wer eine Fachhochschule hat, hat etwas Gewichtiges.» Man höre oft, wie jemand aus einem anderen Kanton sage: «Ja, ich kenne Burgdorf, ich habe dort am Tech studiert.» Würden das Emmental und der Oberaargau, so Leuenberger, das Tech in Burgdorf nun verlieren, fiele für die Regionen ein starker Identifikationsfaktor nach innen und aussen weg.

Das Burgdorfer Tech ist aber nicht nur Identifikationsfaktor, regionaler Werbeträger und seit gut 100 Jahren fest mit der Stadt verwurzelt – die Ausbildungsstätte als Teil der Berner Fachhochschule (BFH) ist auch eine der grösseren Arbeitgeberinnen in der Region. Darauf legte der grüne Burgdorfer Grossrat Christoph Grimm den Finger, als er im Kantonsparlament einen Fragenkatalog einreichte. Er tat dies mit Blick auf die umstrittenen Pläne des Regierungsrats, Burgdorf als Fachhochschulstandort mittelfristig aufzuheben und alle technischen Bereiche in einem neuen Campus in Biel zu konzentrieren.

«Wie viele Vollstellen gehen durch die Schliessung der BFH am Standort Burgdorf verloren?», wollte Grimm unter anderem wissen. Und: «Wie ist dieser Entscheid mit der kantonalen Regionalpolitik und der Wachstumsstrategie vereinbar, die die Wettbewerbsfähigkeit im ländlichen Raum stärken, innovative Projekte unterstützen und die Regionen an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben lassen will?» Auch auf die anstehende Schliessung der Roche-Niederlassung in Burgdorf nimmt der Parlamentarier Bezug: Als die Firma mit diesem Schritt an die Öffentlichkeit getreten sei, habe Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher den Raum Burgdorf als «exzellenten Standort mit hohem Potenzial» positioniert. Nun werde dieselbe Stadt von derselben Regierung einen Monat später als «zu wenig urban» und zu wenig gut erschlossen taxiert.

Fast gleich viel wie Roche

Offiziell antworten wird der Regierungsrat im Januar, wenn er dem Grossen Rat auch den detaillierten Bericht zum Standortentscheid vorlegt. Die schriftliche Stellungnahme liegt jedoch bereits vor. Darin nennt die Regierung zuallererst Zahlen: Mit der mittelfristigen Tech-Schliessung gingen, ist der Tabelle zu entnehmen, knapp 220 Vollzeitstellen verloren, verteilt auf 320 Arbeitnehmende. Zum Vergleich: Mit der Schliessung von Roche gehen 350 Stellen verloren – «für Burgdorf als Wirtschaftsstandort der schwärzeste Tag seit meinem Amtsantritt», wie Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch vor einem Jahr kommentierte.

Dennoch: Für den Regierungsrat sind der Abzug der Fachhochschule und die angestrebte Förderung der Regionen kein Widerspruch. Regionalpolitische Erwägungen seien bei der geplanten Konzentration der BFH nur ein Aspekt «unter gewichtigen anderen», schreibt die Regierung. Bei den Fachhochschul-Plänen gehe es in erster Linie um einen strategischen Entscheid zum langfristigen Erhalt der Schule im Kanton Bern. Gelinge es, profitiere der ganze Kanton – gelinge es nicht, verlören die Standortgemeinden ebenso wie die restlichen Regionen.

Attraktivität unbestritten

Für die Regierung ist die Attraktivität der Stadt Burgdorf als Wirtschafts- und Wohnort unbestritten. Vergleiche man jedoch Bern, Biel und Burgdorf, schneide die Emmestadt in Sachen Urbanität schlechter ab. Burgdorf sei zwar besser erreichbar als ursprünglich taxiert, man habe diese Beurteilung denn auch korrigiert. Das wirke sich jedoch auf den Entscheid nicht weiter aus.

Im Übrigen, hält der Regierungsrat fest, lasse er die Regionen nicht fallen, sondern fördere sie im Rahmen der «Neuen Regionalpolitik» gezielt im Einklang mit ihren jeweiligen Stärken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.12.2011, 06:26 Uhr

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9 Kommentare

Martin Lerch

09.12.2011, 06:46 Uhr
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Die Rechnung ist einfach: Im Emmental wählt die Mehrheit SVP. In Biel wählt man SP. Die bernische Regierung ist eine links-grüne Regierung. Also Burgdorfer, merkt Euch: In diesem Stammeskrieg geht es nicht um die Sache, sondern darum, dass der Stärkere gewinne. Wählt von jetzt an SP, dann könnt Ihr die Fachhochschule behalten: Antworten


Daniel Kettiger

09.12.2011, 08:01 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Der Regierungsrat will die Region Burgdorf "gezielt im Einklang mit ihren jeweiligen Stärken" fördern? Dann muss er die Fachhochschule in Burgdorf lassen. Dass "Tech" in Burgdorf ist seit weit über 100 Jahren einer der stärksten Standortfaktoren von Burgdorf. Burgdorf ist seit langem eine Innovations-Stadt. Nur hat das leider die Regierung noch nicht gemerkt. Antworten



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