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160 Tonnen Käse, ein Mann und ein Roboter

Von Ursula Grütter. Aktualisiert am 12.09.2011

Alle wollten Fränzi sehen: Im Reifungslager der Fromaca AG stand am Tag der offenen Tür ein Roboter im Zentrum des Interesses. Käsemeister Franz Sutter führte seine Assistentin stolz vor. Sie ist seit Mitte Juli im Einsatz.

Der Meister und seine Gehilfin: Franz Sutter wird bei seiner Arbeit in der neuen Käselagerhalle in Koppigen von Roboter Fränzi unterstützt.

Der Meister und seine Gehilfin: Franz Sutter wird bei seiner Arbeit in der neuen Käselagerhalle in Koppigen von Roboter Fränzi unterstützt.
Bild: Marcel Bieri

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Am Samstag hatten Interessierte die Gelegenheit, das neue Reifungslager der Firma Fromaca AG zu besichtigen. Der Andrang war gross, denn die beiden Käsereibesitzer Rudolf Beutler aus Koppigen und Thomas Hofer aus Aarwangen sind in der Region bekannt. Vor einem Jahr standen sie vor dem Problem, dass sie längerfristig nicht über genügend Reifungsräume für den Käse verfügten. Sie entschlossen sich, im Gewerbegebiet Aspi einen Neubau zu realisieren.

Dass zwei Käsereien ein eigenes Feuchtlager zur Reifung der Käse führen, ist ungewöhnlich. Doch die Idee überzeugte auch den Berater und Käsetechnologen Hansruedi Feldmann aus Alchenstorf. Er stieg ins Projekt ein und wurde Mitinhaber der neu gegründeten Firma. Mitte Januar erfolgte der Spatenstich, und bereits im Mai lagerten erste Käse in den Hochregalen. Insgesamt ist hier Raum für 160 Tonnen Käse.

Franz mit Fränzi

Einer, der sich ebenfalls begeistern liess, ist Franz Sutter. Der Käsemeister ist für den Reifungsprozess der Produkte verantwortlich. «Für mich ist das mehr als Arbeit, es ist Leidenschaft», sagt er. Bis 2001 leitete er die Käserei in Wynigen, anschliessend war er einige Jahre als Chauffeur tätig. Jetzt will er beweisen, dass ein gut gelagerter Emmentaler aus einem Feuchtlager eine Köstlichkeit ist. «Wir haben hier eine Luftfeuchtigkeit von 96 Prozent und eine konstante Temperatur von 11,5 Grad», erklärt der Mann, der seinen Appenzeller Dialekt nie ganz verloren hat. Das seien optimale Bedingungen, um einige Käse lang ausreifen zu lassen.

«Noch nicht ganz ausgereift» ist für Sutter hingegen das Robotersystem. Fränzi, wie alle den Roboter nennen, habe noch einige Kinderkrankheiten. Aber Fränzi muss auch eine anspruchsvolle Arbeit übernehmen. Normalerweise stehen Roboter dieses Typs nur für eine einzelne Käsesorte im Einsatz, in Koppigen müssen die Arme von Fränzi fünf verschiedene Arten Käselaibe ergreifen. «Das pendelt sich nächstens ein», gibt sich Sutter zuversichtlich.

Am Morgen programmiert Sutter seine Assistentin jeweils, sagt, welche Regale an der Reihe sind, und stellt sie auf die zu verarbeitenden Käsesorten ein. Anschliessend gleitet das gläserne Gefährt durch die Reihen und erkennt per Laserstrahl, wo sich Laibe befinden. Die Greifarme tasten sich im Regal nach hinten und führen zwei Käse in das Innere des Glasgehäuses. Hier schrubbt Fränzi zünftig. «Junger Käse wird zweimal wöchentlich mit Salzwasser eingerieben», erklärt Sutter. So wird Eiweiss abgebaut, und der Käse kommt zu seiner Rinde. Ob es ein «Emmentaler, ein Raclettekäse oder ein Greyerzer» wird, kann Fränzi aber nicht beeinflussen. Diese Entscheidung ist bereits in der Käserei gefallen. Dort werden der verarbeiteten Milch entsprechende Bakterienkulturen eingeimpft.

Liberalisierung als Chance

Über zwei Millionen Franken hat die Fromaca AG in den Neubau investiert. Da es sich nicht um eine Genossenschaft handelt, erhalten die Besitzer keine öffentlichen Gelder. Doch Rudolf Beutler ist überzeugt, dass die Fromaca AG am Markt bestehen kann: «Wir sehen die Liberalisierung des Milchmarktes als Chance, nicht als Last.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2011, 08:43 Uhr

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