Der Bären – eine Familiensache

Von Lilo Lévy-Moser. Aktualisiert am 06.08.2010

Tradition ist im Bären Utzenstorf kein leeres Wort: Über 14 Generationen wurde das Gasthaus familienintern vererbt. Einer der Wirte stand sogar am Hof des Zaren am Herd. Die Speisekarte zeugt noch heute davon.

Vier Generationen vereint: Ganz links Manuela Thommen mit Anna Lena, daneben Urs Thommen,  auf dem Bänkli Sitzbank 
der 86-jährige Hans Hubler, hinter ihm Martin Thommen und rechts Margret Thommen mit dem kleinen Nils.

Vier Generationen vereint: Ganz links Manuela Thommen mit Anna Lena, daneben Urs Thommen, auf dem Bänkli Sitzbank der 86-jährige Hans Hubler, hinter ihm Martin Thommen und rechts Margret Thommen mit dem kleinen Nils.
Bild: Walter Pfäffli

Im erlauchten Kreis

Um in die Riege der «Jeunes Restaurateurs d’Europe en Suisse» aufgenommen zu werden, muss ein Lokal in mindestens zwei renommierten Gastroführern verzeichnet sein. Das Alterslimit beträgt 45 Jahre. Daneben müssen die Köche von 2 der 28 Mitglieder zur Aufnahme empfohlen werden. Seit kurzem ist auch Martin Thommen vom Bären Utzenstorf dabei. Insgesamt 6 Mitglieder der in Frankreich gegründeten Vereinigung stammen aus dem Kanton Bern.lia

«Ein Wirtshaus ist der Anker der Welt», sagte schon Jeremias Gotthelf. Zu allen Zeiten waren Gasthäuser Orte der Begegnung und der Geselligkeit, aber auch Orte, an denen wichtige Geschäfte abgewickelt wurden. Während Wirtschaften mit Beherbergungsrecht bis ins 15.Jahrhundert eher selten waren, wurden die Pinten im ländlichen Raum schon früh urkundlich erwähnt. Der Gasthof Bären in Utzenstorf zum Beispiel 1261.

Der Bären – das ist ein behäbiges Haus unter einem ausladenden Walmdach. Seit 14 Generationen gilt die Gastfreundschaft hier als oberstes Gebot: 1570 kam der Betrieb in die Hände der Familiendynastie Leng, später Läng. Dann heiratete die Nichte einer Läng-Witwe einen gewissen Jakob Hubler, den Koch, der in den bekanntesten Häusern der Welt arbeitete. Sogar am Hof des Zaren stand er am Herd. Aus dieser Zeit stamme das beliebte «Bärenchöpfli», das noch heute auf der Karte sei, erzählt sein heute 86-jähriger Sohn Hans Hubler stolz. Ebenso viele Geschichten ranken sich um den berühmten Apfelkuchen von Elise, seiner Grossmutter.

Mehr Musse

Auch Hans Hubler erbte das Wirtegen von seinen Eltern. Der passionierte Koch leitete den Bären ab den frühen Fünfzigerjahren 35 Jahre lang, zusammen mit seiner Frau. Überhaupt hätten bis heute immer starke Frauen – oftmals Witwen – die Geschichte des Gasthofs mitgeprägt.

«Trotz der vielen Arbeit hatte man früher mehr Zeit und Musse für die Gäste», findet Hans Hubler, der noch heute jeden Tag im Betrieb vorbeischaut. Es sei ein Geschenk, wenn man Traditionen pflegen dürfe. Die Vergangenheit ist im geschichtsträchtigen Bären denn auch omnipräsent. Davon zeugen die alten, liebevoll restaurierten Möbel, die Kachelöfen und der Stammbaum an der Wand. Die moderne, mehrfach ausgezeichnete Küche bleibt immer auch Bewährtem treu.

15.Generation

Seit 1987 leiten Hans Hublers Tochter Margret Thommen-Hubler und ihr Mann Urs die Geschicke im Bären, zu dem insgesamt 16 Angestellte gehören. Seit dem vergangenen Jahr ist der 30-jährige Sohn Martin Thommen auf der Kommandobrücke der Küche. Dass auch die anderen beiden Kinder Bettina und Philipp die Hotelfachausbildung absolviert haben, sagt viel über die Familientradition aus.

Und bereits steht die 15.Generation in der Warteposition: Nils Johannes (2) und Anna Lena (1), die Kinder von Martin und Manuela Thommen.

Hineingewachsen

«Da unsere Kinder immer um uns herum waren, sind sie einfach in das Metier hineingewachsen» – einen Berufszwang habe es nie gegeben, erklärt der amtierende Bären-Wirt Urs Thommen. Der Baselbieter ist ebenfalls der Sprössling einer Wirtefamilie.

Auch er könne sich keinen besseren Beruf vorstellen, sagt Sohn Martin Thommen. Seine Ernennung in die erlauchte Gilde der «Jeunes Restaurateurs d’Europe en Suisse» (siehe Kasten) erfülle ihn mit Stolz, aber auch mit Demut seinen Vorvätern gegenüber. Obwohl der Spitzenkoch das Handwerk bei Grössen wie «Chrüteroski» Oskar Marti gelernt und Wanderjahre in angesagten Häusern im In- und Ausland hinter sich hat, bleibt er auf dem Boden. Als Familienmensch empfinde er die lange Tradition des Hauses nicht als Last, sondern vielmehr als «Herausforderung zwischen Bewährtem und Innovation». (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.08.2010, 11:16 Uhr

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